Offenbacher Hafen bietet viel Potenzial

Dicken Fisch an Land gezogen

Offenbach - Am verhaltensten freut sich die, die eigentlich am meisten Grund zum Jubeln hat: Als „sehr freudigen Anlass“ bezeichnet Daniela Matha gestern ihren Coup, den zweiten Bauabschnitt im Hafen komplett an einen Generalinvestor vergeben zu haben. Von Matthias Dahmer

Die Chefin, der für die Hafenentwicklung zuständigen Stadttochter Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) erklärt, man sei damit dem Zeitplan weit voraus, wonach der dritte Abschnitt erst 2017 hätte angepackt werden sollen.

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Beim von notorischem Optimismus geprägten Oberbürgermeister hört es sich da schon überschwänglicher an: Ein „Riesenschritt nach vorne, der größte Deal, den wir bisher gemacht haben“, sagt Horst Schneider. Die Marke „Hafen Offenbach“, da ist der OB sich sicher, sei mittlerweile in der Republik angekommen. Der neue Stadtteil ist für ihn Struktur- und Zukunftssicherung für Offenbach.

Vier Gewerbebauten, in denen künftig rund 1000 Menschen arbeiten sollen, entstehen entlang des Mains. Die westliche Immobilie (links) wird ein Hotel, rechts ist ein Gesundheits- und Dienstleistungszentrum (GDZ) geplant.

Günter Horn von der gleichnamigen Kelkheimer Projektgesellschaft, die schon im Baugebiet „An den Eichen“ Offenbach für sich entdeckte, lobt die Lage seiner 140 Millionen Euro teuren Investition. Die Flächen am Wasser hätten ihn schon bei der ersten Begehung „vollständig überzeugt“.
Daniela Matha spielt den Ball zurück, und gibt zu Protokoll, dass es kaum Investoren wie Horn gebe, die für Gewerbe- und Wohnungsbau gleichzeitig zu gewinnen seien. Investor Horn räumt ein, dass der Gewerbesektor im Gegensatz zum derzeit unproblematischen Wohnungsbau ein gewisses Handicap berge. Zumal der Markt für Gewerbeimmobilien im Rhein-Main Gebiet gesättigt sei. Doch das Areal im Offenbacher Hafen biete ein „unheimliches Potenzial“.

Tausende Quadratmeter Grundfläche werden bebaut

Das soll auf den drei Flurstücken mit knapp 24.000 Quadratmetern Grundfläche gebaut werden: Ab dem nächsten Frühjahr werden entlang des Mains und in westlicher Fortführung der bereits stehenden ABG-Wohnungen vier jeweils 5500 Quadratmeter große Gewerbebauten (Bild oben) mit unterschiedlicher Fassadengestaltung entstehen. Sie dienen mit Blick auf die Gewerbetriebe auf der Frankfurter Mainseite auch als Schallschutz für die zum Hafenbecken hin von Horn geplanten 180 Eigentumswohnungen. 57 Prozent der Gesamtnutzung entfallen auf Gewerbe- und 43 Prozent auf Wohnflächen.

Beginnen will der Kelkheimer Investor im Osten des Geländes (auf dem Bild oben rechts). Dort ist ein Gesundheits- und Dienstleistungszentrum (GDZ) geplant. In ihm finden Hafenviertel-Bewohner und Berufstätige künftig ein Fachärzte-Zentrum mit Radiologie und Reha-Einrichtung, eine Apotheke, ein Sanitätshaus und nicht zuletzt eine privat betriebene Kinderkrippe. Horn geht davon aus, dass das GDZ bis Ende Januar komplett vermietet ist. Die Nutzung der beiden mittleren Objekte steht noch nicht im Detail fest, es wird auf jeden Fall eine gewerbliche sein.

Sicher ist indes schon: Im westlichen Bau des Ensembles zieht ein Hotel ein. Derzeit, sagt Günter Horn, laufen noch die Verhandlungen mit den Interessenten, es seien ausnahmslos namhafte Hotelketten. Im Gespräch ist dabei offenbar auch die im Luxus-Segment tätige Hyatt-Gruppe.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Etwa 1 000 Menschen sollen in den vier Gewerberiegeln einmal arbeiten. Während deren Vermarktung schon auf vollen Touren läuft, ist Horn bei der Wohnbebauung erst am Anfang. Die 180 Eigentumswohnungen, alle mit Blick auf das Hafenbecken, entstehen in rund einem Dutzend Gebäuden. Sie haben zwischen zwei und fünf Zimmer, die größten umfassen etwa 230 Quadratmeter. Investor Horn sieht hier einen „riesigen Bedarf“ und untermauert ihn mit Zahlen: Während in Frankfurt eine 100-Quadratmeter-Wohnung am Fluss mittlerweile bis zu 800 .000 Euro koste, sei sie im Offenbacher Hafen für die Hälfte zu haben.

Komplettiert werden die Gebäude im zweiten Bauabschnitt durch insgesamt 450 Tiefgaragen-Stellplätze. Ende 2015 sollen allen Bauten bezugsfertig sein. Daniela Matha verspricht vom nächsten Jahr an „enorm viel Bautätigkeit auf der Hafeninsel“, Horn hält die „größe Baumaßnahme im Rhein-Main-Gebiet“ wegen der Insel-Lage mit nur einer Zufahrtsstraße für eine gewaltige logistische Herausforderung. Ein wenig entspannen könnte sich die Situation, wenn Hafenentwickler OPG die Autobrücke über das Hafenbecken gebaut hat. Das Investoren-Auswahlverfahren für den zweiten Bauabschnitt startete Ende 2012. Die Projektgesellschaft Horn setzte sich gegen zehn Mitbewerber durch.

Rubriklistenbild: © Mainviertel GmbH

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