Sprachförderung

Deutschsommer macht Schüler grammatikfit

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Nomen, Verben, Adjektive: Mit ein bisschen Übung ist die Unterscheidung kinderleicht.

Offenbach/Büdingen - „Ist summen ein Tuwort?“, fragt Nasifa in Richtung Ines, die den Unterricht an diesem Vormittag leitet. Doch noch bevor diese etwas erwidern kann, kommt Nasifa allein drauf: „Ja, ist es, man kann ja summen.“ Wie als Beweis stimmt sie eine Melodie an. Von Jenny Bieniek

Nasifa ist eine von 30 Schülerinnen und Schülern aus zwölf Offenbacher Grundschulen, die an der dritten Auflage des Deutschsommers teilnehmen.

Das Sprachförderprojekt der Stadt Offenbach zeichnet sich durch eine enge Verzahnung von Deutsch- und Theaterunterricht sowie sprach- anregendem Freizeitprogramm aus. Für den letzten Tag ist eine Theateraufführung für Eltern geplant.

Erstmals bleiben die Schüler dabei von Beginn an auch über Nacht in der Jugendherberge, ein siebenköpfiges Team aus Sozial- und Theaterpädagogen sowie Lehrkräften nächtigt ebenfalls in Büdingen. An den Vormittagen trainieren die Kinder spielerisch grammatische Strukturen. „Adjektive sind Wörter, die sagen, wie etwas ist. Rund zum Beispiel“, weiß Greg. „Adjektive kann man auch steigern“, gibt sich Johanna als Fortgeschrittene in Sachen Grammatik zu erkennen. „Und sie werden klein geschrieben – genau wie Tuwörter.“

Langeweile kommt nicht auf

Doch auch die Freizeit kommt während dieses Deutschsommers nicht zu kurz: Schwimmbad- und Wildparkbesuche, Nachtwanderung, Walderkundungen und Fußballspielen. Langeweile kommt nicht auf. „Das Ferienmachen darf trotz Lernziele nicht zu kurz kommen“, weiß auch Projektkoordinatorin Waltraud Klopf. Im Alltag könnten sich die meisten der Kinder zwar gut verständigen, am „Schuldeutsch“ hapere es jedoch. „Doch gerade beim Verstehen von Textaufgaben geht es oft um Feinheiten.“

Zum Mittagessen wünschen sich heute alle auf Rumänisch „Guten Appetit“. Morgen ist eine andere Sprache an der Reihe. „Die Kinder sollen wissen, dass sie ihre Muttersprache nicht verleugnen müssen oder sollen, auch wenn wir uns auf die deutsche Sprache konzentrieren“, erklärt Klopf. Insgesamt 18 Herkunftsnationen sind vertreten.

Eine Art Bildungsurlaub

83. 000 Euro kostet das Projekt, finanziert wird es von der Stadt Offenbach, der Dr.- Marschner- und der Deutsche-Bank-Stiftung, dem hessischen Kultusministerium sowie dem Landesverband Hessen des Deutschen Jugendherbergswerks. „Das Projekt ist eine Art Bildungsurlaub, das sich inzwischen auch unter den Eltern rumgesprochen hat“, berichtet Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß zufrieden. „Und dass dieses Zusatzangebot funktioniert, zeigen die Ergebnisse der letzten Jahre“, betont er.

Johanna jedenfalls hat bereits jede Menge gelernt und freut sich schon auf das kommende Schuljahr. „Hier lernt man irgendwie anders als in der Schule“, findet sie, „es gibt nicht nur Tische und Stühle, sondern auch Matratzen zum Hinsetzen. Und uns wird abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Das ist schön.“ Vor allem das Theaterspielen mache ihr großen Spaß. Dass ihr drei Wochen Deutschsommer etwas bringen, davon ist die Neunjährige überzeugt: „In Klasse vier bekomme ich bestimmt bessere Noten.“ Auch Bilal kann jetzt „einiges viel besser“ als noch vor ein paar Wochen. „Hier gibt es aber auch keinen Fernseher und keine Playstation. Ich hab gehört, die machen dumm...!“

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