Diesmal kein Bundespräsident

Offenbach - Der Mann hat eigentlich eine Vorliebe für Bundespräsidenten: 2002 bewarf er Johannes Rau mit einem Stapel Zeitungsartikel, 2007 stürzte er sich auf Amtsnachfolger Horst Köhler, im vergangenen Jahr attackierte er Christian Wulff. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Gestern stand der Offenbacher Adrian V. (49) wegen einer Tat vor dem Amtsgericht Offenbach, die zwar weniger öffentlichkeitswirksam, seinen früheren Eskapaden aber nicht unähnlich war: Es ging um den Vorwurf der versuchten Nötigung in Tateinheit mit Beleidigung.

Während der deutsch-rumänische Ingenieur 2007 noch mit ein paar Sozialstunden davonkam und das 2011er Eierwurf-Verfahren noch läuft, kassierte er jetzt von Amtsrichter Manfred Beck sechs Monaten Haft auf Bewährung und 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Der Fall: V. versucht im Jahr 2010 erfolglos, 500 Euro Schulden einzutreiben. Statt die Sache auf rechtlichem Wege anzupacken, geht er wieder mal den unbürokratischen Weg der Selbstjustiz. Und das völlig selbstlos: Das Geld gehört seinem 81-jährigen Vermieter H. – ein Bekannter aus der „rumänischen Gesellschaft“. Eine ehemalige Mieterin von H., die 22-jährige A. D., schulde dem alten Herrn besagte 500 Euro.

Adrian V. sucht die Landsfrau auf ihrer Arbeitsstelle bei McDonald’s auf, spricht mit ihr. Als sie einen zugesagten Zahlungstermin nicht eingehalten habe, sagt die 22-Jährige im Zeugenstand, sei der Ton rauer geworden. V. habe es mit Drohungen versucht. „Als er nicht aufhörte, bekam er Hausverbot. Dann ging der Terror telefonisch weiter“, so die Offenbacherin. Filialleiterin F. bestätigt die Aussagen, sie habe es teilweise am Telefon mitgehört. Darüber hinaus habe V. auch noch beleidigende Angebote gemacht, wie sie das Geld auftreiben könne: Er habe ihr vorgeschlagen, die Rückstände sexuell „abzuarbeiten“, berichtet die hübsche junge Frau.

V. selbst sieht die Anklageschrift als reine Fantasie. Er räumt zwar ein, dass er Geld habe eintreiben wollen, aber er habe nie so etwas wie Drohungen ausgesprochen. V.: „Die Frau ist gefährlich. Sie hat mir gleich zu Anfang sehr private Dinge anvertraut. Das machen alle Frauen, die einen Mann suchen, damit sie in Deutschland bleiben können.“

Richter Beck kann er mit diesen Äußerungen nicht beeindrucken. Er hält die Zeuginnen für absolut glaubhaft und verschärft sogar das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß.

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