Deutschkurse bald überfüllt

Offenbach - Für 1250 Kinder aus Offenbach begann gestern ein neuer Lebensabschnitt – die Schulzeit. Allein an der Goetheschule wurden 190 Kinder eingeschult. Von Daniel Schmitt

Viele davon mit einem Migrationshintergrund: Betrug die Zahl der Kinder mit ausländischen Wurzeln im vergangenen Jahr an Offenbacher Schulen schon im Durchschnitt 64,3 Prozent, an manch einer sogar mehr als 90 Prozent, ist die Tendenz auch in diesem Jahr weiter steigend. „Wir haben viele Seiteneinsteiger ohne Sprachkenntnisse“, bestätigt Dr. Peter Bieniussa, der Chef des Staatlichen Schulamts für Stadt und Kreis.

Allein in den vergangenen Sommerferien sind laut dem Leitenden Schulamtsdirektor zirka 90 Schüler neu angemeldet worden, deren familiäre Wurzeln im Ausland liegen. Insbesondere habe der Zulauf aus Osteuropa spürbar zugenommen. Diese Kinder haben oft schlechte bis gar keine Deutschkenntnisse, was im regulären Schulbetrieb nicht mehr richtig aufgearbeitet werden kann. Spezielle Deutschkurse außerhalb des Unterrichts sollen deshalb das Problem lösen. „Doch bei der steigenden Zahl werden auch diese Kurse bald überfüllt sein“, sagt Bieniussa. Die Auslastung der Sonderkurse habe schon bald das Maximum erreicht.

„Keine leichte Aufgabe“

Das Problem überfüllter Zusatzkurse besteht nicht nur an den Grund-, sondern auch an den weiterführenden Schulen. „Wir sind mit der Stadt im Gespräch, um überall mehr Kapazitäten an Zusatzkursen zu schaffen“, erklärt Bieniussa, „aber eine Lösung gibt es bislang noch nicht.“ Erst in der kommenden Woche soll es zu einem Treffen zwischen der Stadt und dem Staatlichen Schulamt kommen.

„Normalerweise stellt das Staatliche Schulamt die Lehrkräfte und wir stellen die Räume“, erläutert der Offenbacher Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP), der auch in Zukunft von diesem Muster ausgeht: „Wir müssen das schnellstmöglich zusammen schultern, das ist aber keine leichte Aufgabe.“ Laut Weiß dürfe nicht eine einzelne Schule zu stark belastet werden, weshalb einige Schüler künftig an neuen Standorten untergebracht werden sollen.

Vor allem an den integrierten Gesamtschulen ist der Andrang von Schülern mit Migrationshintergrund groß. Sie rechnen sich dort deutlich bessere Chancen aus als auf einem der drei Offenbacher Gymnasien oder einer Hauptschule. „Wir haben einen echten Run auf unsere großen Schulen“, sagt Bieniussa. Beim Übergang auf die weiterführenden Schulen musste ausgesiebt werden. Allein die Schiller- und die Edith-Stein-Schule (beides integrierte Gesamtschulen) lehnten 80 Bewerber ab, weil kein Platz mehr in den Klassen vorhanden war. Die Auswahl wurde im Zweifelsfall per Losverfahren getroffen.

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