HfG-Diplomanden

Immer in Bewegung

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Diplomandin Krisztina Meggyesy hat die Eingangshalle der HfG mit beweglichen Großfiguren bestückt.

Offenbach - Unter dem Motto „haters gonna hate“ stand die Diplompräsentation in der Hochschule für Gestaltung. Von Claus Wolfschlag

„Hassende werden hassen“ – dieser im Internet oft zu findende Spruch auf der Einladung gab Rätsel auf; vor allem durch die Kombination mit einem weißen Einhorn mit lila Schweif und Hufen, das vor knallbuntem Hintergrund zum Sprung ansetzt.

Wer ist mit den Hassenden gemeint? Die 15 Diplomanden des Fachbereichs Visuelle Kommunikation? Das Publikum in der Aula? Oder der Lehrkörper der HfG? Studentin Krisztina Meggyesy gibt einen Hinweis: „Wir sind ein Abschlussjahrgang, der etwas anders gearbeitet hat. Vieles ging ins Textile. Das gilt als kunsthandwerklich und wird an der Hochschule deshalb kritisiert.“

Dackel mit zwei Köpfen

Meggyesy hat sich in ihrer Arbeit „Perpetuum Immobile“ keinesfalls dem Hass gewidmet, sondern der Depression als Folge ewiger Unbeweglichkeit. Ihre seltsamen, beweglichen Großfiguren begrüßen die Besucher in der Eingangshalle. Ein Bockskopf mit blutigem Pelz steht für das Okkulte. Einer im karierten Mantel ist kopflos geworden, werkelt aber monoton weiter. Ein Dackel mit zwei Köpfen weiß nicht, wohin er mit seinem Gefährt rollen sollte. Das soll den fremdbestimmten Wunsch Jugendlicher nach großen Autos thematisieren. Eine Frau im Ballkleid mit Spielzeugbären-Gesicht symbolisiert den weiblichen Rollenkonflikt: „Heilige und Hure, gute Mutter und Karrierefrau kann man nur schwer gleichzeitig sein“, so Meggyesy.

Schließlich sitzt die Figur einer Toten im Sessel, mit knochigem Schädel und zwei Pistolen an den Schultern. Der Tod als Erlösung? Immerhin ist es die einzige Figur, die eine beruhigende Haltung zu Leben und Tod einnimmt. Die in Offenbach geborene Halb-Ungarin Meggyesy erklärt: „Ich habe mich viel mit Melancholie beschäftigt. Depressionen und Burnout haben ihre Ursache in Selbstansprüchen. Die Leute haben keine Geduld mehr mit sich, keine Ruhe in sich.“

Auf Monitoren flimmern US-Berühmtheiten

Eine andere gesellschaftskritische Arbeit präsentiert die gebürtige Offenbacherin Meike Bambuch mit „#copy_paste“. „Ich thematisiere das Verhältnis von Original und Kopie in der Mode.“ ´Diese sei ein Geflecht von immer neu kombinierten Zitaten. Originalität werde nur von außen herangetragen. Um dies zu versinnbildlichen, fotografiert Bambuch mit dem iPhone Computer-Screenshots bekannter Modemacher. Diese Porträts bearbeitet sie mit App und Photoshop, so dass kaleidoskopartige Splitterbilder entstehen. Schließlich druckt sie die so in neue Form gebrachten Gesichter John Gallianos, Vivian Westwoods und Karl Lagerfelds auf synthetischen Satin-Stoff und verarbeitet ihn zu gerade geschnittenen Kleidern. Andere Studenten widmen sich der Identität.

Beschäftigt sich Madeleine Brady in ihrer „Blobgesellschaft“ mit der nationalen Identität, so setzt sich Jenica Lewis in Videoanimationen mit afroamerikanischen Identitäten und deren Wahrnehmung auseinander. Auf Monitoren flimmern US-Berühmtheiten – eine von Papiertüten umkreiste Whitney Houston, der von Pacman-Figuren umspielte Ex-Basketballer „Magic“ Johnson oder der von Geld umregnete Rapper Biggie.

Tobias Hornig berührt das Thema Identität mit seinem 3D-Kurzfilm „Über den Schatten“, der das Verschwinden eines Vaters thematisiert. Naciye Özsu widmet sich in dem performativen Kurzfilm „8235813“ dem Ausdruck des Menschen durch Bewegung, Atmen und Motorik. „Dabei ist der Körperausdruck auch Bühne der psychosozialen Genesis des Individuums, Teil der individuellen Biografie und Spiegel der Selbstwahrnehmung“, verlautbart sie. Am Ende stelle sich die Frage: „Was ist echt, was konditionierter Ausdruck?“ Schließlich fließt das Thema in die Arbeit Maziar Rastegars ein, dessen geflochtene Bilder von persischen Teppichen und orientalischen Mosaiken beeinflusst sind.

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