Diskussion „bei Frankfurt“

Offenbach - Am Anfang musste Oberbürgermeister Horst Schneider mit seinem Gastgeber schimpfen. Der türkische Fernsehsender ebru-TV zeigte am Donnerstag einen Image-Film. Von Stefan Mangold

Und Pressesprecher Jens Walther, ahnte sofort: „Sie werden mit der Formulierung nicht zufrieden sein, Herr Schneider. “ War er auch nicht. Den Sitz des Unternehmens gibt der Sprecher in dem Streifen mit „bei Frankfurt“ an. Die Studios und Redaktionsräume der World Media Group AG liegen an Offenbachs Sprendlinger Landstraße. Das Wort „Offenbach“ aber meidet der Kommentator wie manche den Namen eines geschiedenen Partners. „Sagen Sie doch ‘Offenbach in der Metropolregion Rhein-Main’“, schlägt der OB vor.

Der Privatsender ebru-TV plant, ab September ein deutschsprachiges Programm „für 20 bis 49-Jährige weltoffene Menschen aus dem Mainstream“ zu senden, das sich insbesondere an interessierte Bürger mit Migrationshintergrund wendet. „Auf Themen aus Kultur und Lifestyle jenseits des Niveaus eines Dschungelcamps“, setzt Jens Walther. Bisher tauchten etwa Türken im deutschsprachigen Fernsehen überwiegend als humorige Unterhalter, brillante Nationalspieler oder dumpfe Gewalttäter auf. „Wir wollen das durchbrechen“, beispielsweise den türkischen Arzt zeigen, der sich auf Deutsch zu medizinischen Problemen äußert. „Das Andere ist längst normal“, lautet ein Slogan des Senders.

Schneider: Zu wenig Türkinnen in Sportvereinen

Oberbürgermeister Schneider beantwortet Fragen: „Wie behandelt die Stadt Offenbach das Thema kulturelle Vielfalt?“ Schneider erwähnt das Fest des Fastenbrechens zum Ende des Ramadans, das Offenbacher Muslime seit ein paar Jahren auf dem Marktplatz feiern. Auch Christen seien dort willkommen. „Vor 20 Jahren war so etwas noch undenkbar.“ In Offenbach lebten etwa 15.000 Moslems, „bald werden das mehr sein als Protestanten oder Katholiken“. Zur Integration gebe es keine Alternative, „auch wenn es keinen Sinn macht, Probleme schön zu reden.“

So sei er über Fußballvereine, die sich unter nationalen Flaggen gegründet hätten, nicht glücklich. „Deutsche Vereine hatten damals vielleicht etwas versäumt.“ Doch Schneider erinnert sich an die Ehrung der Spieler von Hellas Offenbach zur Stadtmeisterschaft im Fußball, „bei denen spielten gerade mal zwei Griechen mit. Der Rest stammte aus anderen Nationen.“

Was Schneider eher aufstößt, „ist der geringe Anteil von jungen Türkinnen in den Sportvereinen. Da herrscht Nachholbedarf.“ Ein Zuschauer von „Main Deutschland“ will von Schneider wissen, warum in Offenbach so viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Der OB erklärt das mit dem historischen Hintergrund der einstigen Industriestadt. Mehr als ein Drittel der früheren Arbeitsplätze in den Fabriken hätten Hilfsarbeiter ausgefüllt. Die meisten seien sogenannte Gastarbeiter gewesen, „aus überwiegend bildungsfernen Schichten.“

Kopftuchverbot in Kitas kritisiert

Offenbach investiere in Ganztagsschulen und Kindergartenplätze, „mit Geld, das wir nicht haben.“ Es sei wichtig, „dass die Eltern ihre Kinder in die Kita schicken, damit die Deutsch lernen.“ Ansonsten verbauten sie ihrem Nachwuchs womöglich schon früh den Weg in den Arbeitsmarkt.

Eine Frau mit Kopftuch ist irritiert, in städtischen Kindergärten kein Praktikum absolvieren zu können. Anders als in Frankfurt herrsche dort ein Kopftuchverbot. Ein Mann ergänzt, „solche Umstände können zur Gründung türkischer Kitas führen“. Schneider antwortet, er sehe das Problem ambivalent. Zum einen frage er sich, ob es nicht möglich sei, auf Insignien des religiösen Bekenntnisses für ein paar Stunden zu verzichten. Andererseits hege er den Gedanken, „ob ein Kopftuch tatsächlich ein Problem ist.“ Die Vorschrift gelte seit zehn Jahren. „Wir können das gerne mit allen Beteiligten neu diskutieren.“

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