„Zai Tung“ und Co. auf dem Main

Dragon-Cup: Wo Teamwork Trumpf ist

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In ihren gelben Leibchen legen sich die Leser der Offenbach-Post ins Zeug. Wer das Kinderwagenalter noch nicht überschritten hat, kann immerhin als Zuschauer oder als Mannschafts-Maskottchen dabei sein.

Offenbach - Falsch gemacht, sieht es aus wie das Keulenschwingen der alten Germanen. Richtig fortbewegt, entfaltet das Drachenboot eine unwiderstehliche Dynamik, der die Konkurrenz nichts mehr entgegensetzen kann. Beides lässt sich am Sonntag am Mainufer studieren. Von Markus Terharn 

„Eigentlich geht es doch nicht ums Gewinnen“, sagt Daniel Schmitt. Für den jungen Onlineredakteur unserer Zeitung, der im Boot mit Namen „Zai Tung“ mitpaddelt, steht der Spaß im Vordergrund. Das gilt für die meisten der Teilnehmer an der zwölften Auflage des Dragon-Cups. Aber stellvertretend für viele betont Antje Pichler: „Ich will auch gewinnen!“ Die Steinheimerin mit der bunten Badekappe sitzt im Leserboot unserer Zeitung, die ihr Mann Adolf jeden Tag heimbringt. Als neu zusammengestellte Truppe starten die „Maafischer“, logisch, im Beginners-Cup. Und toller Teamgeist führt sie gleich zu einem klaren Vorlaufsieg. Da ist nach der Zielankunft erst mal Abklatschen angesagt. Beim Überqueren der Ziellinie läutet eine Glocke. Und bei Zweifelsfällen hält eine Kamera den Einlauf fest. Wer schon Erfahrung hat, startet im Sports-Cup; wer die Sache in erster Linie lustbetont sieht, ist im Fun-Cup richtig. Dagegen verzeiht der Fraport-Sprint-Cup keine Fehler: Bei einer Streckenlänge von nur 100 Metern rächt sich ein schlechter Start sofort...

Mitarbeiter der Mediengruppe Offenbach-Post paddeln sich ins Finale, wo sie sich indes – ganz knapp geschlagen – mit Platz vier zufrieden geben müssen. (Bild vergrößern)

Mit richtigem Aufwärmen fängt es an. Unterschiedliche Dehn- und Lockerungsübungen sind zu beobachten. Bei den „Sparböötchen“ hat das individuellen, bei den Lahndrachen fast tänzerischen Charakter. Besonders hohen Aufwand betreiben die Verkehrsgesellschaft Frankfurt und ihre Freunde. „Die machen ja mächtig Show“, lästert eine Passantin, deren Begleiter gar etwas von „Fernsehballett“ murmelt. „Für den Wettkampf haben die sicher keine Puste mehr“, unkt ein Beobachter, während eine Augenzeugin es „cool“ findet. Organisatorisch laufen alle Fäden im Zelt am Zieleinlauf zusammen. Dort sitzt Regattaleiter Manfred Reißmann von der SG Wiking. Mit seinem Bruder, dem SG-Vorsitzenden Detlef Reissmann, und dem sportlichen Leiter Stefan Schwarz besetzt er die Schlüsselpositionen. „Achtung, Achtung, Achtung: Es fehlt ein Steuermann. Wer Luft hat, bitte an Steg 2“, tönt seine Stimme übers Mikro.

„Alle Mann an die Bordwand: Auslauf – go!“, lautet das Kommando. Doch ohne Training, erfahrene Stegbesatzung und Bootssteuerung darf niemand aufs Wasser. Sicherheit ist nicht alles, aber ohne Sicherheit ist alles nichts. Und ohne all die Helfer bei Organisation, Auf- und Abbau oder Verpflegung der mehr als 600 Aktiven wäre diese Veranstaltung sowieso nicht zu stemmen. Das wissen die Gäste zu schätzen. Manches Team hat lautstarke Unterstützer mitgebracht. Auch viele Zufallszuschauer bleiben stehen und sehen sich ein paar Läufe an. Und da sind die, die immer da sind und für die ein Besuch der Traditionsveranstaltung Pflicht ist.

Dragon-Cup auf dem Main

Dragon-Cup auf dem Main

Dabei kann niemand früh genug anfangen, den Nachwuchs für diesen chinesischen Sport zu begeistern. Das beweist die Präsenz von Anton, gerade mal dreieinhalb Monate alt. Für eine Tätigkeit als Trommler oder Paddler ist der kleine Kerl natürlich noch viel zu jung. Als Maskottchen und Fotomotiv macht er indes bereits eine gute Figur. Derweil legt sich Mama Anke mächtig für den Stadtkonzern ins Zeug. Dessen Motto auf der Rückseite der Trikots könnte als Devise über allem stehen: „Teamwork in Offenbach.“ Neben dem sportlichen Lorbeer gilt es den Preis für das originellste Outfit zu gewinnen, gestiftet von unserer Zeitungsgruppe. Ins Auge fallen vor allem Käthes Friedensflitzer von der Käthe-Kollwitz-Schule mit ihren frisch geschlüpften Friedenstauben auf dem Kopf – Anspielung auf eine umstrittene Auszeichnung für die Berufsschule, die Wehrdienstberatern keinen Zutritt gewährt. Die Mannschaft der Firma Herbalife punktet mit einem Oberarm-Tattoo. „Das geht wieder weg“, versichert eine Mitwirkende.

Gäbe es einen Preis für den originellsten Namen, hätten die Eddersheimer Paddel-Optimisten Chancen, und das Frankforter Dorschenanner dürfte in der Nachbarstadt auf Sympathiepunkte hoffen. Bei Redaktionsschluss war die Siegerehrung noch nicht über die Bühne gegangen. Deswegen werden wir die Ergebnisse in der morgigen Ausgabe nachreichen.

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