Werbung für Krankenpflegeberufe

Lebensqualität schenken

Die Alten- und Pflegeheimleiterinnen Anne Dunajtschik und Susanne Hesel suchten zusammen mit Martina Desch von der Diakoniestation und Krankenpfleger Alessando Ginex (von links) vor der Evangelischen Stadtkirche das Gespräch mit Passanten und warben für ihren Beruf.  - Foto: Richter
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Die Alten- und Pflegeheimleiterinnen Anne Dunajtschik und Susanne Hesel suchten zusammen mit Martina Desch von der Diakoniestation und Krankenpfleger Alessando Ginex (von links) vor der Evangelischen Stadtkirche das Gespräch mit Passanten und warben für ihren Beruf. 

Offenbach -  Mitglieder des Diakonischen Verbundes Offenbach machten am Internationalen Tag der Pflege vor der Evangelischen Stadtkirche auf die Situation der ambulanten und stationären Patientenversorgung aufmerksam. Zugleich warben sie um höhere Wertschätzung ihrer Arbeit. Von Harald H. Richter

Alessandro Ginex hat seine Berufswahl nicht bereut. Für den examinierten Krankenpfleger aus Mannheim, der inzwischen in Offenbach lebt, ist es Anerkennung und Motivation zugleich, die Zufriedenheit über die gewährte Hilfe zu erkennen. „Niemand möchte vollkommen auf Andere angewiesen sein. Für mich ist es deshalb wichtig, Patienten zu zeigen und sie anzulernen, wie sie wenigstens in einigen Bereichen ihres Alltags selbstständig bleiben können.“ In Diensten des Diakonischen Werks stehend, gehört der 29-Jährige zu den wenigen Männern im Team von Pflegekräften, die sich als ambulanten Betreuer regelmäßig um rund 120 ältere Menschen in Offenbach kümmern. „Da etwa 80 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause betreut werden, bauen besonders deren Angehörige auf unsere Unterstützung“, sagt Martina Desch, Leiterin der ambulanten Pflege bei der Diakoniestation.

Das Pflegestärkungsgesetz, seit Januar in Kraft, habe die Situation der nichtstationären Versorgung verbessert. Es bestehe aber ein wachsender Beratungsbedarf über die sich daraus ergebenden Regelungen. Denn mit der Einführung von nun fünf Pflegegraden statt bisher drei Stufen sei nicht nur der Bedürftigkeitsbegriff neu definiert, sondern auch ein geändertes Begutachtungsverfahren wirksam geworden. Während früher nur festgehalten wurde, ob ein Pflegebedürftiger gefüttert wird oder nicht, werde heute beispielsweise geprüft, inwieweit er den Löffel selbstständig zum Mund führen kann.

Auch in den stationären Einrichtungen hat die Gesetzesreform bewirkt, dass den Bewohnern mehr Lebensqualität geschenkt wird. Das zeigt sich im Anni-Emmerling-Haus des Evangelischen Kirchengemeindeverbandes mit seinen 66 Wohneinheiten für ältere Menschen und derzeit 80 vollstationären Plätzen ebenso wie im Elisabeth-Maas-Haus an der Andréstraße mit seinen 69 Zimmern. Allerdings habe die intensivere persönliche Zuwendung nicht automatisch einen verbesserten Personalschlüssel herbeigeführt. „Da halten die Bundesländer, in deren Verantwortung die praktische Umsetzung liegt, leider noch nicht mit den Wirkungen der Pflegereform Schritt“, sagt Susanne Hesel, Leiterin des Anni-Emmerling-Hauses. Die Einschätzung teilt auch ihre Kollegin Anne Dunajtschik vom Elisabeth-Maas-Haus. „Am Volumen des verfügbaren Budgets hat sich nichts geändert, obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich gewachsen ist.“

Freilich soll es Nachbesserungen geben, jedoch nicht auf die Schnelle. Das sei noch ein wunder Punkt, bewertet Pfarrer Martin Barschke, Geschäftsführer des Elisabeth-Maas-Hauses, die gegenwärtige Pflegesituation in Deutschland. Bis 2020 lässt sich der Gesetzgeber Zeit für eine umfassende Untersuchung des Bedarfs an Beschäftigten, gleichwohl den Fachleuten vor Ort schon jetzt klar ist, dass mehr Personal erforderlich wird, zumal die längere Lebenserwartung der Menschen keine andere Schlussfolgerung zulässt.

Nicht zuletzt deshalb nutzen die im Diakonieverbund Offenbach zusammengeschlossenen Einrichtungen den Tag der Pflege, der auf die Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege Florence Nightingale zurückgeht, um für den Berufsstand zu werben. Sie verteilen vor der Stadtkirche Infomaterial und kleine Teewürfel an Passanten. Dem stellvertretenden Vorsitzenden des Evangelischen Gemeindeverbandes, Martin Kapp, liegt besonders die Vermittlung von Jugendlichen zu Praktika in Pflegeheimen am Herzen. Aber auch erwachsene Ehrenamtliche wie Jutta Bremer vom 14-köpfigen Freundeskreis evangelischer Frauen sind in Ergänzung der professionellen Pflege wichtige Partner.

Alessando Ginex wiederum möchte Menschen gezielt für Krankenpflegeberufe interessieren. Er selbst hat sich weitergebildet, zudem ein Jahr als Intensiv-Kinderkrankenpfleger gearbeitet und will nun sein differenziertes Wissen als eine Art Pflegecoach weitergeben.

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