„Das Supertalent“

Offenbacher Sänger direkt im Halbfinale

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David Petras hat seinen Weg noch nicht gefunden, nun hofft er, bei „Das Supertalent“ entdeckt zu werden.

Offenbach - Schon kurz nachdem David Petras Ende September die Jury der bekannten RTL-Castingshow „Das Supertalent“ von sich überzeugt hatte, machte der Offenbacher Musiker ungewollt Schlagzeilen. Von Jenny Bieniek

Denn die Regeln der TV-Show besagen, dass die Kandidaten zum Zeitpunkt des Castings keine bestehenden Verträge haben dürfen. Von Petras existiert jedoch ein Album.

„David hatte uns bereits im Vorfeld über seine Situation informiert“, heißt es vom Fernsehsender. „Wir hatten auch in den vergangenen Staffeln immer Talente in der Show, die schon Platten herausgebracht haben. Aber das heißt heutzutage ja nichts mehr. Deshalb ist man noch nicht automatisch berühmt oder reich“, rechtfertigt sich RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. David habe seine bestehenden Verträge kurz vor der Sendung aufgelöst. „Vertriebsrechte allein sind für uns und die Teilnahme aber kein Problem.“

Auf Rhodos fing die Familie nochmal bei Null an

Petras ist gebürtiger Offenbacher, seine Eltern stammen aus Griechenland. Der 30-Jährige besuchte die Eichendorffschule, später die Bachschule. Knapp die Hälfte seines bisherigen Lebens verbrachte Petras in Griechenland. Nach der sechsten Klasse entschieden seine Eltern, zurück in die Heimat zu gehen. Auf Rhodos fing die Familie nochmal bei Null an. Einen richtigen Beruf gelernt hat Petras nicht. „Mein Griechisch ist nicht gut, deshalb habe ich auf Rhodos keine Ausbildung bekommen“, erklärt er. Um über die Runden zu kommen, habe er sich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Ob Mechaniker, Gärtner, Dekorateur oder auf dem Bau – Hauptsache, es kam Kohle rein. „Aber ich habe nie etwas Illegales gemacht“, betont er.

Die Erinnerungen sind keineswegs nur positiv: „Ich wurde dort als Mensch abgelehnt, belächelt und gehänselt. Dabei ist es doch zum Teil auch meine Heimat“, erzählt Petras. Als es immer schwieriger wurde, Arbeit zu finden, beschloss er im Alter von 28 Jahren, nach Deutschland zurückzukehren.

Eine spezielle Musikrichtung hat der 30-Jährige nicht

Zwei Jahre ist das her. Seitdem konzentriert Petras sich auf seine Musikkarriere, schreibt Texte und produziert Lieder. Zwei Jahre lang arbeitete er an seinem Album. Aktuell ist der Musiker arbeitslos. Zuletzt habe er in der Gepäckabfertigung am Frankfurter Flughafen gearbeitet. Knapp zwei Jahre lang belud Petras Container. Seit er die Arbeit wegen körperlicher Einschränkungen aufgeben musste, bekommt er Arbeitslosengeld.

Ärger mit der Arbeitsagentur hatte er auch schon: „Die denken, nur weil ich ein Album herausgebracht habe, hätte ich jede Menge kassiert und wäre plötzlich Millionär“, ärgert er sich. Mit der Vermarktung desselben war Petras jedoch nicht zufrieden. „Ich war schon frustriert über die fehlende Unterstützung. Da ist nichts so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe.“

Eine spezielle Musikrichtung hat der 30-Jährige nicht. „Das ist sehr unterschiedlich. Momentan arbeite ich gern mit HipHop-Beats und Dubstep-Elementen, aber ich bin da relativ offen.“ Den Virus Musik, wie er sagt, fing er sich bereits im zarten Alter von fünf ein. „Damals habe ich stundenlang vorm Fernseher gestanden und mit dem Kamm in der Hand die Songs auf MTV mitgesungen“, erinnert sich die Entdeckung, „natürlich in irgendeinem Fantasie-Englisch.“

„Das Supertalent“: Bilder vom Finale 2011

"Supertalent 2011": Bilder vom Finale

Dass David singen kann, beweisen zahlreiche Songs, die von ihm im Internet kursieren. Vor einigen Jahren versuchte er sein Glück bereits beim Schwester-Format „Deutschland sucht den Superstar“. „Aber damals wurde ich nicht genommen und bin schon im Vorcasting rausgeflogen“, erzählt Petras. „Seinerzeit hieß es: Deine gesanglichen Leistungen sind nicht ausreichend.“ Inzwischen reichen sie offenbar aus.

Auf seiner Facebook-Seite verrät Petras: „Jetzt steht es fest. Mein Halbfinalsong ist ,Breathe easy’ von Blue.“ Ein paar Tage zuvor kündigte er „Sag es laut“ von Xavier Naidoo an. Den Rummel um seine Person nutzt er, um seinen Bekanntheitsgrad steigern. Über seinen Erfolg beim Supertalent sei er zwar „megaglücklich“. Er wolle weiter abwarten und sein Bestes geben. Die Staffel zu gewinnen, sei aber nicht oberstes Ziel. „Mir geht es vor allem darum, auf mich aufmerksam zu machen.“

Vor einigen Monaten zog Petras zu seiner Freundin nach Berlin. „Offenbach ist ja doch relativ klein, ich hatte das Gefühl, dass meine Möglichkeiten begrenzt sind.“ In Berlin sehe er mehr Freiraum für seine eigene musikalische Entwicklung, „und man kann dort besser Verbindungen knüpfen“.

„Das Supertalent“: Bilder aus dem Halbfinale 2011

"Das Supertalent": Bilder aus dem Halbfinale

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