Doch neues Fundament für die Containerschule

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Na, da hat sich aber etwas getan... Nur 48 Stunden liegen zwischen den Aufnahmen. Am Dienstag liegen noch an die hundert Betonklötze in unterschiedlichen Maßen auf dem ehemaligen Pausenhof der Beethovenschule.

Offenbach ‐  Gut. Ludwig van, Namenspatron der Beethovenschule, ertaubte frühzeitig. Dennoch hätte er wahrgenommen, was an „seiner“ Schule im Offenbacher Süden passiert. Schließlich war der große deutsche Komponist nicht blind. Von Martin Kuhn

Was die Verantwortlichen vor zwei Tagen beschwichtigend zum Baufortschritt des in öffentlich-privater Partnerschaft vorangetriebenen Projekts der Redaktion in den Block diktieren, erbost Anwohner: „Das stimmt nicht!“ Tja, da haben die Ansprechpartner wohl eher – formulieren wir es einmal so – das große Ganze im Blick. Und das schärft nicht immer das Auge fürs Detail.

Die Geschichte der Beethovenschule hat möglicherweise die Verantwortlichen vorsichtig gemacht. Experten registrierten bereits vor 20 Jahren Setzungen am Schulbau im Musikantenviertel; als Ursache wird 1990 „eine ungleichmäßige Konsistenz des Bodens“ angeführt. Im Grunde dürfte sich bis heute nichts geändert haben. Das erklärt vielleicht auch die „unterschiedlichen Auffassungen zur Statik“ für die Containerschule. Daher heißt es jetzt für den beauftragten Subunternehmer: alles neu machen.

Jetzt sind sie weg. Ein Kranwagen wuchtet neue, massivere Platten an deren Stelle (unten). Anwohner und Pädagogen sprechen bereits von einem Schildbürgerstreich.

Auf der Baustelle sind inzwischen nahezu alle Betonquadrate (Maß bis zu 80x80 Zentimeter) wieder entfernt. Arbeiter haben den Untergrund mit viel Splitt erneut in die Waage gebracht. Mit einem Kranwagen platzieren sie nun größere Platten (2x1,50 Meter groß, 20 Zentimeter stark), diese tragen auf anderen Baustellen etwa Kräne. Tragfähigkeit: „Ungefähr doppelt so viel wie die erste Lösung“, sagt ein Arbeiter, der nicht genannt werden möchte. Ist das notwendig? „Wir machen’s.“ Eine mehr als zweideutige Antwort. Auf jeden Fall ist der neue Untergrund nicht bis zum Montag bereitet. Am 15. November sollten die ersten Container stehen. Ein paar Meter weiter heißt es da nur: „Ach, es wurden eh schon zwei Termine verschoben...“

Um es deutlich zu sagen: Es ist nicht schlimm, wenn das Fundament nachgebessert wird. Im Gegenteil: Es geht schließlich um die Sicherheit von gut 350 Kindern. Fragwürdig sei allerdings eines, gibt ein Beobachter zu bedenken: „Die Verantwortlichen tun so, dass jetzt alles in Ordnung ist und bleiben nicht bei der Wahrheit. Was erwartet uns dann erst in der Zukunft?“ Viel interessanter dürfte sein, wer für die unterschiedlichen statischen Sichtweisen oder Berechnungen bezahlt. Denn es ist nicht allein mit einem neuen Untergrund getan. Die unterschiedlichen Container – jeweils gut 2,5 Tonnen schwer – sind bereits fertig und müssen zwischengelagert werden. Der Transport mit gut hundert Tiefladern im 30-Minuten-Takt ist ebenfalls storniert und neu zu terminieren. Ebenso alle Folgearbeiten: Dämmung, Elektrik, Sanitäranlagen. Bei den heutigen engen Terminen und Fristen dürfte das alles knapp werden – und kostspielig. Trotzdem sind alle Kritiker sicher: Hochtief übergibt den Neubau zum vereinbarten Termin.

Aufs politische Nachspiel vor und im Offenbacher Superwahljahr 2011 darf man indes gespannt sein – gerade was den ursprünglich geplanten Verkauf von Schulgelände oder die Fällung von Bäumen an der Beethovenstraße betrifft. „Wir gehen davon aus, dass stets größtmögliche Rücksicht auf den Baumbestand genommen wird, genauso wie es die Anwohner fordern. Alles andere würde erhebliche politische Verwerfungen auslösen“, sagt Brigitte Koenen. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende bestätigt ausdrücklich, dass die Grünen einen Teilverkauf des Schulhofs zum Zwecke der Veräußerung und Bebauung strikt ablehnen – das gelte vor und nach der Kommunalwahl. „Für die grünen Kandidaten gilt dies explizit als nicht verhandelbare Position“, betont Koenen.

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