Endspurt für den Akkusativ

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Siar, Cindy und Jan lernen mit 22 weiteren Offenbacher Grundschülern beim Endspurt in Bad Orb, spielerisch Dativ und Akkusativ richtig zu bilden.

Offenbach - Die Nächte sind immer ein guter Indikator. Die Zeit zwischen Abenddämmerung und Sonnenaufgang sei bei Kindern im Schullandheim, laut Hajo Köppen, repräsentativ für die Gruppenstimmung. Von Katharina Hempel

Die Nächte während des Deutschprojekts „Endspurt“ an der Wegscheide empfindet der Sozialpädagoge als „ganz entspannt“.

Siar, der die Buchhügelschule besucht, schläft mittlerweile auch ganz gut. „Nur in der ersten Nacht musste ich weinen.“ Der zehnjährige Junge und 24 weitere Offenbacher Viertklässler verbringen die erste Woche im Januar – die letzte Woche ihrer Weihnachtsferien – im Spessart, um ihre Deutschkenntnisse nochmal aufzufrischen und zu vertiefen, bevor ihre Lehrer Halbjahreszeugnisse und Empfehlungen für die weiterführenden Schulen schreiben.

Den thematischen Schwerpunkt für den Endspurt in Bad Orb hat Projektkoordinatorin Waltraud Klopf auf Akkusativ und Dativ gelegt. „Sie sind ein wichtiger Schlüssel zum Verstehen der deutschen Sprache“, sagt sie. Damit möchte sie die Impulse und Kompetenzen, die die Schüler aus dem Deutschsommer mitgenommen haben, aufgreifen und stärken. Drei Sommerferienwochen lang machten 45 Offenbacher Drittklässler 2011 Sprachurlaub in Büdingen.

Endspurt für Kindern vom Sommer

„Den Endspurt bieten wir allen Kindern an, die auch im Sommer dabei waren“, sagt Paul-Gerhard Weiß, der die Offenbacher Grundschüler an der Wegscheide besucht. Knapp zwei Drittel von ihnen sind für die zweite Runde zurückgekehrt. Zur Freude des Bildungsdezernenten: „Das Projekt hat sich sehr bewährt. Man muss eben Qualität bringen, wenn man Erfolg haben will.“ Auch die Schulen merken, dass es den Kindern sehr viel bringt. Sie melden sich häufiger, sagen ihre Meinung und sind selbstbewusster. „Sie trauen sich auf einmal vor der ganzen Klasse zu sprechen“, fügt der pädagogische Leiter Hajo Köppen hinzu.

Der Erfolg des Deutschsommers ist nicht von der Hand zu weisen. Bisher tragen die Stadt Offenbach, das hessische Kultusministerium und die Dr. Marschner-Stiftung das rund 100.000 Euro teure Projekt zu drei gleich großen Teilen. Die Deutsche Bank-Stiftung übernimmt die Koordinationskosten und auch das Deutsche Jugendherbergswerk gewährt ein Stipendium. „Wir als Stadt können es nicht alleine schultern. Wir sind allen, die uns unterstützen, sehr dankbar“, sagt Stadtrat Weiß.

Kultusministerium dreht den Geldhahn zu

Bedauern schwingt in seiner Stimme mit, als er verkündet, dass das Kultusministerium für den nächsten Deutschsommer wohl seinen Geldhahn zudreht. „Aus Wiesbaden hieß es, sie könnten es nicht mehr machen. Wir planen jetzt ohne diesen Finanzzuschuss. Das bedeutet zur Not, dass beim nächsten Mal weniger Kinder teilnehmen können.“

Im Klassenzimmer sind die Geldsorgen zum Glück noch nicht angekommen. Draußen blöken die Schafe und die Tannen biegen sich im Spessartwind. Drinnen speien Siar und seine Kameraden aus der Lerngruppe Feuer. Als Drachenschüler studieren sie im Theaterunterricht das Märchen „Von der Fee, die Feuer speien konnte“ ein. Gelesen haben die Viertklässler die Geschichte während der Deutschstunden. So lernen sie, spielerisch Sprache zu verstehen und anzuwenden.

Aus den Drachenschülern sind wieder Grundschüler geworden, als ein Teil der Gruppe zum Lernen in den Keller ausweicht. Der Rest bleibt im Obergeschoss. So auch Siar und Trish, die auf die Goetheschule geht, und die Mathildenschüler Jan und Cindy. Sie spielen „Erzähl weiter“. Dabei müssen sie nach und nach Karten aufdecken, vorlesen, was darauf steht, und aus den Satzteilen eine kleine Geschichte stricken. „Während eines Gewitters saßen die Piraten gelangweilt im Schwimmbad“, beginnt Jan. „Plötzlich hörten sie himmlische Harfenklänge und sahen Harry Potter auf seinem Besen vorbeifliegen“, erzählt Trish zu Ende. Welcher Artikel kommt vor Gewitter? Die Vierergruppe ist unentschieden zwischen „der“ und „das“. „Was nun?“, fragt sie die Pädagogin Silja Flach. „Schnick-Schnack-Schnuck“, schägt Cindy vor. Wenn es doch so einfach wäre...

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