Eine unendliche Geschichte ?

CDU diskutiert Gebäudemisere an Offenbachs Schulen

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Mahnten Verbesserungen bei der schulischen Infrastruktur an (von links): CDU-Stadtverordneter Michael Weiland, Heinrich Kößler, Leiter der Theodor-Heuss-Schule und Dr. Peter Bieniussa, Chef des Staatlichen Schulamts.

Offenbach - Steigende Schülerzahlen, marode Gebäude und überteuerte Neubauten – die Offenbacher CDU sieht reichlich Handlungsbedarf, um Kindern vernünftige Lernbedingungen zu verschaffen. Eine Diskussion im Ostpol zeigte Chancen, aber auch vorhandene Defizite auf. Von Harald H. Richter 

Undichte Fenster, durch deren Ritzen im Winter die Kälte dringt, defekte Heizungen, feuchte Decken und Wände, von denen der Putz blättert, und auf dem Freigelände eine löchrige Laufbahn, die mehr Stolperfalle ist denn Strecke zum Sport treiben. Eindrücke dieser Art, filmisch aufbereitet von Studenten der Hochschule für Gestaltung, dienen als Einstieg in eine Diskussionsveranstaltung der örtlichen CDU am Mittwochabend im Ostpol-Quartierssaal. Sie sind Zustandsbeschreibung vieler Schulen in der Stadt, die mit einem erheblichen finanziellen Kraftakt auf Vordermann gebracht werden müssen. Doch die Sanierung dauert. Und sie dauert länger, als Schüler, Eltern und Lehrer sich das vorgestellt haben.

Mancher Jugendliche wird längst nicht mehr die Schulbank drücken, wenn seine Einrichtung an der Reihe ist, wie das Beispiel Ernst-Reuter-Schule zeigt. Deren Neubau ist erst 2002 eingeweiht worden, die dringend notwendige Erweiterung aber ist im Schulbauprogramm an letzter Stelle und nicht vor 2022 dran. Auch an Uhland-, Mathilden- und Geschwister-Scholl-Schule liegt viel im Argen. Bei der Fröbelschule hat man die schlimmsten im Film gezeigten Missstände wohl beseitigt, doch nach wie vor gibt es genug zu reparieren und zu erneuern.

Modernisierungsprogramm sollte ursprünglich 2017 enden

Gerät die Sanierung der Offenbacher Schulen zur unendlichen Geschichte? Das fragen die Christdemokraten. Das vor acht Jahren begonnene Modernisierungsprogramm sollte ursprünglich 2017 enden und 250 Millionen Euro kosten. Nun aber wird laut Magistrat langer Atem nötig sein, ein Abschluss erst 2025 erwartet und der Kostenaufwand mindestens 384 Millionen Euro betragen. Obwohl mit 160 Millionen Euro ein Teil schon saniert wurde, sind nach wie vor Gebäude dem Verfall preisgegeben, platzen Schulen vor allem wegen wachsender Schülerzahlen aus allen Nähten und müssen sich mit Containerlösungen behelfen. Neu gebaute oder geplante Schulen sind Berechnungen zufolge schon jetzt zu klein. Keine guten Lernbedingungen also. „Es muss die Frage erlaubt sein, welche Wertschätzung Schülern wie Eltern vermittelt wird, wenn die Gebäude sich in beklagenswertem Zustand befinden“, sagt Oberstudiendirektor Heinrich Kößler, an der Spitze des Kollegiums der Theodor-Heuss-Schule stehend und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Offenbacher Schulleiter. Er sieht Bildungseinrichtungen im Kreis besser aufgestellt, auch dank Partnerschaften mit der Wirtschaft.

Seine Mitdiskutanten, der Leiter des Staatlichen Schulamts, Dr. Peter Bieniussa, und CDU-Stadtverordneter Michael Weiland, sind sich mit ihm einig: Es muss stärkere Anstrengungen geben, damit die Misere nicht noch weitere Jahre andauert.

„Daher gibt es für politisch motivierte, kostentreibende Zusatzwünsche bei Instandsetzungsprojekten keine Rechtfertigung“, sagt Weiland. Denn unter solcher Verschiebung der Prioritäten litten andere Schulen umso mehr, an denen viel dringlicher Erneuerungsbedarf bestehe. „Wohl wissend, dass der Spielraum wegen der angespannten Kommunalfinanzen begrenzt ist, bin ich dafür, mehr als die vom Magistrat gerühmten 50 Prozent vom Investitionskuchen für die Schulsanierung einzusetzen“, redet er einer notwendigen Umschichtung das Wort und erntet Beifall von den rund 40 Zuhörern.

Fest in frisch sanierter Brüder-Grimm-Schule

Peter Bieniussa sieht bei der Lehrerabdeckung durch das Land Hessen nicht zuletzt infolge des Sozialindexes Offenbach mit einer Quote von 107 Prozent gut aufgestellt. „Mit 40 zusätzlichen Stellen lässt sich einiges machen, vor allem was die Nachmittagsbetreuung angeht“, ist der Schulamtsleiter überzeugt. „Doch so etwas kann nur bei angemessenen Platzverhältnissen Wirkung entfalten.“ So lange Kindern, wie etwa an der Goetheschule nachgewiesen, auf dem Pausenhof nur 3,7 Quadratmeter Bewegungsraum zur Verfügung stünden, könne von zufriedenstellenden Bedingungen keine Rede sein.

„Vernünftige Bildung für alle ist die beste Investition in die Zukunft unserer Kinder“, hatte CDU-Vorsitzender und Hessens Sozialminister Stefan Grüttner eingangs der Veranstaltung betont. In dieser Einschätzung sei sich das politische Parteienspektrum in Offenbach sich einig. Pädagogische Konzepte könnten aber nur bei entsprechender Infrastruktur greifen.

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