Dieser Verein ist Gold wert

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Einer für alle – alle für einen: Die Devise der drei Musketiere, von elf Gewandeten in einer Musicalversion dargeboten, passt auch für den Fechtclub.

Offenbach - Zahlreiche Medaillen haben Aktive des FCO auf den Planchen der Welt erfochten. Eine ging gestern in Vereinsbesitz über: Cornelia Hanisch trennte sich von der Goldplakette, die sie 1985 von der Weltmeisterschaft in Barcelona mitgebracht hatte. Von Markus Terharn

„Sie soll den jungen Leuten zeigen, dass man alles erreichen kann, wenn man hart arbeitet und sich nicht beirren lässt“, formulierte die edle Spenderin unter dem Beifall zahlreicher Ehrengäste im Jacques-Offenbach-Saal.

Gänsehaut-Momente hatte zuvor der hr-Film von ihrem Olympiasieg 1984 in Los Angeles mit der deutschen Damenmannschaft geliefert. In ihrer Laudatio zeigte die frühere Weltklasse-Fechterin, dass sie nicht nur die Klinge, sondern auch das geschliffene Wort zu führen versteht.

Präsident Waldemar Krug erhielt von OB Horst Schneider die von Bürgermeister Peter Schneider unterzeichnete Jubiläumsurkunde.

Hanisch machte deutlich, dass hinter den Erfolgen Einzelner immer andere stehen: Trainer und Betreuer, Ehrenamtliche an der Vereinsspitze oder Eltern, die ihre Kinder zum Wettkampf fahren. Der Verein, dem sie 1963 mit elf Jahren beitrat, sei ihr Heimat und Familie gewesen.

Anderthalb Jahrhunderte Fechtclub-Geschichte ließ Hanisch Revue passieren – von der Gründung durch acht sportbegeisterte Männer im Jahr 1863 über die großen Zeiten der Damen Stefanie Stern und Helene Mayer in den 20er Jahren sowie ihre eigene Ära bis zur Gegenwart mit hoffnungsvollen Talenten wie Nadine Stahlberg oder Nikolaus Bodoczi.

Als einen Verein, „der bis zum heutigen Tag Erfolgsgeschichte geschrieben hat und immer noch schreibt“ charakterisierte Präsident Waldemar Krug den Club eingangs. Das sahen die Gastredner genauso. Hessens Sozialminister Stefan Grüttner hob die Bereitschaft Engagierter hervor, „Freizeit, Eigenes und Finanzielles“ beizutragen. Er zeigte sich erstaunt, dass das Fechten zwar zu den ersten Wettbewerben der Menschheit gehöre, aber „nicht so im Rampenlicht steht, wie wir es uns wünschen würden“. Die Vermittlungsdefizite erklärte er sich damit, dass der Sport „hohe körperliche Anstrengung mit unglaublicher Eleganz“ verbinde. Der Politiker freute sich, dass der Verein als Präsent einen Zuschuss für ein Projekt mit Rollstuhlfahrern erbeten habe.

Oberbürgermeister Horst Schneider zielte auf eine Besonderheit im Zeichen sportlicher Professionalisierung und Kommerzialisierung: Nie habe der FCO in der Gefahr der Kommerzialisierung gestanden – „professionalisiert ist er ja!“ Zum Jubiläum gab’s von der Stadt 1500 Euro.

Auch auf Hilfe seitens der Sparkasse darf der Fechtclub weiter rechnen. Als Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen betonte Ex-OB Gerhard Grandke die Rolle des FCO für die Entwicklung des modernen Fechtsports in Deutschland. Siege seien fast schon Tradition, befand Hanischs einstiger Mit-Abiturient mit Blick auf Hessische, Deutsche, Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympische Spiele.

Wie der FCO dieses Alter erreichen konnte? In seinem Grußwort meinte der Präseident des Landessportbunds Hessen, Dr. Rolf Müller, ein Verein müsse „unter den Bedingungen der Gesellschaft attraktiv bleiben, modern sein und mit der Zeit gehen“. Er überbrachte Ehrenpräsident Hans Hubert eine LSB-Krawatte, dem Club Urkunde und zwei Gutscheine für die Übungsleiter-Ausbildung.

Undine-Ehrenvorsitzender Dr. Hans Mohr schenkte ein Foto, das Helene Mayer im Jahr ihres Olympiasiegs, 1928, bei der Taufe eines Ruder-Achters auf den Namen „Deutschland“ zeigte. Für die vielköpfige Delegation des chinesischen Partnervereins Rundong aus Qingdao sprach Präsident Xue Weng.

Die weltumspannende Bedeutung des Fechtens untermalten Jürgen Blumes Rhein-Main-Vokalisten mit einem bunten Strauß internationaler Lieder. Auftakt und Auszug besorgte ein Bläserquartett mit dem von Adolf André zum 15. Geburtstag komponierten Fechtermarsch. Und die Musical Factory 64853 propagierte mit vier Stücken aus „Die drei Musketiere“ ein Motto, das auf den Fechtclub prima passen würde: „Einer für alle – alle für einen!“

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