Don-Juan-Geschichten aus Japan

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Prinz Genji linst durch den Zaun, um einen Blick auf eine seiner Geliebten zu erhaschen. Der liebestolle Prinz am japanischen Kaiserhof schrieb sich mit den Damen, die vor den Männern meist verborgen blieben, verschlüsselte Liebesbriefe.

Offenbach ‐ Casanova oder Frauenheld würde man ihn heute nennen. Don Juan oder Herzensbrecher. Und dennoch galt Prinz Genji vor etwa 1000 Jahren als Idealbild eines Mannes. Von Katharina Platt

Beschreibt ihn seine Schöpferin, die Autorin Murasaki Shikibu, doch als weichherzig, rücksichtsvoll und gebildet. Mit Poesie wickelt Genji die Damen der höfischen Gesellschaft um den Finger und stürzt sich von einem Liebesabenteuer ins nächste. Seine spannende Geschichte, die gespickt ist mit Liebe und Intrigen, illustrierte die Oshie-Meisterin Yoko Nakumara zum 1000. Jubiläum des Romans im Jahr 2008. Ihr Arbeiten präsentiert das Ledermuseum ab Sonntag, 25. April, in einer Sonderausstellung. Es ist das erste Mal, dass die Bilder in Europa ausgestellt werden.

Oshie sind reliefartige Stoffbilder, die durch Detailtreue und ihre Räumlichkeit ins Auge fallen. Yoko Nakamura fertigte die 54 Exponate mit den Mitgliedern ihrer Werkstatt Sainokai an. Die Künstlerinnen orientieren sich an Vorlagen aus dem 18. Jahrhundert. Von Entwürfen werden Kopien angefertigt und daraus Pappmodelle geschnitten. Das Bild trennt sich in mehrere Einzelteile. Die Elemente werden mit Watte gepolstert und mit feinen Seidenstoffen oder Blattgold überzogen.

Die Figuren, die Szenen des Romans darstellen, erinnern an Puppen. Man möchte sie berühren, so edel und zart wirken ihre Gewänder. Feine Linien zeichnen ihre Gesichtszüge, schimmernde und farbenfrohe Stoffe verhüllen ihre Körper. Jede Figur ist ein Kunstwerk für sich. Filigrane Blüten, originalgetreue Musikinstrumente oder seidene Vorhänge runden die einzelnen Bilder ab. Das 2000 Seiten starke Werk, das als der älteste Roman der Weltliteratur gilt, stammt aus der Feder einer Hofdame. Murasaki Shikibu galt als besonders gebildet. Sie entwickelte am Hof eine eigene Sprache und las sowohl japanische als auch chinesische Literatur.

„Das ganze ist sehr psychologisch geschrieben“, sagt Museumsleiter Dr. Christian Rathke. Und auch poetisch. Die Geliebten des Prinzen sterben nicht selten an Kummer oder Leid und auch er selbst stirbt wegen eines gebrochenen Herzens. „Das Motiv, das sich durchgängig durch die Geschichte zieht, lautet: Je schöner etwas ist, desto schlimmer wäre sein Verlust“, erläutert der Museumschef.

Die Seidenreliefs, die bereits 2007 und 2008 im Haupttempel in Kyoto ausgestellt wurden, sind schon am Samstag, 24. April, während der Nacht der Museen zu bewundern. Von 19 bis 2 Uhr lädt das Museum zur „Japanischen Nacht“ mit Taiko-Trommlern, Schleierfächertanz und japanischen Köstlichkeiten. Zur eigentlichen Eröffnung am Sonntag erwartet Rathke den Generalkonsul Japans, Toyoei Shigeeda, und die Künstlerin Yoko Nakamura. Sie wird die Herstellung der Seidenbilder demonstrieren. Im Anschluss folgt eine japanische Teezeremonie. Los geht’s um 11.30 Uhr.

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