Drachenbootregatta

Wasser von oben und unten

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Mit voller Kraft voraus: Wer ein echter Drachenbootpaddler ist, lässt sich von Regengüssen nicht beeindrucken.

Offenbach - Eigentlich ist Wasser ihr Element. Zumindest wenn es sich zu Genüge unter dem Kiel befindet respektive durch schnelles Paddeln aufgewühlt ins Gesicht spritzt. Von David Heisig

Das fast kontinuierlich am Samstag über Offenbach hernieder gehende Regenwasser passte den Drachenbootfahrern am Main nicht so in den Kram. Immerhin war die 15. Drachenbootregatta des Offenbacher Rudervereins (ORV) angesetzt. Zum Glück sind Drachen hart im Nehmen. So ist schon von weitem das monotone Trommeln der Anheizer auf den Booten und das gegenseitige Anfeuern der Sportler zu hören. Die martialisch anmutenden Drachenköpfe am Bug der Boote machen es deutlich: Da wird um jeden Zentimeter gekämpft.

Der Blick ins Bootslager auf dem Vereinsgelände des ORV gegenüber dem Isenburger Schloss zeigt aber auch: Drachenbootfahrer sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Gemeinsam wird mitgefiebert. Dort wird über Material und Taktik diskutiert. Hier wärmen sich die Mühlheimer Bembel für das nächste Rennen auf.

Zwei Dinge gilt es klarzustellen

Zwei Dinge gilt es klarzustellen: Drachenbootfahrer sind alle per du. Daher bestehen Werner vom Betriebssportverband Hessen und Moritz vom Fluggi-Team auch auf die Anrede mit Vornamen. Man kennt sich in der Szene, hat ein Thema, das verbindet. Da wird schon mal ausgeholfen, wenn in einem anderen Team Not bei der Bootsbesatzung herrscht. Zudem wird gepaddelt, nicht gerudert. „Der Ruderer sieht die Kneipe erst, wenn er vorbei gefahren ist“, witzelt Moritz lachend. „Der Paddler fährt auf sie zu“, ergänzt Werner schmunzelnd. Hinter dem Witz versteckt sich ein sportlich wichtiger Hintergrund: „In unserem Boot ist es der Spaßfaktor. Wir sind alle zusammen, müssen im Gleichklang fahren, dann macht es Spaß“, sagt Werner. „Im Gegensatz zum Ruderboot ist der Unterschied, dass man nebeneinander sitzt“, ergänzt Moritz.

Drachenbootfahren ist somit eine große Teamleistung. Paddler bewegen zudem das Paddel frei durch die Luft, während es beim Rudern fest am Boot montiert ist. Die Sportler betonen, das sei technisch etwas ganz anderes. Ursprünglich stammt der Sport aus China. Attribute wie Stärke, Ausdauer und Mut, die mythische Drachen ausmachen, kann der Aktive auch im Drachenbootsport gebrauchen. Seit 2300 Jahren wird er betrieben, kam vor ein paar Jahrzehnten nach Deutschland. „Einzelkämpfer können dabei nichts erreichen“, ist aus den Reihen zu vernehmen.

Zwei Wettbewerbe werden ausgefahren, Sport- und Hobbycup. Hobbypaddler treten nur bei Regatten an. Das kann aber ein ganz schön straffes Jahresprogramm bedeuten. Sportteams trainieren jede Woche. Jedes Boot ist mit 18 Leuten besetzt.

Drachenboote auf dem Main

Drachenboote auf dem Main

Hinzu kommt ein Trommler, der Motivator ist und den Paddelschlag der ersten Reihe, der Schlagbank, übernimmt. Und ein Steuermann. Der ist in einem Kurs für das Drachenboot ausgebildet. Immerhin gilt es, ein fast zwei Tonnen schweres Boot zu dirigieren. Hinzu kommt, dass auf einem offenen Gewässer wie dem Main die Schifffahrtsregeln zu beachten sind. „Der Steuermann hat die Verantwortung für das Boot“, bringt es Werner auf den Punkt.

Kurz vor der Regatta gab es drei Absagen, so dass 20 Teams an den Start auf die Strecke gingen. „Das sind alles bekannte Vereine. Teilnehmer, die schon Jahre dabei waren, und neue Vereine werden angeschrieben“, erläutert Veranstalter Walter Ruwe. Jedes Boot sammelt in drei Rennen Punkte. Die Mannschaften mit den meisten Punkten bestreiten die Finalläufe. „Zwischen 250 und 300 Meter sind das. Das weiß keiner so genau“, benennt Moritz die zu absolvierende Streckenlänge lachend. 300 Meter stehen in der Ausschreibung. Bei offiziellen Rennen muss es auf den Meter genau sein.

Der ORV sieht das nicht so eng. Am Ende bewältigen im Sportcup die Lahndrachen die Strecke am schnellsten, gefolgt vom Kanuclub Rheinau und den EVO-Mainsprintern. Bei den Hobbypaddlern gab es zwei erste Plätze: IPA-Dragons und Hot Dragons belegten sie. Dritte waren die Siemens Power Dragons.

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