Angewiesen auf Leistungen vom Amt

Dezernent Martin Wilhelm blickt besorgt auf Sozialbericht für Offenbach

Erstmals seit Jahren gibt es bei SGB-II-Leistungsberechtigten einen Anstieg. Im Vergleich zu anderen Städten und Kreisen fällt der jedoch verhältnismäßig gering aus. Grafik: Stadt
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Erstmals seit Jahren gibt es bei SGB-II-Leistungsberechtigten einen Anstieg. Im Vergleich zu anderen Städten und Kreisen fällt der jedoch verhältnismäßig gering aus. Grafik: Stadt

In Wirtschaft und Gesellschaft hat die nunmehr beinahe zwei Jahre andauernde Corona-Pandemie längst deutliche Spuren hinterlassen. Spürbar werden die immer mehr, in jedweder Hinsicht. Das belegt auch der Sozialbericht 2020 für die Stadt Offenbach, den das Sozialamt nun vorgelegt hat. Zugrunde liegen Informationen und Daten aus dem Jahr 2020 sowie über die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre.

Offenbach – Im Vergleich zu den Jahren zuvor fällt der aktuelle Bericht deutlich weniger erfreulich aus. So ist etwa erstmals seit Längerem die Zahl der Leistungsberechtigten im Jobcenter wieder gestiegen. Das gibt laut Sozialdezernent Martin Wilhelm Anlass zur Sorge, vor allem weil Offenbach einen im Vergleich zu anderen hessischen Regionen besonders hohen Problemdruck bei Arbeitslosigkeit und Armut aufweise. „Insgesamt zeigt der Sozialbericht eine Entwicklung der sozialen Lage in Offenbach, die aktuell und auch in naher Zukunft eine hohe Aufmerksamkeit erfordert.“

Ende 2020 lebten in Offenbach 140 496 Menschen, 0,5 Prozent mehr als am Vorjahresende. Der Anteil der Nichtdeutschen stieg weiter auf 39,6 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten am Wohnort Offenbach sank von Juni 2019 bis Juni 2020 um 0,5 Prozent auf 54 805. Gleichzeitig erhöhte sich die Arbeitslosenquote von Dezember 2019 bis Dezember 2020 von 8,2 auf 10,3 Prozent. Bei der Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II kam es 2020 erstmals seit Jahren zu einem Anstieg der Zahlen. So gab es Ende des Jahres 2020 7 160 Bedarfsgemeinschaften mit 15 310 leistungsberechtigten Personen. Im Jahr zuvor waren es 6 914 Bedarfsgemeinschaften mit 15 209 Leistungsberechtigten. Der Anstieg fußt allein auf einem Zuwachs bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten. Die Zahl der Nichterwerbsfähigen in den Bedarfsgemeinschaften – in der Regel Kinder unter 15 Jahren – sank ein weiteres Jahr in Folge, von 4 973 auf 4 704 Personen.

Im Vergleich zu den meisten hessischen Großstädten und den umliegenden Kreisen steht Offenbach, was die steigenden Zahlen in der Grundsicherung für Arbeitssuchende anbelangt, jedoch verhältnismäßig gut dar (siehe Abbildung).

Die Quote, die den Anteil aller Leistungsberechtigten an der Bevölkerung unter 65 Jahren misst, lag mit 13 Prozent geringfügig höher als im Vorjahr (12,9 Prozent). Unter der nichtdeutschen Erwerbsbevölkerung war sie mit 15,1 Prozent allerdings deutlich höher als diejenige der deutschen Leistungsberechtigten (11,5 Prozent).

Die Zahl von Kindern und Jugendlichen, deren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus solchen Leistungen abgesichert wird, ist ein weiteres Jahr in Folge gesunken, von 5 855 auf 5 581. Ihr Anteil an der Altersgruppe sank auf 22,6 Prozent.

Der Zahl der „Aufstocker“, Personen, die Leistungen aus dem SGB II erhielten, weil Ihr Arbeitslosengeld I nicht für den Lebensunterhalt reichte, stieg binnen eines Jahres bis zum Dezember 2020 um 75,2 Prozent auf 494 Personen. Der Anteil von leistungsberechtigten Personen im SGB II, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, „Ergänzer“ genannt, sank hingegen um 13,3 Prozent auf 2 459 Personen, sie machen 23,4 Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aus.

Auch der jüngste Sozialbericht zeigt außerdem wieder, dass die Quote der SBG-II-Leistungsberechtigten weiterhin besonders in den Innenstadt-Bezirken Mathildenschule, Wilhelmschule und Hochschule für Gestaltung überdurchschnittlich hoch war.

Im Bereich des Sozialgesetzbuches XII, das neben der Sozialhilfe vor allem die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit abdeckt, sank die Zahl der Leistungsberechtigten außerhalb von Einrichtungen gegenüber dem Vorjahr. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung nicht mehr mitgezählt wird.

Zum Jahresende 2020 waren im Leistungsbereich des SGB XII 3 823 Personen in 3 500 Bedarfsgemeinschaften. Einen Anstieg gab es vor allem im Leistungsbereich der Grundsicherung wegen Erwerbsminderung (plus 23,2 Prozent).

Leistungen für Bildung und Teilhabe wurden 2020 zum Teil weniger in Anspruch genommen als im Vorjahr. Gründe dafür waren unter anderem eine weitere Abnahme der Zahl der hauptsächlich nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sowie die Pandemie, die zu einer starken Einschränkung des Angebots führte.

Bei der Wohnungs- und Obdachlosigkeit haben sich die Unterkunftszahlen in der Summe verringert. Die Zahl der vermittelten Übernachtungen sank um 4,3 Prozent auf knapp 193 000, im Monatsdurchschnitt wurden 525 Leistungsberechtigte aus allen Bereichen vorübergehend in Notunterkünften untergebracht. (lj/pso)

Der komplette Bericht steht unter offenbach.de/sozialbericht.

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