Die Drecksarbeit übernommen

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Offenbach - Zwei Männer, die vor 20 Jahren als Kinder mit ihren Eltern aus Russland nach Deutschland eingewandert waren, mussten sich jetzt vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck wegen Drogenhandels in größerem Stil verantworten.

Das Gericht verhängte am Ende gegen die 29 und 32 Jahre alten Täter Freiheitsstrafen von drei Jahren und drei Monaten beziehungsweise zwei Jahren und neun Monaten.

Beck und die beiden Schöffen kamen nach der Beweisaufnahme zur Überzeugung, dass ein dritter Mann, ebenfalls ein Kind einer Spätaussiedlerfamilie, der noch enge Kontakte nach Russland hatte, auf die Idee gekommen war, seinen Lebensstandard durch den Verkauf von Drogen erheblich zu verbessern. Er hatte nach den Ermittlungen der Polizei Kontakte zu den Niederlanden und gab dort Großbestellungen für Marihuana auf. Er wollte auf jeden Fall im Hintergrund bleiben, weshalb die beiden Verurteilten für ihn die Drecksarbeit übernahmen. Sie warben die Kunden an und übergaben die Drogen an diese.

Nach der Einschätzung der Polizei ist der dritte Mann derjenige, der am meisten aus dem Drogenhandel Gewinn zog. Er konnte sich nach den Ermittlungen aus den Drogengeschäften eine Eigentumswohnung und einen Porsche finanzieren.

Marihuana kaufen und mit nach Russland nehmen

Im Oktober 2011 hatten die Angeklagten dann zu einem Russen Kontakt. Dieser wollte ein Kilo Marihuana kaufen und mit nach Russland nehmen, um es dort zu verkaufen. Wegen der hohen Strafen, die in Russland bei Drogenbesitz verhängt werden, ist das Marihuana dort mit hohem Gewinn zu verkaufen, denn nur wenige wagen die Einfuhr größerer Mengen. Der Russe rechnete bei Entdeckung der Einfuhr mit einer Strafe zwischen 5 und 15 Jahren.

Die Angeklagten bestellten bei dem Großdealer das Kilo für den Russen und übergaben es am 8. Oktober 2011. Da die Offenbacher Polizei von dem Geschäft Wind bekommen hatte, wurde der Russe auf dem Weg in die Heimat in Fulda kontrolliert. Er kam – nachdem er einige Monate in Haft war – mit einer Bewährungsstrafe davon. Nach seiner Haftentlassung verlor sich seine Spur.

Ebenfalls im Oktober 2011 verkauften die Angeklagten von dem Großdealer erworbenes sehr hochwertiges Marihuana (ein Kilo) für 7 500 Euro an zwei Personen aus Deutschland, deren Personalien nicht ermittelt werden konnten. Sie dürften indes die Drogen für rund 15 000 Euro an Endverbraucher weiterverkauft haben.

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Wie Richter Manfred Beck ausführte, wird dieses hochwertige Marihuana, das in der Szene Haze genannt wird, pro Gramm fast schon zum Preis von Heroin verkauft. Es sei mit dem Marihuana der 70er und 80er Jahre nicht mehr vergleichbar und wirke bei Dauerkonsum vernichtend auf die Persönlichkeit. Beck zitierte Erkenntnisse der Polizei, wonach Haze in Europa in Gewächshäusern angebaut wird, während das Haschisch und Marihuana der Hippie-Zeit meist aus Freilandkulturen in Nordafrika kam.

mad

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