Dragon-Cup

Guter Trommler halbe Miete

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Da schäumt das Mainwasser: Angetrieben von Trommlern und gelenkt von Steuerleuten stechen die Aktiven mit vollem Körpereinsatz ihre Paddel ein.

Offenbach - Beginners-Cup, Fun-Cup, Sports-Cup, Sprint-Cup: Beim elften Offenbacher Dragon-Cup geht es am Sonntag auch um Pokale. Im Vordergrund steht aber der Spaß für Paddler und Publikum am Main. Von Markus Terharn

.„Für den nächsten Lauf halten sich bereit auf Bahn 1 die DragonFlyS, auf Bahn 2 Frankfurter Dorschenanner, auf Bahn 3 die Chickendragons.“ Die Stimme von Regattaleiter Manfred Reißmann hallt über den Fluss. „Der Start ist geplant für 10.36 Uhr.“ Ein Blick auf die Uhr zeigt: 10.36 Uhr.

„Wir sind ein bisschen im Verzug“, räumt Reißmann ein. Grund: „Schiffsverkehr hat Vorrang.“ Erneut muss er zwei Talfahrer vorbeilassen. Einen Skuller feuert er an, zügig zu rudern, damit er nicht von Drachenbooten versenkt wird. Um 16.36 Uhr stimmt der Zeitplan wieder.

Bruder Detlef Reissmann, Vorsitzender der SG Wiking und neben Sportleiter Stefan „Blacky“ Schwarz einer der Organisatoren, zur engen Taktung der Gemeinschaftsveranstaltung mit der Stadt: „Beim ersten Mal hatten wir alle 20 Minuten einen Start, später alle 17, dann alle 15. Nun sind wir beim Zwölf-Minuten-Takt.“ 46 Teams haben gemeldet, jedes darf mehrmals ran. „Wir schicken keinen heim, bloß weil er das erste Rennen verloren hat.“

„Es kamen immer mehr Mannschaften dazu“

Wiking-Aktiver Willi Guirten erläutert: „Wir wollten alles an einem Tag über die Bühne bringen, und bei der ursprünglichen Anmeldezahl hätte das geklappt. Es kamen aber immer mehr Mannschaften dazu.“ Der markante Typ mit dem grauen Zopf ist als Steuermann im Einsatz. „Auf vier Bahnen müssen mindestens je zwei Steuerleute sein“, führt er aus. Darunter sind mehrere Frauen.

Vier Damen sind Pflicht für jede Bootsbesatzung. Dieses Kriterium erfüllt auch der „Maa-Drache“, das Leserboot unserer Zeitung. Als Kapitän fungiert Felix Reissmann, Sohn des Wiking-Chefs und zum sechsten Mal dabei. „Wir waren immer auf dem Treppchen, diesmal holen wir den Pokal“, gibt er die Devise aus. Mit 19 Jahren ist er neben Kumpel Michael Döbert der Jüngste an Bord. Sie trainieren im Fitnessstudio. Studentin Stefanie Häfner hat aus der „Offenbach-Post“ vom Leserboot erfahren und „Warum nicht?“ gedacht. „Allein wollte ich aber nicht.“ Die 20-Jährige fragte Freunde und fand ihren Vereinskameraden Benedict Weitzel (23), wie sie bei der TGS Hausen sportlich aktiv.

Unterstützung erfährt der „Maa-Drache“ im Beginners-Cup von erfahrenen Paddlern der Barrakudas. Das etablierte Team aus Mitarbeitern von MAN Roland hatte nach dem Umbruch beim Druckmaschinenhersteller Probleme, ein Boot zusammenzustellen. So verstärken Martina Robers, Joachim Ortlepp und Thomas Scharf unsere Leser, lassen das Gewicht ihres schwersten Pokals schätzen (11,8 Kilogramm) – und werben neue Mitstreiter. Interessenten melden sich unter Tel. 0157 39092907 (Dieter Meier) oder E-Mail an barrakudas.offenbach@googlemail.com.

Bei Gewitter nicht aufs Wasser

Besorgt blickt Detlef Reissmann stromaufwärts, wo die Wolken hängen. „Bei Gewitter dürfen wir nicht aufs Wasser, Regen ist einzukalkulieren“, sagt er. Setzt sich in den Bug des OP-Boots („Ein guter Trommler ist die halbe Miete“) und gibt den Takt vor. Mit Erfolg: Nach zwei Rennen stehen zwei Siege zu Buch, am Ende ist es Platz zwei.

Gewinner des Outfit-Preises unserer Zeitung sind die Hoschebäuch. Das Männerballett des 1. Sprendlinger Karneval-Vereins, angestachelt von Noch-Prinz Mario Wächtler, tritt in Nonnentracht und im Zeichen des Kreuzes an. Wer denkt, die Kutte sei hinderlich und der Ehrgeiz fastnachtlich, irrt – das Boot geht als Vorlaufsieger über die Ziellinie.

Reissmann hat’s vorhergesagt: „Die fangen immer stark an und lassen im Lauf des Tages nach“, unkt er. Der „Spaß an der Freud’“ stehe bei den meisten im Vordergrund, „aber von Klasse zu Klasse steigt der Ehrgeiz“. So wärmen sich die Sports-Cup-Kandidaten von Blue Energy geradezu professionell auf.

Bilder vom Dragon-Cup

Drachenboote auf dem Main

Zwischendurch werden verbrauchte Kalorien erneuert, wird ausgeschwitzte Flüssigkeit ersetzt. Und neben den Trophäen erwartet manche am Ende eine zusätzliche Motivation. So freuen sich die Chickendragons, rekrutiert aus dem Umfeld des „Speyer-Ecks“, bereits auf die Hähnchen von Wirt Klaus Ott.

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