„Dr. Tod“ hadert mit Stadt

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Nun regt sich Plastinator „Dr. Tod“ Gunther von Hagens auf. Über die Stadt: Die verbiete öffentliche Plakat-Werbung für seine Ausstellung, klagt er per weit gestreuter Pressemitteilung.

Offenbach (vs/tk) ‐ Für moralische Aufregung hat die Ausstellung „Körperwelten“ schon ausreichend gesorgt. Nun regt sich Plastinator „Dr. Tod“ Gunther von Hagens auf. Über die Stadt: Die verbiete öffentliche Plakat-Werbung für seine Ausstellung, klagt er per weit gestreuter Pressemitteilung.

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Sein Pressesprecher Alexander Reinhard weist auf die aus seinem Blickwinkel nach offenere Nachbarstadt hin: „Hier erlaubt man uns das Plakatieren nicht, während es in der Metropole Frankfurt reibungslos klappt.“ Sein Chef geht noch weiter in seiner Kritik, mutmaßt Grundsätzliches und adelt seine Schau. Eine „Veranstaltung, die nachweislich das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung verbessert“ werde von Offenbachs Politikern torpediert. Diese wendeten sich „gegen die Interessen bildungsbereiter Bürger“.

Sollte es tatsächlich im Rathaus Vorbehalte gegen das Leichen-Spektakel in der Goldpfeil-Halle geben, dann waren sie nicht der offizielle Grund für die Werbe-Verweigerung. Von Hagens ist vielmehr schlicht Opfer einer städtischen Satzung. Sein Plakatier-Antrag bezog sich auf die hundert metallenen Dreiecks-Ständer, die von der Stadt besonders an Kreuzungen aufgestellt werden. Und die sind nur für spezielle Veranstaltungen vorgesehen. „Unsere festen Plakatierungsrichtlinien besagen, dass auf diesen Ständern nur noch kulturelle Veranstaltungen der Stadt und der örtlichen Vereine angekündigt werden dürfen“, sagt Stadtsprecher Matthias Müller. In dieses Raster passe von Hagens‘ kommerzielle Leichen-Schau nun mal nicht.

Plastinat-Poster von Gartenzäunen entfernt

Anders sieht es bei den vermarkteten öffentlichen Plakaten aus. Die Firma „Ströer Deutsche Städte Medien“ verkauft die Flächen. Auf diesen dürfen die „Körperwelten“ auch weiterhin in Offenbach für sich Werbung machen. Richtungspfeiler am Kaiserlei, die den Weg zur Ausstellungshalle K39 an der Offenbacher Kaiserstraße weisen, sind ebenfalls rechtens.

Soll an Zäunen von Privatgrundstücken geworben werden, sind zwei Genehmigungen notwendig: die der Stadt und der Eigentümer. Dass Offenbachs Ordnungsamt dieser Tage Plastinat-Poster von Gartenzäunen entfernte, soll indes nichts mit der Stadt zu tun gehabt haben. Laut Müller haben sich die Eigentümer der Einfriedung an die Behörde gewandt, weil sie vor der Dekoration ihres Anwesens nicht gefragt worden sind.

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