Ein doppelter Durchbruch

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Aus vier mach drei: Der vordere Platz im Bürgeler Tenniszentrum weicht einer Kegelbahn und einem Gymnastikraum.

Offenbach ‐  Sportbüroleiter Jürgen Weil hat ausgereifte Pläne: Die nächsten Stadtmeisterschaften im Hallenfußball pfeift der Referee in der neuen Bürgeler Sporthalle an. Das verkündet er nach dem diesjährigen Finale.  Von Martin Kuhn

Die Verantwortlichen der TSG Bürgel, die als Bauherr mit Geld der Kommune, des Landes und des Bundes auftreten, vernehmen es wohlwollend. Signalisieren die Sätze doch, dass die Stadt Offenbach, allen voran Oberbürgermeister Horst Schneider, weiter zum 3,7-Millionen-Projekt steht.

Vorsitzender Rolf-Dieter Elsässer zeigt in der Tennishalle auf den Durchbruch, der mit handelsüblichen Ausbau-Platten verkleidet ist, aber bildlich auch als solcher für den Verein und die gut 1200 Mitglieder anzusehen ist: Der Um- und Neubau an der Rumpenheimer Straße soll Heimstätte für den Nachwuchs der zehn Abteilungen werden und der TSG zudem neue Mitglieder bescheren. Obwohl bereits im Dezember Staub aufgewirbelt wurde, folgte nicht der offizielle Fototermin: „Da gab’s nichts groß zu feiern...“ Ein gutes Stück Untertreibung? Schließlich fasst Elsässer Ziele zusammen: „Impulse für den Breitensport, Förderung des Schulsports.“ Ganz klar: Unter anderem profitiert die benachbarte Ernst-Reuter-Schule vom neuen Sportzentrum im Nordosten der Stadt.

Tennisplatz macht Platz für Kegelanlage

Während Tennislehrer Hatem Soukni mit Jugendlichen verschiedene Schläge übt, erläutern Elsässer und 2. Vorsitzender Helmut Schmidt die nächsten Maßnahmen im so genannten ersten Bauabschnitt, „die wenig außenwirksam sind“. Der erste der vier Hallenplätze macht Platz für das Fundament der künftigen Kegelanlage. Die interne Umrechnung: Ein Tennisplatz entspricht sechs Kegelbahnen. Die werden räumlich abgetrennt mit einer massiven Mauer, danach ziehen Firmen eine Zwischendecke ein für einen Gymnastik- und Gesundheitsraum. Wichtig: Die restlichen drei Tennisplätze bleiben unberührt und in ihrer jetzigen Form erhalten. „Allerdings wird auch dieser Teil energetisch verbessert“, sagt die Vereinsspitze. Die Arbeiten werden bald ausgeschrieben, danach die Angebote gesichtet und Aufträge vergeben - möglichst noch im März.

Erst im zweiten Bauabschnitt folgt das eigentliche Bürgeler Kernstück, der Bau einer modernen Drei-Felder-Sporthalle samt ausfahrbaren Zuschauerrängen. Geschätzte Bauzeit: sechs Monate. Also alles klar für den Anpfiff der Stadtmeisterschaften im Januar 2010? „Ja, davon gehen wir fest aus“, bekundet Rainer Lehmann, Vorsitzender des TSG-Fördervereins und eines von fünf Mitgliedern des internen Bauausschusses. „Viele, auch im Verein, warten darauf, dass sich bei uns etwas sichtbar tut.“ Seine Zuversicht begründet er: „Die Hauptarbeit liegt in einer guten Planung. Das spart Zeit und Geld. Die Umsetzung ist dann eigentlich die kürzteste Phase.“

„Wir brauchen einen Strukturwandel.“

Aber da war doch was... Richtig. Auf Drängen der Nachbarn musste der Bebauungsplan 131 A und das städtebauliche Konzept noch einmal überarbeitet werden. Die Stadt trägt damit dem Lärmschutz der Anwohner mehr Rechnung. „Das war nicht gerade erfreulich und hat uns etwas zurückgeworfen“, bedauert der Vorstand, „am Grundkonzept hat sich jedoch nichts wesentliches geändert und verursacht auch keine Extra-Kosten bei der Bauausführung.“ Das betrifft unter anderem die Hauptandienung der Anlage. Sportler und Besucher steuern mit ihren Fahrzeugen über den künftigen Mainzer Ring das Sportzentrum an.

Auf neue Wege begibt sich mit dem Sportstättenbau gleichfalls die Kommune. Auf dem ehemaligen Tambour-Areal entwickelt die Stadtwerke Holding die Anlage „Wiener Ring“, in Bürgel befindet sich das Projekt in Vereinsregie. Die Vorteile: Während die öffentliche Hand nach VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) ausschreiben müsse, habe ein Verein da etwas mehr „Spielraum“. Zudem könnten so andere Fördertöpfe angezapft werden. Dass das durchaus Beispiele gibt, wo das gut funktioniert hat, begutachteten die TSG-Verantwortlichen in der weiteren Umgebung - etwa in Darmstadt oder in Walldorf.

Die TSG hat unter anderem die Kosten für den Vorentwurf und mehrere 100 Stunden ehrenamtlicher Arbeit zu tragen. Nichtsdestotrotz bindet sich die TSG ein Risiko ans Bein. Das ging einmal beinahe schief. Der Verein schlitterte 2008 nur mit Hilfe von Kommune und städtischer Sparkasse an der Insolvenz vorbei. Da war klar: „Wir brauchen einen Strukturwandel.“ Mit dem Hallenbau soll der endgültig geschafft werden.

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