DM-Halbfinale war der Höhepunkt

Bereits von 1972 bis 1983 wurde am Bieberer Berg auch Frauenfußball gespielt

Lady-Kickers in der Saison 1973/74 ofc
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Die Lady-Kickers in der Saison 1973/74 (stehend von links): Trainer Karl Penzel, Monika Scheler, Elli Wirth, Sonja Gelbe, Reinhild Knigge, Elke Jung, Helga Breddin und Veronika Krüger. Kniend von links: Monika Staab, Ruth Sperk, Doris König, Sieglinde Wagner, Korda Dutzki und Petra Hamburger.

Es ist fast 40 Jahre her und fast vergessen: Der Name Kickers Offenbach stand schon früh elf Jahre lang auch für Frauenfußball – und das durchaus erfolgreich. Die Zeit der „Lady-Kickers“, wie sich die Frauen selbst nannten, begann 1972 mit dem kompletten Wechsel des Teams der SG Rosenhöhe zu den Kickers. Hier fanden die Fußballerinnen deutlich bessere Bedingungen vor: einen Bus oder einen Zuschuss für Fahrten zu Auswärtsspielen, es gab Trikots und Bälle und bessere Trainingsmöglichkeiten.

In den Anfangsjahren begleiteten Hannelore und Karl Penzel die Lady-Kickers, und die ersten Erfolge ließen nicht lange auch sich warten. 1976 holte sich das Team von Trainer Otto Gilberg den Hessen-Pokal und den Sieg beim renommierten Internationalen Turnier des SC Bad Neuenahr, damals das größte Frauenfußball-Turnier der Welt. In der Liga hieß der große Rivale in den Anfangsjahren Oberst Schiel Frankfurt. Den Stellenwert des Frauenfußballs in dieser Zeit macht die Auszeichnung für den Gewinn des Hessenpokals deutlich: Für jede Spielerin gab es einen schmucklosen Teller mit der Aufschrift „Sportschule Grünberg“. Das wollte Werner Hix, der damalige Stadionsprecher am Bieberer Berg, nicht hinnehmen, und ließ auf eigenen Kosten einen Pokal anfertigen, damit der Erfolg angemessen gefeiert werden konnte.

1977 übernahm der langjährige OFC-Jugendleiter Karl-Heinz Kohls das Traineramt. In dieser Saison wurde erstmals wie bei den Herren von Sommer bis Sommer gespielt, bis dahin lief die Spielzeit von März bis Oktober. Und die Saison 1977/78 wurde zur erfolgreichsten der Lady-Kickers. Sie holten das Double Hessenpokal und Hessenmeisterschaft und waren damit für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Nach den beiden Siegen gegen Meteor Berlin standen die OFC-Frauen im Viertelfinale, in dem sie sich gegen den Westfalenmeister TSV Siegen mit 2:1 und 1:1 durchsetzten. Der Einzug ins Halbfinale war geschafft. Dort erwies sich der Saarmeister FC Hellas Marpingen allerdings als stärker, die beiden Partien endeten 1:1 und 1:2. Immerhin 1300 Zuschauer kamen damals zum Heimspiel auf den Bieberer Berg, die Lady-Kickers wurden Dritte der Deutschen Meisterschaft.

Für Aufsehen sorgte im Herbst 1978 der Wechsel von Beverly Ranger zu den Kickers. Die Jamaikanerin hatte bereits im April 1975 in der ARD mit dem Tor des Monats fast schon Berühmtheit erlangt und war vielleicht der erste Star des deutschen Frauenfußballs. Nach nur wenigen Spielen verließ sie jedoch den Bieberer Berg und heuerte beim FSV Frankfurt an. Sie war die einzige Spielerin, für die der OFC jemals eine Wohnung und eine Arbeitsstelle organisierte.

Doch der Erfolg der Lady-Kickers hatte seinen Preis. Trainiert wurde mittlerweile bis zu dreimal in der Woche, dazu kamen für die Spielerinnen die Belastungen in Familie, Beruf oder Ausbildung sowie oft lange Anfahrten. Viele Spielerinnen wechselten zu anderen Clubs, gaben das Fußballspielen ganz auf oder mussten sich als werdenden Mütter ganz neuen Herausforderungen stellen – das Ende der Lady-Kickers nahm seinen Lauf.

Trainer Otto Gilberg verarztet Monika Staab.

Mit dabei war von Anfang eine Frau - damals noch ein Mädchen –, die später zu einer Pionierin des deutschen Frauenfußballs wurde: Monika Staab. Sie spielte bereits mit elf Jahren im Team der Frauen – eine Jugendmannschaft gab es nicht – und musste sich zu Beginn ein Jahr älter machen. Denn in den Statuen des DFB, der das Verbot des Frauenfußballs erst 1970 aufgehoben hatte, war ein Mindestalter von zwölf Jahren vorgeschrieben. Staab wechselte nach Engagements unter anderem im Ausland später zur SG Praunheim, aus der 1998 der 1. FFC Frankfurt hervorging. 1992 beendete die Dietzenbacherin Staab ihre aktive Laufbahn und sammelte bis 2004 als Trainerin des 1. FFC reihenweise Titel. An der Gründung des 1. FFC Frankfurt hatte sie entscheidenden Anteil und wurde auch Präsidentin des Clubs. Seit 15 Jahren ist Monika Staab als Entwicklungshelferin in Sachen Frauenfußball weltweit unterwegs.

In den 70er Jahren taucht in den Reihen der Lady-Kickers noch ein anderer Name auf, der heute allerdings ausschließlich mit Handball verbunden wird: Hanne Koch. Und die spielte im Achtelfinale um die Deutsche Meisterschaft 1978 gegen Meteor Berlin (1:0 und 2:0 für die Kickers) eine außergewöhnliche Rolle. Die OFFENBACH-POST schrieb damals von den „zwei Tricks des Trainers Kohls“. Bis zur 42. Spielminute stand Hanne Koch im Rückspiel vor 900 Zuschauern auf dem Bieberer Berg im Tor und hielt ihren Kasten sauber. Dann beorderte sie Karl-Heinz Kohls in den Angriff, wo sie einen Foulelfmeter erzwang, der zum 1:0 genutzt wurde. Nach dem 2:0 kehrte Koch zwischen die Pfosten zurück, „Shorty“ Hauptvogel hatte sie dort vertreten. 1979 entschied sich Hanne Koch endgültig für eine Karriere als Handball-Nationalspielerin, wurde eine der überragenden Spielerinnen ihrer Zeit und mit dem PSV Grünweiß Frankfurt 1981 Deutscher Meister.

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