Neuer Glanz für triste Notwendigkeit: Lokale Museen schmücken Abluftschächte der S-Bahn

Domina wirbt an der Berliner

Der graue Betonklotz ist hinter Werbung für Offenbacher Museen verschwunden und nachts auch noch angestrahlt. Foto: Georg

Offenbach (mad) - Pfiffige Idee, um etwas mehr Abwechslung ins mitunter triste Stadtbild zu bringen: Auf den drei großen Abluftschächten über dem S-Bahn-Tunnel in der Berliner Straße werben künftig überdimensionale Exponate für Offenbacher Museen.

Die garagengroßen Luftstutzen befinden sich an der Station Kaiserlei gegenüber der ehemaligen KWU, vor dem Cinemaxx am Ausgang des Bahnhofs Ledermuseum und über der Haltestelle Marktplatz vor dem Neubau der Sparkasse.

Weil die kalten und oft mit Graffiti beschmierten Beton-Schächte seit dem Tag ihrer Fertigstellung „ein beliebtes Schimpfthema in Offenbach waren“, wie Stadtsprecher Matthias Müller formuliert, und sie so gar nicht zur Offenbacher Schmuckallee, der Berliner Straße, passten, habe man sich zu dem Projekt entschlossen.

Angepackt wurde es von der Offenbacher Stadtinformationsgesellschaft (OSG), deren Geschäftsführer Müller ist. 60000 Euro hat das ganze gekostet, 40000 steuerten die beiden Sponsoren, die Sparkasse Offenbach und die EVO bei. Deren Vorstandsvorsitzende, Guido Braun und Michael Homann, durften denn auch am späten Dienstagabend zusammen mit Oberbürgermeister Horst Schneider zur offiziellen Vorstellung die Beleuchtung einschalten, die künftig die Freiluftgalerie anstrahlt.

Gestaltet hat die Motive auf der Außenhaut der Schächte die Offenbacher Künstlerin Agnes Stockmann. Weil die Museen zunehmend dem Konkurrenzdruck anderer Freizeitangebote ausgesetzt seien, erläutert die Künstlerin ihr Konzept, habe man die Museen selbst exponiert. Stockmann: „Jeder möge sich angesprochen fühlen, einmal hineinzugehen ins Museum.“

Sie beschränkt dabei die Auswahl der Motive auf wenige Exponate, die typisch sind fürs jeweilige Museum sind. Napoleons Depeschen-Tasche, ein in Kroko verkleidetes Kofferradio und eine in Leder gewandete Domina werben neben anderen Ausstellungsstücken für das Deutsche Ledermuseum. Farbige Lithographien, die Georg Trakls Abendland illustrieren, ein japanisches Schriftzeichen und Rudolf Kochs Symbol für „Body, Mind und Soul“ stehen für das Klingspormuseum. Auf das Haus der Stadtgeschichte weisen Goethe und Lili als Zinnfiguren, eine Lithographie des Musikverlags André sowie das d´Orvillsche Puppenhaus hin.

OB Horst Schneider gerät angesichts der neuen Freiluftgalerie ins Schwärmen: „Die gut befahrene Berliner Straße ist ein idealer Ort, um unsere Schätze selbstbewusst zu präsentieren. Offenbach hat einzigartige Museen, die eng mit der Geschichte der Stadt verbunden sind. Die variable Beleuchtung wird in den Nachtstunden hier neue Akzente setzen“.

Alle drei Schächte werden nachts aus LED-Leisten angestrahlt. Die Anlage kann das Licht farblich variieren, so dass immer neue Effekte möglich werden. Matthias Müller verspricht: „Wir werden gemeinsam mit der Stadtplanung in den nächsten Monaten sicher noch einige Varianten der Illumination testen“.

Die OSG, so Müller weiter, begleite das Thema Abluftschächte seit dem Tag ihrer Installation vor mehr als zehn Jahren. Die ursprünglichen Pläne, diese als hochwertige Werbetürme zu gestalten, seien an den Kosten gescheitert. „Es gab einen Gestaltungsvorschlag von der Uni in Darmstadt, den wir gemeinsam mit der Stadtplanung beauftragt hatten, der an exponierter Stelle ein Zeichen gesetzt hätte.“ Später sei es gelungen, den Schacht vor der Sparkasse als Bus zu verkleiden. Für die beiden anderen Stellen hätten sich keine Interessenten gefunden.

Die nun umgesetzte nicht-kommerzielle Lösung sei erst mit der Übernahme der Vermarktung der Schächte durch Ströer Deutsche Städtemedien von der Deutschen Bahn AG möglich geworden. OSG-Chef Müller: „Die jährliche Pachtzahlung ist jetzt tragbar“.

Das Projekt ist auf fünf Jahre ausgelegt. Matthias Müller rechnet damit, dass die Farben etwa solange kräftig strahlen. „Es hat lange gedauert, bis meine kleine Gesellschaft das Projekt stemmen konnte“, sagt er. Ausdrückliches Lob für die Unterstützung bekommen von ihm die Ämter für Stadtplanung und Bauaufsicht sowie die Künstlerin Agnes Stockmann.

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