Capitol Symphonie Lounge

Im „Abendlicht“ spielt Dirigent die erste Geige

Offenbach - Wer möchte nicht bei einem solch exquisiten Orchester wie der Neuen Philharmonie Frankfurt die Geige spielen? Das im Offenbacher Capitol ansässige Orchester steht regelmäßig mit Größen wie Jazz-Ikone Gregory Porter oder Violinstar David Garrett auf der Bühne. Von Sebastian Krämer

Aber das Berufsbild des Konzertmeisters hat sich in den vergangenen Jahrhunderten gewandelt. Leitete dieser doch bis ins 19. Jahrhundert das ganze Orchester, woher bekanntlich die Redensart „die erste Geige spielen“, also in etwa „tonangebend sein“, stammt.

Ralf Hübner allerdings durfte beim Abschlusskonzert der diesjährigen Capitol Symphonie Lounge unter dem Titel „Abendlicht“ sogar in den Aufgabenbereich des Orchesterwarts hineinschnuppern. Schließlich musste das Podest von Orchesterleiter Roland Böer zurechtgerückt werden.

Mit dem Orchesterwerk „Weites Land“ des Hamburgers Detlev Glanert stand zudem ein weniger bekannteres Werk auf dem Programm. Dieses erklang am Sonntagabend nicht ohne Grund direkt vor Johannes Brahms’ klanggewaltiger Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98. So hat Glanert sein 2013 entstandenes Werk als Vorspiel zu eben jenem sinfonischen Meilenstein komponiert.

Doch auch Robert Schumanns beliebtes Klavierkonzert a-Moll op. 52 wurde mit einer zeitgenössischen Hommage bedacht. So leitete Rolf Rudins erstes größeres Orchesterwerk „Herbstgesang“ op. 18 aus dem Jahr 1989 das abwechslungsreiche 150-minütige Mammutprogramm, sowie das Solokonzert vor der Pause ein.

Mit dem Hamburger Pianisten Markus Bellheim durfte sich das Publikum im bedauerlicherweise nicht ganz ausverkauften Capitol außerdem über einen namhaften Solisten freuen. Feinnuanciert und geschmackvoll kam seine Interpretation des weltberühmten romantischen Tastenwerks daher, unterstützt vom glänzend aufgelegten Orchester.

Bilder: Wilhelmsbader Sommernacht in Hanau

Wilhelmsbader Sommernacht in Hanau
Wilhelmsbader Sommernacht in Hanau
Wilhelmsbader Sommernacht in Hanau
Wilhelmsbader Sommernacht in Hanau
Bilder: Wilhelmsbader Sommernacht in Hanau

Auch bei den restlichen Werken wusste das vielseitige Ensemble mit äußerst reifem Orchesterklang und technischer Brillanz zu überzeugen. Dabei ragten insbesondere die beiden zeitgenössischen Werke heraus. Worüber sich die anwesenden Komponisten Rudin und Glanert sichtlich freuten und sich kurz vor dem Publikum verneigten.

Auch wenn das Konzert durch die Vielzahl der Werke epische Ausmaße annahm, kam angesichts von Böers fesselnder Interpretation nie Langeweile auf. Nur zu verständlich, dass der Kritiker diesen Dirigenten als ersten Geiger ins rechte Abendlicht rücken möchte...

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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