Mobile Konkurrenz für Banken

Digital-Revolution in Finanzwelt

Frankfurt/Offenbach - Mobile Bezahldienste mischen die klassischen Banken kräftig auf. Die Finanzbranche versucht, sich ihren Teil von der - inzwischen nicht mehr ganz so - neuen Welt zu sichern. Kein leichtes Unterfangen. Von Marc Kuhn

Theodor Weimer mag klare Worte. „Die wahre Schlacht wird nicht zwischen den Banken geschlagen“, sagte der Chef der HypoVereinsbank (HVB) Ende September in Frankfurt. Die eigentliche Konkurrenz seien Nicht-Banken. Apple, Google, Amazon, Paypal - die Liste großer und kleiner Anbieter für mobiles Bezahlen wird länger. Seit Jahren versuchen Mobilfunk-Anbieter, Kreditkarten-Konzerne und Internet-Firmen, die digitale Brieftasche im Handy zu etablieren.

„Ich gehe auch davon aus, dass der Wettbewerb im Zahlungsverkehr sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird“, erklärte Guido Braun, Vorstandschef der Sparkasse Offenbach, unserer Zeitung. „Gerade die großen Anbieter von Waren und Dienstleistungen versuchen hier, sich erhebliche Marktanteile zu sichern. Hierauf gilt es sich als Kreditinstitut einzustellen und den Zeitraum zu nutzen, bis die deutsche Bevölkerung diese neuen Zahlungsverkehrsmöglichkeiten bereit ist, anzunehmen.“ Darüber hinaus bleibe abzuwarten, in wie weit diese Dienstleister die gesetzlichen Voraussetzungen für den Zahlungsverkehr erfüllen und die Sicherheit der Datentransfers gewährleisten könnten.

Zeichen der Zeit erkannt

„Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und bereits Maßnahmen ergriffen, um unsere Wettbewerbssituation online und mobil zu stärken“, berichtete Stephan Schader, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dreieich. „In diesem Jahr haben wir einen Bereich im Hause der Volksbank Dreieich etabliert, um genau auf diese Trends und Entwicklungen mit neuen Ideen zu reagieren.“

Die Sparda-Bank Hessen teilte mit: „Die Gruppe der neuen Spieler am Markt wird ständig größer.“ Vor allem der Bereich der Bezahlsysteme sei am weitesten entwickelt. „Wir sind aber weit davon entfernt, in Panik zu verfallen“, so die Bank. „Von entscheidender Bedeutung ist bei allen technischen Innovationen nämlich die Frage, inwieweit die Verbraucher neue Angebote im Bereich der Finanzdienstleistungen nutzen wollen und werden.“

„Die digitale Revolution rüttelt an der Rolle der Banken als Finanzintermediär“, stellte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch laut dpa bei einer Tagung in Frankfurt fest. Neue Anbieter pickten sich lukrative Bankdienstleistungen heraus und böten diese hoch spezialisiert an. Kirsch räumte ein: „Wir haben in der Vergangenheit ähnliche Tendenzen aus unseren eigenen Reihen unterschätzt.“ Stichwort: Direktbanken. „Müssen wir Banken uns damit abfinden, dass unser Bankgeschäft in Zukunft langweilig ist, während Apple, Google oder Paypal das Gesicht zum Kunden und damit auch noch zur ,Marke’ für die Geldbelange jedes Einzelnen werden?“, fragte Kirsch. „Ich denke nicht.“ Doch er mahnte: „Für uns Banken ist es höchste Zeit, noch intensiver als in der Vergangenheit in moderne Technologien zu investieren und sie in den Kern der Geschäftsstrategie zu integrieren.“ Sonst drohten laut Studien bis zu 25 Prozent Ertragsrückgang allein bei Privatkunden. „Der Wettlauf insbesondere um die netzaffinen Kunden ist in vollem Gang und legt eine Dynamik an den Tag, auf die viele traditionelle Banken nicht adäquat vorbereitet sind.“

Bezahlen mit dem Handy

Etliche Häuser scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Die Commerzbank etwa hat das Ziel ausgegeben, ihren Kunden „Produkte und Dienstleistungen der Commerzbank zu jeder Zeit und an jedem Ort“ anbieten zu können. Die Direktbank ING-Diba stellte eine „SmartSecure App“ vor, die mobile Bankgeschäfte beschleunigen und vereinfachen soll. Auch andere Institute bemühen sich um verbesserte Online-Angebote und mobile Verfahren - neben einem teuren Filialnetz.

„Die Banken müssen lernen, dass sie mit ihrem Einheitsangebot nicht an den Wachstumsmärkten des Zahlungsverkehrs teilhaben“, sagt der Finanzwissenschaftler Jürgen Bott von der Fachhochschule Kaiserslautern.

Auch die Smartphone-Geldbörse von Apple („Apple Pay“) sei im Grunde keine große Innovation, meinen Branchenkenner. Doch der Gigant habe das Zeug dazu, das Kräfteverhältnis in dem Geschäft zu verschieben: „Ein Bezahlen per Handy beziehungsweise Smartphone wird schon seit fast 15 Jahren im deutschen Markt angeboten. Mit Apple Pay könnte erstmals eine massive Nachfrage entstehen“, meint Markus Weber vom Zahlungsverkehrsanbieter Ingenico Payment Services („easycash“).

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Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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