Dieser Winter wird teuer

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Schlagloch-Alarm in Offenbach. Vor allem für Radfahrer sind tiefe Frostschäden wie hier in der Senefelderstraße gefährlich.

Offenbach  ‐ Väterchen Frost hatte die Schäden mit einem versöhnlichen Mantel aus Schnee und Eis bedeckt. Jeder ahnte, was nach dem Anstieg der Temperaturen bleibt: aufgeplatztes Bitumen, Schlaglöcher, Straßenkrater. Von Martin Kuhn

Wo ist Ihr nervigstes Schlagloch? Sagen Sie es uns!

Die nervigsten Schlaglöcher sehen Sie in unserem Schlagloch-Kataster.

Es sind böse Fallen für Rad- und Autofahrer. Wann startet der Stadtdienstleister endlich mit der Reparatur? „Das dauert noch, leider“, bekundet ESO-Sprecher Christian Loose. Die Straßenbauer warten auf den Frühling. „Es müssen durchgängig acht Grad sein; gemessen am und im Boden“, so Loose, der eine erste Prioritätenliste vorstellt. Die gute Nachricht: In Offenbach steht eine Rekordsumme von 3,8 Millionen Euro zur Sanierung von Straßen, Plätzen und Wegen bereit. Hier sehen Fachleute die dringlichsten Sanierungsfälle: Rhönstraße zwischen Bieberer Straße und Buchhügelallee, Brunnenweg zwischen Waldstraße und Waldschule, Bischofsheimer Weg und Schlossgartenstraße, Bürgeler Straße. Für die Instandhaltung von Straßen und Wegen sind im Haushaltsplan 648.300 Euro vorgesehen. Im vergangenen Jahr wurde bereits ein Gesamtbudget von 3,5 Millionen Euro genehmigt, um Winterschäden zu beseitigen. Davon sind 300.000 Euro aufgebraucht – vornehmlich auf dem südlichen Ring. „Diese Abschnitte haben diesen Winter gut überstanden“, attestiert ESO-Sprecher Loose.

Schäden kommen ins Schlagloch-Kataster

Sicherlich können Bürger diese Prioritätenliste noch um etliche Löcher füllen. Christian Loose betont: „Gefahrenquellen begradigen wir vorläufig mit Kaltbitumen.“ Die sogenannte Straßenkontrolle ist unterwegs, nimmt Schäden auf und gleicht mit dem Schlagloch-Kataster ab. Vielen wird das nicht genügen.

Ebenso kritisch wird der bisherige Winterdienst des lokalen Dienstleisters beurteilt, der mit 630 Tonnen Salz und 150 Tonnen Splitt gegen die Unbilden des Winters kämpfte. Allerdings ist die Reihenfolge, in der die Offenbacher Straßen passierbar gemacht werden, festgelegt. Loose: „Wir haben Vorgaben. Zunächst greift das Hessische Straßengesetz, dann die Satzung der Stadt.“ Das heißt: Verkehrswichtige und neuralgische Stellen sind zuerst an der Reihe.

„Analyse des Winterkonzepts ist geboten“

Den Freien Wählern reicht das nicht. Sie wollen, dass der Magistrat prüft und berichtet, ob nicht auch auf den Nebenstraßen regelmäßig geräumt werden könne. Es sei unumgänglich, „den Winterdienst an die sich ändernden Klimaverhältnisse anzupassen“.  Ähnlich sieht’s die CDU. „Ich denke, dass eine kritische Analyse und Überprüfung des Winterkonzepts dringend geboten ist“, sagte Fraktionschef Peter Freier bei der Verabschiedung des Kommunalwahlprogramms. Man könne zudem die Frage stellen, warum ausgerechnet Offenbach „bundesweit durch alle Medien laufen muss als erste Großstadt, der das Streusalz ausgeht.“

Diesen Punkt möchte Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP) prüfen lassen: Benötigt Offenbach einen größeren Salzvorrat? Was natürlich auch eine Kostenfrage ist. Derzeit zahlt die Stadt an den Eigenbetrieb pro Jahr 150.000 Euro. „Bei milden Wintern kommen wir damit hin.“ Der Winter 2009/2010 kostete die Stadt letztlich 570. 000 Euro. Dieser Winter hingegen ist längst noch nicht vorbei.

Winterdienst-Aufstockung käme zu teuer

Einer Ausweitung des Winterdienstes auch auf die Seitenstraßen steht Stadtrat Weiß skeptisch gegenüber: „Mit dem jetzigen Personal und dem aktuellen Fuhrpark ist das nicht zu leisten.“ Eine Aufstockung würde das komplette System verteuern. Und das finanziert letztlich der Steuerzahler über die Straßenreinigungsgebühr. Es sind ja die gleichen Personen, die tätig werden. Schneit es oder gefriert es, werden aus den Männern des Gründienstes und der Straßenreinigung Offenbachs Schneeräumer.

Über die Prioritätenliste fürs Räumen freilich könne man reden, sagt Paul-Gerhard Weiß. Die sei schließlich nicht in Stein gemeißelt. Als Beispiel nennt Weiß die Frühauf-Klinik, die in den Genuss städtischen Winterdiensts kommen soll; die liege zwar in einer Seitenstraße, sei aber durch ihre Besucher stark frequentiert.

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