IHK Offenbach nimmt Regierung in die Pflicht

Digitalisierung: Mittelständlern fehlen Fachkräfte und Kompetenzen

+
Glasfasernetze sind die Voraussetzung für schnelles Internet. Darauf sind die Unternehmen bei der digitalen Aufrüstung angewiesen.

Offenbach - Die Digitalisierung erobert weite Teile der Gesellschaft. Viele Unternehmen in der Region scheinen sich darauf nicht ausreichend vorbereiten zu können. Von Marc Kuhn

Der Fachkräftemangel gefährdet auch die Digitalisierung von Unternehmen in Stadt und Kreis Offenbach. „Eine der größten Herausforderungen ist die Digitalisierung und Weiterbildung“, sagt Mirjam Schwan, Geschäftsführerin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, zuständig unter anderem für den Bereich Innovationen. Die Kompetenzen würden in den Firmen fehlen, „werden aber zunehmend erforderlich“.

Schwan verweist auf eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelkammertags (DIHK), in die auch Erkenntnisse aus Offenbach eingeflossen sind. Eine der zentralen Forderungen aus der Untersuchung ist laut Schwan, dass digitale Basiskompetenzen in allen Bildungsbereichen vermittelt werden sollen. Dafür müsse sich auch die neue Bundesregierung einsetzen, verlangt die IHK-Geschäftsführerin. Zu den Anliegen der Firmen aus der DIHK-Studie gehöre auch der Breitband-Ausbau. Zudem werde gefordert, Rechtssicherheit für die wirtschaftliche Nutzung von Daten zu schaffen.

Entspannter bei der digitalen Problematik zeigt sich die IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern: „Wenn es die Unternehmen nicht schaffen, trotz voller Auftragsbücher Kapazitäten für die Aufgaben von morgen wie die Digitalisierung abzuknapsen, dann würden wir bald Probleme bekommen.“ Dazu werde es aber nicht kommen. Die Kammer betont: „Die Unternehmen sind hinreichend kreativ“.

Eine Befragung von Mittelständlern im Auftrag des Beratungsunternehmens EY hatte gezeigt, dass ein Mangel an Fachleuten die Digitalisierung in vielen mittelständischen Unternehmen in Deutschland ausbremst. Jede fünfte Firma findet danach nicht genug Personal, um den Bereich auszubauen, und investiert deshalb nicht oder zu wenig in die Digitalisierung ihres Geschäfts. Es ist der am häufigsten genannte Grund vor fehlendem eigenen Know-how und fehlenden finanziellen Mitteln.

EY-Mittelstandsexperte Michael Marbler spricht von einem „Alarmsignal“. Er sieht vor allem kleinere Firmen in der Gefahr, in eine Abwärtsspirale zu geraten. Ihnen fehle oft das Geld, um Produktion oder Vertrieb zu digitalisieren, und zudem hätten sie es noch schwerer, auf einem leer gefegten Arbeitsmarkt die dafür benötigten Fachleute zu finden. „Wenn ihnen das Geld und das Personal fehlen, müssen sie kreativer werden, um trotzdem mit der Entwicklung Schritt zu halten“, betont Marbler und verweist auf Kooperationen mit anderen Firmen oder Forschungseinrichtungen.

Ähnlich sieht das die IHK Offenbach. „Viele Unternehmen aus Offenbach sind auf uns zugekommen“, berichtet Schwan. Über Netzwerke sollten die Firmen kooperieren. Zum Erfahrungsaustausch ist 2017 das Cross Innovation Netzwerk auf Initiative der Wirtschaftsförderer, der IHK und des Kreises gegründet worden. Es sei gedacht für kleine und mittelgroße Unternehmen im Kreis, offen sei es aber auch für Firmen aus der Stadt, erläutert Schwan, der die Vernetzung mit Forschungseinrichtungen nach eigenen Angaben am Herzen liegt. Deshalb soll bald das Kooperationsnetzwerk Future Factory an den Start gehen. Darin können Unternehmen beim Thema digitale Kompetenzen auf die Erfahrungen der IHK, der Hochschule für Gestaltung Offenbach und der technischen Hochschule Mittelhessen zurückgreifen.

„Die Unternehmen in Hessen suchen immer mehr Informatiker und andere qualifizierte Mitarbeiter für Informations- und Kommunikationstechnik“, erklärt Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

Online auf hoher See: Als IT-Managerin an Bord

„Besonders nach Softwareentwicklern und Programmierern müssen die Unternehmen häufig lange suchen: Im Durchschnitt 158 Tage länger als geplant.“ In den MINT-Studiengängen – Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften – habe sich die Anzahl der Studienanfänger seit dem Studienjahr 2007/8 von 131.000 auf 198.000 in 2016/17 erhöht.

Aber alle Verbesserungen reichten offensichtlich bei Weitem nicht aus, die sich vergrößernden Lücken zu füllen, so Pollert. „Digitale Kompetenz wird in fast allen Berufen benötigt, denn digitale Instrumente erweitern die Möglichkeiten der Kommunikation, Information und Weiterbildung in der Arbeitswelt. Es wird nur wenige Bereiche geben, die sich durch die Digitalisierung nicht beeinflusst werden.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare