Film- und Diskussionsabend

Flüchtlingshilfe: Unterstützung kommt nicht an

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Bei der Veranstaltung im Ostpol zum Thema Asylpolitik hatte der Stabsstellenleiter der Offenbacher Flüchtlingshilfe, Reinhard Knecht (rechts), einen schweren Stand: Viele Ehrenamtliche kritisierten seine Arbeit.

Offenbach - Bei einem Film- und Diskussionsabend im Ostpol soll es eigentlich um die gegenwärtige Asylpolitik in Deutschland gehen. Von Rebecca Röhrich und Peter Klein 

Doch aus der allgemeinen Diskussion wird schnell konkrete Kritik: Viele ehrenamtlich engagierte Bürger in Offenbach sind sehr unzufrieden mit den offiziellen Stellen, die die Flüchtlingshilfe koordinieren. Kaum ist der Abspann des Films „Willkommen auf Deutsch“ vorbei, wird im Ostpol vor allem die städtische Stabsstelle Flüchtlingshilfe unter Beschuss genommen, besonders deren an diesem Abend anwesender Leiter Reinhard Knecht. Kritik trifft auch den Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtung, den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Knecht kann mit den vier laufenden Projekten, die er als Erfolg seiner Arbeit vorstellt, die Diskussionsteilnehmer nicht überzeugen.

„Viele Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, haben noch keine persönliche Rückmeldung, keine Einteilung erhalten“, beschwert sich Andrea Faber, die seit Wochen in der Kleiderkammer der Erstaufnahmeeinrichtung hilft. Wer sich tatsächlich engagieren wolle, solle sich lieber direkt an die jeweiligen Projekte wenden, empfiehlt sie. So habe sie das auch gemacht. Tatsächliche Koordinationsarbeit erkenne sie bei der Stabsstelle nicht. Zudem befürchte sie, dass die Stabsstellenleitung selbst keinen Überblick über die laufenden Projekte habe. Nicht nur Faber fragt, warum das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge in Frankfurt viel besser funktioniere.

Auch innerhalb der Einrichtung stimme die Koordination noch nicht. „Es gibt im Gebäude am Kaiserlei einen Raum voller Spielsachen und Kuscheltiere“, berichtet sie. Aber die Sachen würden einfach nicht an die Bedürftigen verteilt. Der Grund: Hygienebestimmungen. Für Faber ein lächerliches Argument in Anbetracht der Tatsache, dass die Sanitäranlagen ihrer Meinung nach mehr als fragwürdig seien. Außerdem habe zum dritten Mal die vom ASB beauftragte Ehrenamtskoordinatorin gewechselt. Die jetzige sei zwar an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, könne aber allein die Fülle an Aufgaben nicht bewältigen. Der stellvertretende Leiter der Einrichtung, Hiwa Rostami, ist hingegen mit dem Personalschlüssel zufrieden.

Oberbürgermeister Horst Schneider teilt Andrea Fabers Kritik am ASB. Die Kontaktstelle innerhalb der Einrichtung habe bisher nicht richtig funktioniert. Helfer kämen schlichtweg nicht zu ihrem Klientel, bedauert der OB. Für sein Zuständigkeitsgebiet kündigt Schneider Konsequenzen an: Dem Leiter der Stabsstelle Flüchtlingshilfe wird ein weiterer Koordinator an die Seite gestellt. Seine Mitarbeiter nimmt der OB indes in Schutz. Die Koordination der Flüchtlingshilfe müssten die Mitarbeiter zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben in der städtischen Verwaltung verrichten. Ihnen und insbesondere Reinhard Knecht „den schwarzen Peter zuzuschieben, ist nicht fair“, so Schneider. Schließlich liege eigentlich die Verantwortung für die am Kaiserlei untergebrachten Menschen beim Land Hessen beziehungsweise bei dem von diesem beauftragten ASB. Nicht zuletzt bekomme dieser Geld für seine Arbeit.

Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei: Bilder

Auch zum Vorwurf, dass es in Frankfurt mit der ehrenamtlichen Arbeit besser laufe, findet der Offenbacher Verwaltungschef klare Worte: „Die Stadt Frankfurt kann es sich leisten, die ehrenamtliche Arbeit der 500 in der Stadtverwaltung Angestellten als Arbeitszeit anrechnen zu lassen.“ Das sei beim niedrigen Personalschlüssel Offenbachs unmöglich. Aber Schneider macht auch Hoffnung: Es sei gelungen, Spendengeld für eine zweite Koordinierungsstelle in der Stabsstelle Flüchtlingshilfe aufzutreiben. Für die nächsten zwei Jahre sollen Mittel zu gleichen Teilen von der Quandt- sowie der Dr.-Marschner-Stiftung kommen, insgesamt 60.000 Euro.

Ursprünglich ging es in der Veranstaltung im Ostpol, die vom Landesbüro der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert wurde, um die allgemeine Asylpolitik in Deutschland. Der Film „Willkommen auf Deutsch“ sollte den Besuchern die Probleme aufzeigen, mit denen Kommunen und Länder bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme zu kämpfen haben. Dazu lieferte die Offenbacher SPD-Landtagsvizepräsidentin Heike Habermann beeindruckende Zahlen. Auf 90 Sachbearbeiter kämen in Hessen aktuell 370.000 Asylanträge. Dabei seien die Offenbacher Flüchtlinge noch nicht mitgezählt, weil deren Registrierung gerade erst begonnen habe.

Bilder: Umgang mit Flüchtlingen in der Region

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