Ein Widerborstiger zieht ab

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Bald ein Ex-Offenbacher: Dieter Faulenbach da Costa an seinem Fachwerkhaus in Ortenberg.

Offenbach - Dieter Faulenbach da Costa sollte lärmresistent sein. Vor seinen Fenstern tost die Bismarckstraße. Direkt gegenüber donnern die Züge der Deutschen Bahn. Oben drüber dröhnen Flugzeuge dem Airport zu, und mit Airports lebt dieser Offenbacher seit Jahrzehnten. Von Lothar R. Braun 

Dennoch zieht es den Siebzigjährigen in stillere Gefilde. Im Herbst will er Offenbach gegen das beschauliche Ortenberg eintauschen, eine Idylle zwischen Vogelsberg und Wetterau. Ein Lebensweg mit vielen Wendungen geht damit vermutlich in die letzte Kurve. In dem 9000-Einwohner-Städtchen, das immer im Oktober seinen in der Gegend gerühmten „Kalten Markt“ feiert, steht das 400 Jahre alte Fachwerkhaus, das Faulenbach und seine Ehefrau Nicole gerade sanieren. Sie bedienen sich dabei zweier Offenbacher Spezialisten mit Erfahrung im Restaurieren alter Gemäuer. Dominik Mangelmann besorgt die Statik, Michael Poeschel zeichnet als Architekt.

Das Trio verbinden Aktivitäten in der lokalen Politik: Poeschel und Mangelmann in den Reihen der CDU, Faulenbach bei den Sozialdemokraten, von denen er sich mittlerweile jedoch getrennt hat. Er war ein unbekannter junger Bauingenieur aus dem Bergischen Land, als er 1975 in Offenbach die Stelle eines Assistenten im Büro der SPD-Stadtverordnetenfraktion annahm. Zwei Jahre danach wurde er Stadtverordneter, 1985 saß er als Ehrenamtlicher im Magistrat. Aus dem war er längst ausgeschieden, als ihm im Jahr 2000 der damalige Oberbürgermeister Gerhard Grandke einen Vertrag als Berater zu Fragen der Frankfurter Flughafenerweiterung anbot. Faulenbach gilt als Experte für Planung und Betrieb von Flughäfen. Dazu war der von Jugend an politisch aktive Stadtplaner auf verschlungenen Wegen gelangt.

Als Entwicklungshelfer in der Republik Kap Verde

Einen Knick in seiner Vita markiert Praia, das ist die Hauptstadt der Republik Kap Verde. Die liegt auf Atlantikinseln westlich der Sahara und war einmal portugiesische Kolonie. Drei Jahre lang arbeitete Faulenbach dort als Entwicklungshelfer im Stadtplanungsamt. Aus einer mittlerweile geschiedenen Ehe brachte er von dort den Namens-Bestandteil da Costa mit nach Offenbach. Ein anderer Knick ist mit dem pakistanischen Karachi verbunden. In Pakistan wurde aus dem Stadtplaner der Airport-Faulenbach. Als er im Auftrag einer Tochtergesellschaft der Flughafen Frankfurt AG in Karachi an der Planung eines Flughafens für die Millionenstadt arbeitete, lernte er viel von dem, was ein Stadtplaner nicht unbedingt mitbringen muss. Danach konnte er in aller Welt tätig werden, von Norwegen bis Nigeria, als Planer oder Planungsbeteiligter, als Gutachter oder Projektleiter, zumeist im Status des Freiberuflers. Auftraggeber waren Flughäfen, Baufirmen, Investoren und Ingenieurbüros.

Nicht alles, was er für Auftraggeber plante, ist auch ausgeführt worden, doch die Engagements füllen eine lange Liste. Das eine oder andere mag daran gescheitert sein, dass der widerborstige Faulenbach seine Freiräume vehement zu verteidigen pflegt. „Er rennt gern mit dem Kopf durch die Wand“, sagen Freunde. Flughafenbetreiber jedenfalls mögen ihn nicht mehr. Bei ihnen gilt er als Querulant, manche sagen Spinner. Im April 2011, beispielsweise, hörte ihn der Landtag von Brandenburg als Sachverständigen an. Es ging um ein Nachtflugverbot für den entstehenden Großflughafen Berlin-Brandenburg. Faulenbach schockierte mit der Aussage, dieser Flughafen sei eine Fehlplanung. Fast drei Jahre danach ist dem schwer zu widersprechen. „Großflughäfen dürfen und müssen gebaut werden“, sagt er heute, „aber auf keinen Fall in Ballungsgebieten.“

Kosten bei Berliner Flughafen vorher gesagt

Bereits in den Neunzigern war der Offenbacher beteiligt am Planfeststellungsverfahren für das Berliner Großprojekt. 2006 untersuchte er für die Baufirma Hochtief die Kosten für das neue Terminal. Er bezifferte sie mit 1,1 Milliarden, was die Bauherren damals empört als Blödsinn zurückwiesen. Heute weiß man es besser. Von Flughafen-Betreibern also hat Dieter Faulenbach nichts mehr zu erwarten. Vermutlich auch nicht von der SPD, für die er 47 Jahre lang in verschiedenen Funktionen aktiv war. 2013 ist er aus der Partei ausgetreten. Noch mehr hat es überrascht, dass er zur Bundestagswahl als Parteiloser für Die Linke kandidierte. Mit Offenbach aber wird er nicht völlig brechen. Auch in Ortenberg möchte er die Offenbach-Post beziehen. Selbst in der Abgeschiedenheit will er erfahren, wie es weitergeht ohne ihn.

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