Mit dieser Künstlerin wird alles zu Musik

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Elinor Pongracz steht für gefühlvolle Balladen.

Offenbach - Irgendwann musste sich Elinor Pongracz entscheiden: Medizin oder Musik? Skalpell oder Piano? Operations- oder Konzertsaal? Von Katharina Skalli

Seitdem sie als Vierjährige ein Spielzeugklavier zwischen die Finger bekam, macht sie Musik, doch die Aussicht auf einen sicheren Job war ebenso verlockend. „Meine Eltern haben meine Entscheidung, professionell Musik zu machen, immer unterstützt“, sagt die 27-Jährige. Bereut hat sie ihre Entscheidung nie. Dafür liebt sie zu sehr das, was sie tut.

Sich auf eine Bühne stellen und losträllern reicht Elinor nicht. Was die gebürtige Rumänin anpackt, ist gut durchdacht und professionell vorbereitet. Die Offenbacherin setzt nicht alleine auf ihr Talent als Pianistin, sondern nimmt Gesangs- und Kompositionsunterricht und arbeitet parallel als Sängerin und Produzentin beim Radio. Ihre klassische Musikausbildung öffnete Elinor in England die Tür zum Goldsmiths College. „Dort habe ich gelernt, selbst zu denken und kreativ zu sein“, sagt sie. Mit der strengen musikalischen Ausbildung in Deutschland hatte ihr Studium in London nur wenig zu tun. Hier konnte sie improvisieren und lernen, selbständig zu arbeiten.

2007 bei Null angefangen

„Die Engländer sind viel offener, haben aber eine Menge von mir verlangt“, erinnert sie sich. Die Stadt hat ihr viel gegeben. Geblieben ist sie dennoch nicht. Auch weil negative Erfahrungen mit der Musikindustrie nicht ausblieben. „Leider habe ich auch die schmutzigen Seiten der Musikindustrie in London kennengelernt“, verrät sie. Wenn Elinor spricht, betonen ihre Hände die Worte. Sie sind es gewohnt mitzureden. Die Sprache, in der sich die hübsche Musikerin mit den funkelnden Augen ausdrückt, funktioniert über die Musik, über die Pianotasten, die ihre Finger mal sanft mal bestimmt nach unten drücken.

Als sie 2007 nach Offenbach zurückkam, musste sie bei Null anfangen. Seit zwei Jahren nimmt sie Kompositionsunterricht bei Claus Kühnl am Konservatorium in Frankfurt. „Musik entwickelt sich immer aus einer Idee“, sagt sie. „Der Rest der Komposition ist anspruchsvolle Handarbeit.“ Wenn ihre Stücke fertig sind, klingen sie leicht und eingängig. Ihren Singer- Songwriter-Pop präsentiert sie selbst. Am Klavier. Genauso wie ihr Vorbild Alicia Keys. Im Moment führt sie Gespräche, um ein geeignetes Label zu finden.

Elinor verzichtet auf Taktstriche

In Kontrast zu ihrer ganz eigenen Musik stehen ihre klassischen Kompositionen. Ihre selbst eingespielte Ballade „Waves“ ist auf ihrer Internetseite zu hören. Der Tanz der Tasten erinnert an eine sanfte Brandung irgendwo in Südfrankreich. Fast kann man ihn spüren, den Wind, der durchs Haar weht und es nach Meersalz duften lässt. Elinor komponiert aber nicht nur fürs Klavier, sondern auch für Streicher und Blasinstrumente.

Weitere Informationen finden Sie auf ihrer Internetseite.

Am Freitag, 18. März, präsentiert sie ihr neues Werk. „Fahrt ins Ungewisse“ hat sie für Klarinette und Flöte geschrieben. Als Grundlage für das Stück diente der jungen Produzentin das Buch „...trotzdem ja zum Leben sagen“ von Viktor E. Frankl. Elinor formte aus den Phasen der Entmenschlichung musikalische Stationen: „Es klingt ein wenig ungewöhnlich“. „Es gibt keine klassische Notation wie bei Beethoven oder Bach.“ Elinor verzichtet auf Taktstriche und überlässt vieles den Künstlern. „Das Tempo ist sehr variabel und eine Melodiefolge gibt es nur bedingt. Das ist London.“

„Fünf Uraufführungen“ präsentieren die Studenten von Claus Kühnl am 18. März um 20 Uhr in der Kunst-Kultur-Kirche in Frankfurt (Thüringer Straße 35). Der Eintritt kostet 10 (ermäßigt 5) Euro.

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