Dominik Imeraj gründete Junges Offenbach

Politik hat kein Mindestalter

+
Zentrale der Wählergemeinschaft JO: Im Jugendbildungswerk an der Berliner Straße treffen sich Dominik Imeraj und seine Mitstreiter wöchentlich, um sich zu besprechen und Ideen zu entwickeln.

Offenbach - Junge Leute interessieren sich nicht für Kommunalpolitik? Wir treffen uns mit Nachwuchspolitikern, die auf den Listen für die Kommunalwahl zu finden sind. Wir fragen sie, was ihnen wichtig ist und wie sie ihre Generation erreichen möchten. Von Julia Radgen 

Im ersten Teil unserer Serie: Dominik Imeraj von Junges Offenbach (JO). Wer sich mit keiner Liste auf dem Wahlzettel identifizieren kann, muss in der Regel einen Kompromiss eingehen oder wird zum Protest- beziehungsweise Nichtwähler. Doch es gibt eine weitere Möglichkeit – seine eigene Wählergemeinschaft gründen. Genau das tat Dominik Imeraj, der mit dem Verein Junges Offenbach zur Kommunalwahl antritt. „Die Prioritäten der etablierten Parteien sind einfach andere als meine“, erklärt Imeraj. Das Stadtparlament setze zu wenig für die Offenbacher Jugend um, findet der 22-Jährige. Zwei konkrete Projekte liegen ihm besonders am Herzen: Ein Kulturpass für junge Leute sowie ein Jugendcafé mit kulturellen Veranstaltungen und ohne sozialpädagogische Betreuung. „Ein Rückzugsort für Jugendliche fehlt in der Stadt“, meint der Politik- und Romanistikstudent zu Letzterem.

Den Antrag auf einen Kulturpass, der auch finanziell schwächeren Familien günstigen Eintritt in Kulturstätten ermöglicht, hatte Imeraj schon 2012 ins Stadtparlament eingebracht, damals als stellvertretender Vorsitzender des städtischen Kinder- und Jugendparlaments. „Es gab Zustimmung für meinen Antrag, aber dann ist das Projekt im Sande verlaufen“, beklagt der junge Mann. Insgesamt zehn Jahre lang engagierte sich Imeraj in der Offenbacher Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche. Er findet: „In unserem Stadtparlament fehlt ein Sprachrohr für Kinder und Jugendliche.“ Auch wenn Anliegen wie der Kulturpass bisher scheiterten, ist Imeraj überzeugt, dass sich seine Ideen umsetzen lassen – nicht nur auf dem Papier.

Alles zur Kommunalpolitik in Offenbach

Zusammen mit seinem besten Freund Christopher Paul, der heute stellvertretender Vorsitzender von JO ist, kam er in der Oberstufe an der Albert-Schweitzer-Schule auf die Idee, die Wählervereinigung zu gründen. „Es gibt kein Mindestalter, um etwas zu bewegen“, meint er. Bei der politischen Farbe entschied man sich für Blau. „Die gab es noch nicht.“ Im Herbst 2014 formulierten sie ihre Satzung, im Dezember gründete sich die Wählergemeinschaft auf der Kinder- und Jugendfarm, in deren Vorstand Imeraj auch ist. Die Initialen JO in einer Eichelfrucht auf blauem Grund, eine Anspielung aufs Stadtwappen, werben für die im doppelten Sinne jüngste Listenoption der Offenbacher. „Ich bin stolz, dass wir die 142 Unterstützerunterschriften schnell bekamen“, sagt Imeraj. Freunde und Bekannte unterstützen sein Projekt, seine Schwester und Mutter kandidieren ebenfalls für JO. Jugend ist keine Voraussetzung, um Mitglied zu werden: „Jeder, der sich mit unseren Zielen identifiziert, ist willkommen.“

Wöchentlich treffen sich die Jungen Offenbacher im Jugendbildungswerk an der Berliner Straße. Die politische Arbeit lasse sich mit dem Studium gut verbinden, meint der Vorsitzende. 19 Mitglieder und Kandidaten hat das Junge Offenbach. „Das Internet ist für uns ein gutes Mittel zur Öffentlichkeitsarbeit.“ Die Spitzenkandidaten von JO sind alle männlich, was im sozialen Netzwerk Facebook für einen kleinen Eklat sorgte. Imeraj sieht’s gelassen: „Klar gibt es da noch Spielraum, aber wir haben ja weibliche Kandidaten.“ Außerdem ergänzt Imeraj, dessen Vater aus dem Kosovo kommt: „Dafür haben wir drei Migranten in unserer Top Fünf.“ Mit dieser Quote steche seine Wählergemeinschaft heraus, findet er.

„Wir haben eine Außenseiterrolle, aber wir sind keine Spaßpartei“, stellt Imeraj klar. Naivitätsvorwürfe entkräftet der Student schnell: „Ich kenne den politischen Entscheidungsapparat und die Parteienlandschaft hier durch meine Arbeit beim Jugendparlament.“ Dass die Stadt kein Geld habe, sei ihm auch klar; er glaubt aber, dass wichtige Maßnahmen nicht unmöglich zu finanzieren sind. „Die Stadt muss Jugendlichen Perspektiven aufzeigen“, sagt Imeraj. Denn dann hätten junge Offenbacher auch wieder Grund, stolz auf ihre Heimatstadt zu sein.

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Kommentare