Dieter Faulenbach da Costa tritt als Parteiloser für die Linke an

Letzte Chance für einen Kandidaten ohne Korsett

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Dieter Faulenbach das Costa: Wenn’s nicht klappt mit dem Landtag, kehrt er Offenbach den Rücken – wegen des Fluglärms.

Offenbach - So entspannt sieht man einen Direktkandidaten kurz vor der Wahl selten: „Ich will ja nichts mehr werden“, sagt Dieter Faulenbach da Costa. Eine Legislaturperiode, dann sei Schluss. Der 69-Jährige rührt seinen Espresso um und lächelt fast ein bisschen schelmisch. Von Matthias Dahmer

Faulenbach, den jeder in Offenbach mit seinem Job als städtischer Flughafenberater verbindet, ist der Mann der Linken in diesem Wahlkampf. Den Wahlkreis 43 (Offenbach-Stadt) will er holen, als parteiloser Kandidat, wie er betont. Und seine Rechnung sei so einfach wie verwegen: Der Wahlkreis kann vier Abgeordnete in den Landtag schicken. Mit Stefan Grüttner, Heike Habermann und Tarek Al-Wazir gebe es schon drei, die sicher über ihre jeweiligen Landeslisten drin seien. Er wäre eben als direkt gewählter Kandidat der Vierte.

Sollten die Wähler dann doch nicht in Scharen ihr Erststimmen-Kreuzchen bei Faulenbach machen, gibt es noch eine zweite Möglichkeit: „Erreicht die Linke am nächsten Sonntag acht Prozent, dann bin ich drin“, rechnet der an Platz zehn der Landesliste gesetzte Offenbacher vor.

Mit einem Paukenschlag war Faulenbach im vergangenen Februar aus der SPD ausgetreten. Verärgerung über den Kurs der Partei, lautete offiziell der Grund. Im Gespräch lässt der nicht immer bequeme Querdenker durchblicken, dass ihn auch menschlich enttäuscht habe, wie teilweise mit ihm und seinen Ideen umgegangen worden sei.

Dem Leben eine andere Wendung geben, das hat der von einer Portugiesin geschiedene und seit mehr als 15 Jahren mit einer Französin liierte Dieter Faulenbach schon mehrfach getan. So wie 1981, als er auf seine politische Laufbahn pfiff und für vier Jahre als Entwicklungshelfer auf die Kapverdischen Inseln ging. „Ich habe damals gemerkt, dass ich nur noch parteipolitisch und nicht mehr selbstständig dachte“, sagt er. 1985 startete der Diplom-Ingenieur seine Karriere als Flughafenplaner, war seitdem in 44 Ländern tätig, hat 19 Genehmigungsverfahren für Flughäfen als Gutachter begleitet.

Zentrales Wahlkampfthema Faulenbachs

Der Frankfurter Flughafen, speziell dessen negative Auswirkungen auf Offenbach und die Region, ist denn auch das zentrale Wahlkampfthema Faulenbachs. Da kennt er sich aus, da macht ihm niemand so schnell etwas vor. Sicher: Kurz streift er im Gespräch, was auch im rot-weißen Faltblatt der Linken steht. Dass er auch dafür eintritt, in Offenbach das Gewerbeflächenangebot zu verbessern, die Stadt mit einer Universität und mehr Geld auszustatten ist oder städtische Gesellschaften zu rekommunalisieren sind. Aber das sind nur wahlkämpferische Feigenblätter.

Schnell kehrt Faulenbach zu seiner Kernbotschaft zurück: Der Flughafen habe die Grenzen der Raumverträglichkeit überschritten, seine Folgen würden sich erst so richtig in 20 bis 25 Jahren in Offenbach bemerkbar machten. „Das ist das Menetekel für die Stadt. Alles, was wir derzeit so hoffnungsvoll beginnen, wird wegen des Flughafens nichts werden.“

Flugrouten, Anflugwinkel, Flieger

Geänderte Flugrouten, steilere Anflugwinkel oder leisere Flieger sind für ihn indes nur Kosmetik. Das alles sei letztlich ebenso wirkungslos wie die von vielen Fluglärmgegnern geforderte Schließung der Nordwestbahn, die den Lärm nicht weniger werden lasse, sondern nur auf den alten Einflugschneisen bündele. Faulenbachs Forderung: Ein neuer Flughafen-Standort müsse gefunden werden. Zumindest gehöre ein zu nichts verpflichtendes Suchverfahren angeschoben.

Bei den Grünen, gibt Faulenbach unumwunden zu, sei er damit auf taube Ohren gestoßen. Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir sei im Kampf gegen den Fluglärm ohnehin ein „Dünnbrettbohrer“ und kratze bei dem Thema nur an der Oberfläche. Die Linke habe dagegen sofort sensibel auf seine Forderungen reagiert.

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Dass er seinen Landtagswahlkampf auf ein Thema fokussiere, sei ihm bewusst, sagt Faulenbach. Doch für Offenbach sei das doch nicht schlecht. Ob auch die Partei, für die er antritt, damit einverstanden ist, lässt er offen. Schon in der SPD habe für ihn das Wahlprogramm nicht an erster Stelle gestanden. Was die oft kostenintensiven Forderungen im Programm der Linken angeht, meint Faulenbach lediglich, die Partei sei in der Analyse stark, habe aber ein Problem, ihre Politik zu vermitteln.

Von der Prognose zum endgültigen Wahlergebnis

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Und wenn es nicht klappt mit dem Einzug in den Landtag? Dann wird der Ex-Kandidat der Stadt Offenbach „wegen des Fluglärms“ den Rücken kehren. Ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in der Wetterau ist von ihm fast fertig saniert, wartet 2014 auf seinen Einzug. Es wäre halt eine neue Wendung im Leben des Dieter Faulenbach da Costa.

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