Dielmann gibt seine Filiale auf

Offenbach ‐ Die monatelangen Verhandlungen um einen Mietnachlass verliefen ergebnislos: Das Schuhhaus Dielmann gibt seine Filiale in der Frankfurter Straße auf. Von Matthias Dahmer

Der Mietvertrag mit dem Eigner der Immobilie, der Aachener Grundvermögen Kapitalanlagengesellschaft mbH, läuft Ende Februar aus, vermutlich werde man schon Ende Januar schließen, sagt Geschäftsführer Thomas Dielmann. Von den zuletzt weniger als zehn Mitarbeitern würden „die Besten“ in andere Häuser der Schuh-Kette übernommen.

Noch im Oktober hatte Thomas Dielmann einen Rest Hoffnung, dass es weitergeht, dass bei der - wie Insider sagen - vergleichsweise hohen Miete eine Minderung drin ist. Doch der Vermieter habe von einer zunächst getroffenen Vereinbarung wieder Abstand genommen, und sei auch auf den Vorschlag, die Miethöhe beizubehalten und einen Zuschuss zum beabsichtigten Umbau zu gewähren, nicht eingegangen. „Ich bin ziemlich sauer darüber“, bekennt Dielmann.

Bei der Aachener Grundvermögen in Köln, deren Kerngeschäft die Verwaltung eines Fonds ist, der kirchlichen Vermögensträgern exklusiv für eine Anlage zur Verfügung steht, erklärt man die Verhandlungen noch nicht für gescheitert. Man habe bislang keine endgültige Absage von Dielmann, heißt es. Deshalb könnten auch noch keine Angaben darüber gemacht werden, wie es weitergeht.

Ob in die rund 545 Quadratmeter an der Frankfurter bald das erwünschte höherwertige Fachgeschäft oder doch wieder ein Ein-Euro-Laden einzieht, ist also offen. Damit letzteres zumindest langfristig verhindert werden kann, wagt die FDP einen Vorstoß: Die Liberalen regen in einem mehrseitigen Diskussionspapier an, mit einem neuen Bebauungsplan für den Kern der City unerwünschte Nutzungen auszuschließen. „Damit sollen die bisherigen positiven Veränderungen in der Innenstadt flankiert werden“, so Fraktionschef Oliver Stirböck. Nach den Vorstellungen der FDP soll sich das Vorhaben an einem laufenden Projekt der Stadt Mannheim orientieren. Um das Qualitätsniveau zu sichern, hat man dort rechtliches Neuland betreten und 2006 einen Bebauungsplan verabschiedet, der die Neuansiedlung von Ein-Euro-Läden, Geschäften mit Erotikartikeln, Spielhallen und Call-Shops im Zentrum verbietet.

Grundsätzlich würden auch die mit der Stadtentwicklung befassten Fachleute im Rathaus und bei der IHK so etwas für Offenbach begrüßen. Aber sowohl Markus Eichberger, Bereichsleiter Stadtentwicklung und Städtebau im Baumanagement, als auch Frank Achenbach, IHK-Referent für Wirtschaftspolitik, weisen auf die rechtlichen Unwägbarkeiten hin. Dabei gehe es insbesondere darum, wo die Grenze zwischen einem 1-Euro-Laden und einem normalen Geschäft zu ziehen sei. „Besser wäre es sicher“, so Achenbach, „Qualitätsgeschäfte würden nach Offenbach wollen und könnten so die Ein-Euro-Läden verdrängen.“

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