Offenbacher Einzelhandel

Traditionsgeschäft in Offenbach: Neuer Anstrich für bekanntes Modehaus

Stefan Becker Petra Klein Modehaus M. Schneider
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Stufen der Erneuerung: Aktuell wird im Untergeschoss, im Parterre und im 1. Stock umgebaut. Geschäftsführer Stefan Becker und Petra Klein in einer der verbliebenen Verkaufsflächen in der 3. Etage.

Das Modehaus M. Schneider in Offenbach erfährt eine grundlegende Erneuerung. Die Gesellschafter investieren rund zwei Millionen Euro in bester Citylage.

Offenbach – Man muss es nicht beschönigen: Das Entree an der Frankfurter Straße 7 ist eine Baustelle. Gleichwohl ist das Modehaus M. Schneider geöffnet. Über den Hugenottenplatz geht’s für die Kunden in den 2. und 3. Stock. Klar, das Sortiment ist bewusst geschrumpft. Bohrhämmer, Trockenbauwände und Farbeimer künden indes von Veränderungen. Da wird mächtig rangeklotzt in zentraler Citylage. Ab 2. September, so der straffe Zeitplan, dürfen sich die Offenbacher auf ein rundum neues Einkaufserlebnis freuen.

Die Skepsis in Offenbach ist groß, weiß Geschäftsführer Stefan Becker. Er erzählt von einer Anruferin, die am anderen Ende der Leitung völlig aufgelöst ist. „Jetzt macht das letzte Geschäft zu, in dem ich noch einkaufen konnte“, ist sie den Tränen nah. Es braucht seine Zeit, bis Stefan Becker ihr erklärt, dass dem nicht so ist. „Glauben Sie mir, ich bin der Geschäftsführer“, beruhigt er die Dame. Und er erläutert gern, was in dem Modehaus alles geplant ist. Die große Klammer für den Erneuerungsprozess ist der Glaube an die Zukunft der Stadt: „Es ist vielleicht das größte Manko, dass die Offenbacher alles eher pessimistisch sehen. Aber es geht voran!“

Investition in Offenbach: Modehaus sieht Potenzial im stationären Einzelhandel

Dabei stürzen sich die vier Gesellschafter (es sind die Familien Marschner, Dürselen, Beilharz sowie die Dr. Marschner Stiftung) keinesfalls blindlings in ein „Abenteuer“. Vor der Investition hat man das Käuferpotenzial fachkundig ermitteln lassen. Und der Geschäftsführer, der auch in Gremien wie dem Gewerbeverein Treffpunkt aktiv ist, betont: „Das ist nachweislich vorhanden.“ Etwa in den Neubauvierteln wie dem Hafen oder An den Eichen. Die Kunst, nicht allein für M. Schneider, wird sein, dieses abzuholen. Als Weg gibt er mit Marketingchefin Petra Klein vor: „Wir wollen natürlich unsere Stammkunden halten, aber auch neue Kundschaft hinzugewinnen.“

Beckers folgendes Statement gilt nicht allein für das alteingesessene Modehaus: „Man kann etwas verändern! Schauen Sie sich das Zukunftskonzept Innenstadt an – darum beneiden uns schon andere Städte.“ Ein solches braucht einen ähnlichen Vorlauf wie der Umbau des Modehauses: Die ersten Planungen dazu beginnen 2019, die Entscheidung für den Umbau fällt Anfang 2020, seit Mai 2021 legen die Baufirmen Hand an. „Wir sind stolz, froh, glücklich“, kann er seine Gefühlslage und die der etwa 80 Mitarbeiter nicht in einem Wort fassen. In der Textilbranche ist der saisonale Wandel ja an der Tagesordnung, aber auch für den Textilhandel gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Nach ein, zwei Dekaden musst du dich neu erfinden.

In einigen Bereichen des Modehauses sind die Renovierungsarbeiten schon in vollem Gange.

Neue Aufteilung ab September: Modehaus M. Schneider in Offenbach wird umgebaut

Und genau das macht M. Schneider unter Mitwirkung von Innenarchitekten und anderen Experten. Wenn im September alles fertig ist, öffnet sich für Kunden ein neues Haus mit geänderter Aufteilung: Im Untergeschoss ist Romantik-Stil mit Lachs- und Grautönen und Leibwäsche für Sie und Ihn angesagt, im Erdgeschoss, dort bestimmen Erdfarben und Naturmateralien das Bild, ist Damenmode platziert; ebenso in der 1. Etage (Art-déco-Stil mit Gold-Tönen) und 2. Etage (Jugendstil, kräftige Gelbtöne). Im 3. Stock (Bauhausstil, kräftiges Blau) wird künftig der Mann fündig. Ausgewählte Schuhe und eine Espressobar runden das alles ab. Auf Nachhaltigkeit setzt man mit LED-Beleuchtung und Einkaufstüten aus Papier.

Müssen nur noch die Kunden kommen. Aber da ist weder Stefan Becker noch Petra Klein bange. In ihren Augen muss nicht nur das Ambiente passen: „Wir wollen Emotionen ansprechen und setzen bewusst auf den persönlichen Faktor, Service und Beratung – das kann das Internet nicht leisten.“ Ebenso wie ein „normales“ Einkaufserlebnis nach dem monatelangen Lockdown: „Die Öffnung der Außen-Gastronomie ist auch für uns ein Segen. Das lockt viele Kunden an.“ (Martin Kuhn)

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