Neue Broschüre bündelt Informationen, die die „Liga“ für Süchtige und Kranke, Traurige und Bedürftige hat

„Drama für einzelne Existenzen“

Schwächere Lobby, aber unbedingter Wille zum Helfen: Die „Liga“ hat eine neue Broschüre. Foto: Mangold

Offenbach - Sie müsse zugeben, sagt Sybille Stallmann-Beseler, Regionalgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, dass „die Lobby der Wirtschaft wesentlich machtvoller als unsere ist“. Von Stefan Mangold

Sonst wäre es ihr nicht gelungen, „in der Frage der Ein-Euro-Jobs einen Popanz aufzubauen“. Denn die Bundesregierung habe die Mittel für die Arbeitsgelegenheiten gekürzt, nachdem die Wirtschaft behauptet habe, Unternehmen gehe dadurch eine nennenswerte Zahl von Aufträgen verloren.

So oder so; es gibt Folgen an Ort und Stelle: „In Offenbach musste die Mainarbeit wegen der Kürzung die Hälfte der entsprechenden Stellen streichen.“ Für einzelne Existenzen „ist das ein Drama“, merkt Thomas Ruff, Geschäftsführer des Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt (AWO), an. Für viele Langzeitarbeitslose sei der Ein-Euro-Job eine „den Tag strukturierende Maßnahme gewesen“. Die Betroffenen hätten das Gefühl gehabt, gebraucht zu werden. Das sei vor allem für jene wichtig, bei denen klar sei, dass sie „aufgrund von Handicaps auf dem ersten Arbeitsmarkt wohl keine Chance mehr bekommen“.

Um die Erfahrungen von Wohlfahrtsverbänden in der täglichen Arbeit gebündelt der Politik vortragen zu können, gründete sich vor 30 Jahren die „Liga Stadt und Kreis Offenbach“. Sie besteht aus sechs Verbänden. Alle zwei Jahre wechselt der Sprecher der Liga, zu der neben den Paritätischen und der AWO auch das Rote Kreuz, der Landesverband der jüdischen Gemeinden, die Diakonie und die Caritas gehören. Sybille Stallmann-Beseler sitzt dem Verbund noch bis Dezember vor. Die Liga trifft sich regelmäßig mit Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon und Carsten Müller, Kämmerer und Sozialdezernent des Kreises Offenbach.

„Lobbyarbeit ist jedoch nicht unser einziger Zweck“, merkt Patric Dietzel vom DRK an. Es gehe auch darum, die Arbeit der Verbände zu koordinieren. Die eigene Arbeit zu straffen, sei wichtig, „weil sich Mittel aus den öffentlichen Kassen weiter verknappen“. Als soziale Dienstleister seien sie gesellschaftlich angesehen, „jedoch nicht bei allen als Anwalt der Bedürftigen“.

Das bestätigen Monika Stauder-Winter von der Caritas und Hennig Merker von der Diakonie: „Wir sehen ja vor Ort, wie sich ein Gesetz auf das Individuum auswirkt.“ Insgesamt hätten die Verbände in Stadt und Kreis 2200 Festangestellte und 300 Teilzeitkräfte. Für die fielen die Gehälter ohnehin nicht üppig aus. Die Löhne stagnierten über lange Zeiträume, „weil der Zuschuss an öffentlichen Geldern auf Jahre hinaus festgelegt wird“. Und zu den Angestellten der Verbände „kommt noch einmal die doppelte Zahl von ehrenamtlichen Helfern hinzu“, betont Thomas Ruff.

Gestern trafen sich Vertreter der Liga zu einer Sitzung im Stadtcafé im Büsingpark und stellten ihre neue Broschüre vor, die einen Überblick über die Angebote der Verbände in Stadt und Kreis verschafft. Wem vor seinem Konsum an Alkohol oder Cannabis graut, der findet die Suchtberatung des Diakonischen Werks. Wer als Migrant ein spezielles Problem hat, für den weiß Abdelkader Rafoud von der AWO vielleicht die Lösung. Die Broschüre, die Sandra Unger und Patric Dietzel vom DRK zusammenstellten, ließ die Liga in einer Auflage von 2000 Stück im Gefängnis in Weiterstadt drucken. In erster Linie sei das 47-Seiten-Heft „für Kommunikatoren gedacht“, sagt Stallmann-Beseler. Ab der nächsten Woche soll die Broschüre auf den Internetseiten der Verbände zugänglich sein.

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