Dreckschleudern sollen raus

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Alle mal husten: Auch in Offenbach sind Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung erforderlich. Bürgermeisterin Birgit Simon will eine Entscheidung in der ersten Jahreshälfte 2010.

Offenbach ‐ Es gibt Straßen, da leiden die Anwohner. Etwa am Odenwaldring, an der Bieberer Straße, an der Sprendlinger Landstraße. Je nach Tageszeit brausen oder stauen sich dort täglich tausende Autos. Von Martin Kuhn

Das stinkt gewaltig, raubt den Schlaf, zerstört die Fahrbahn. Ein adäquates Mittel zur Verbesserung des Lebensumfeldes haben die Lokalpolitiker bislang nicht gefunden. Nun sind sie jedoch gefordert. Die Stadt muss reagieren auf die Fortschreibung des Luftreinhalteplanes fürs Rhein-Main-Gebiet. Ab 2010 sind Maßnahmen zu ergreifen, um Schadstoffe zu reduzieren. Sagt das Ministerium in Wiesbaden. Kommt jetzt eine Umweltzone oder ein Lkw-Durchfahrtsverbot in Offenbach?

Nachtlasterverbot statt Nachflugverbot

„Es geht eher in Richtung Umweltzone“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) am Mittwoch in einer Bürgerversammlung. Vor allem nachts ist’s den Anwohnern des südlichen Rings viel zu laut: „Ich brauche kein Nachtflugverbot, sondern ein Nachtlasterverbot“, betont ein Mann. Ein solches sei zu aufwändig, da letztlich alle Nachbargemeinden betroffen wären und zu überzeugen seien. Auch Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon (Grüne) sieht keine „ideologische Frage, wie wir auf die Vorgaben des Landes reagieren“, sondern einen pragmatischen Weg. Simon geht davon aus, dass in der kleinen Großstadt Offenbach so die größtmögliche Wirkung zu erzielen sei.

Und natürlich will Offenbach keine Sonderstellung im Ballungsraum. „Ich möchte da im Gleichschritt mit Frankfurt gehen.“ Ihre Idee, die allerdings erst zu diskutieren und abzustimmen sei: Die Lederstadt betätigt sich als Seiteneinsteiger, übernimmt den Zeitplan der Finanzmetropole. Bekannlich wurde in Frankfurt am 1. Oktober 2008 eine Umweltzone eingerichtet. Simon: „Ich kenne kaum ein Offenbacher Auto, das heute nicht eine solche Plakette hat.

Grenzwerte wurden überschritten

Grundlage, dass es plötzlich voran geht: Das Land bezieht sich auf die Auswertung der Messergebnisse, die an drei Stellen in der Stadt mit so genannten Passivsammlern ermittelt wurden. „Im ersten Halbjahr wurden an den Messstationen Mainstraße, Bieberer Straße und Untere Grenzstraße Mittelwerte zwischen 50 und 59 Mikrogramm Stickstoffdioxid festgestellt, deutlich mehr als der Grenzwert von 42 Mikrogramm erlaubt“, erläutert Birgit Simon. Das Bundes-Immissionsgesetz sieht den Grenzwert als überschritten an, wenn er innerhalb eines Jahres an 35 Tagen von dem Tagesmittelwert übertroffen wird.

Was also bislang nur rechnerisch zu ermittelt war, wird durch reale Werten bestätigt. Die Passivsammler ließ die Stadt vor gut zwei Jahren installieren, nachdem die einzige echte Luftmessstation (Hospitalstraße) auf Geheiß übergeordneter Stellen 2005 demontiert worden war. Dieser Sammler liefert anerkannte Werte, deckt aber nicht die Bandbreite (Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Ozon...) der Schadstoffe ab. Vor allem der von vielen Experten als gefährlich eingestufte Feinstaub ist so nicht nachzuweisen. Indes ist Stickstoffdioxid ein relevanter Wert, der zum Handeln zwingt.

Das heißt: Die Aussagen der Experten bestätigt lediglich die Befürchtungen der Betroffenen. Man formuliert das in der Landeshauptstadt folgendermaßen: „...von einer Überschreitung ist ausgehen“. Simon zitiert aus dem Schreiben an den Magistrat: „Mit dem messtechnischen Nachweis der Überschreitung des Immissionsgrenzwertes ist nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz ein Luftreinhalteplan mit den erforderlichen Maßnahmen zur dauerhaften Verminderung von Luftverunreinigungen zu erstellen.“

„Im nächsten Jahr müssen wir Vorschläge unterbreiten.“

Derzeit erarbeitet das lokale Umweltdezernat noch Vorschläge zur Minderung der Schadstoffbelastung. Diese sind schließlich mit dem Land abzustimmen. Zeitplan: „Im nächsten Jahr müssen wir umsetzbare Vorschläge unterbreiten; also keine Luftnummern“, sagt die Bürgermeisterin. Die Realisierung kann die Stadt entsprechend später folgen lassen.

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