Drachenbootregatta

Erfolgreich zum Sieg gebrüllt

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Wenn es auf die letzten Meter des Rennens geht, gewinnen auch die Amateurpaddler bei der Drachenbootregatta des Rudervereins ordentlich Ehrgeiz.

Offenbach - Im ersten Rennen stimmt alles, die Offenbeach Main Dragons gewinnen mit zwei Längen Vorsprung ihren Lauf. Von Stefan Mangold

Als die städtischen Angestellten aber drei Stunden später zum zweiten Mal antreten, belegen sie hinter den Dragon Flys aus Langen und den EPO-Paddel-Optimisten aus Eddersheim den letzten Rang. Wobei zumindest die EPO-Paddler einen besonderen Schub an Motivation bekommen hatten – vor dem Start rief ein Mannschaftsmitglied die anderen auf: „Macht bitte schnell, ich muss dringend aufs Klo. “.

Zum 14. Mal veranstaltete gestern der Offenbacher Ruderverein 1874 anlässlich seines Familienfestes eine Drachenbootregatta an seinem Bootshaus auf der Fechenheimer Seite. Im vergangenen Jahr war Walter Ruwe, Mitglied im Vorstand und Hauptorganisator der Regatta, morgens leicht vergrätzt gewesen. Kurz vor Beginn hatten zwei Mannschaften abgesagt und den Rennplan über den Haufen geschmissen. „Heute sind alle da.“ Insgesamt treten 21 Mannschaften mit je 18 Paddlern an.

Impressionen von der Drachenbootregatta

Drachenbootregatta

Eine Zahl, die nicht bei jedem Team ankommt. In der Kategorie Betriebssportmannschaften, also jener, bei der die Sportler schon etwas länger immer mal wieder zusammen im Boot sitzen, steigt das Team der Drachenpost aus Frankfurt mit 20 Männern und Frauen ein, was die Wettkampfrichter erst hinterher bemerken. Einer Entscheidung am Grünen Tisch bedarf es dennoch nicht. Auch mit nummerischem Vorteil belegen die neu formierten Postangestellten den letzten Platz.

So ergeht es letztlich auch der Offenbacher Stadt-Truppe in ihrem zweiten Lauf. Dabei hat Frank Weber, der stellvertretende Leiter des Ordnungsamts, vorher legale leistungssteigernde Mittel in Form von Traubenzucker verteilt. Geholfen hat es nichts. „Uns ist es gelungen, den Gegner erfolgreich vor uns herzutreiben“, analysiert Weber das Geschehen. Dann geht er in die Details, erzählt vom nicht ganz optimalen Start, von der Bratwurst in der Pause, die dem einen oder anderen quer im Magen gelegen haben könnte, von der dritten Bahn, auf der seine Offenbeach Maindragons hatten paddeln müssen: „Die Strömung ist dort nicht gut.“ Subtrahiere man sämtliche Widrigkeiten, hätte man das Rennen garantiert gewonnen. Dennoch verleidet die Niederlage den Bootsinsassen keineswegs die Stimmung. Sie widmen sich in der nächsten Rennpause wieder dem Boule-Spiel mit Miniaturkugeln.

„Wir müssen alles selbst bezahlen und organisieren“

Trotz aller Lockerheit fällt der Ehrgeiz auf, den die Hobbysportler entwickeln, wenn es auf den letzten Metern um die Wurst geht. Dort sieht es einmal so aus, als könnte es RazFaz aus Wertheim noch gelingen, Mainova Blue Energy im Finish abzufangen. Die haben jedoch die 15-jährige Jacqueline Wetzstein an der Schlagtrommel. So wie sie ihr Team nach vorn brüllt, traut sich keiner, die Führung noch abzugeben.

Auf dem Bootssteg zieht Baris Atas die Drachenboote heran und passt auf, dass die Teilnehmer gefahrlos ein- und aussteigen. Und seine Vereinskollegen vom ORV zeigen sich als freundliche Gastgeber, indem sie den letzten Platz bei den Freizeitteams belegen.

Besser punktet ein Team, das Stammgäste des Speyerecks gegründet haben. Die Offenbacher Gastwirtschaft steht im Ruf, geschmackvolle Hähnchen zu servieren, weshalb sich die Mannschaft Chickendragons nennt. Blanca Kröll betreut die Paddler unter Teamchef und Steuermann Dieter Döll vom Rand aus. Ihre Rennmöglichkeiten sind jedoch begrenzt. Ein Arbeitgeber oder Verein steht nicht hinter ihnen. „Wir müssen alles selbst bezahlen und organisieren.“ Was den Zusammenhalt stärkt, „zum Training bei der SG Wiking kommen immer alle“.

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