Drei Monate bis zur Bildungsvilla

Hinter der künftigen Erasmus-Schule am Dreieichring eine Schatzkiste zu finden, das wäre angesichts der Umbaukosten gut gewesen. Ein einfacher Spatenstich tat‘s gestern aber auch. Von links: SOH-Chef Joachim Böger, OK Kids-Vorsitzender Ralph Holz, Bürgermeisterin Birgit Simon, Manfred Geist (Lehrerkooperative Frankfurt), Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß. Foto: Georg

Offenbach - (mcr) Jetzt muss Dr. Michael Maiwald aber endgültig raus aus dem Dreieichring 24. Gestern, als auf dem Außengelände der Villa die Umbauarbeiten für die künftige Erasmusschule und -kita starteten, war Maiwald drinnen präsent wie eh und je.

Wenn auch nur als Name auf einem schon länger sinnlosen Türschild: „Raum 104, Dr. Michael Maiwald, stv. Amtsleiter“. Seit Offenbachs Stadtgesundheitsamt 2005 von seinem Westend-Domizil an die Berliner Straße umgezogen ist, hat sich zwischen den altehrwürdigen Mauern am Dreieichring praktisch nichts verändert.

Doch nun ist auch für die allerletzten Hinterlassenschaften der Gesundheitswächter das Ende gekommen. Und damit für den Leer- und Stillstand. Schon im August, zum Beginn des Schuljahres 2009/2010, will die Erasmus Offenbach gGmbH den Betrieb einer ersten Ganztagsklasse mit Hort und Krabbelgruppe starten.

Nur ein Vierteljahr Umbauzeit bis zur ersten Unterrichtsstunde und gerade mal weitere vier Monate, um auch den Anbau so aufzumöbeln, dass am Ende knapp 2000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen? Das sei, so hörte man es auch gestern beim offiziellen ersten Spatenstich mehrfach, ein ambitioniertes Ziel.

Und ein teures sowieso. Zunächst einmal für die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH). Die hat vom Stadtparlament im vergangenen Dezember den Auftrag bekommen, Grundstück und Gebäude für 708 000 Euro von der Stadt zu kaufen und für zusätzliche 3,25 Millionen Euro fit für die Nutzungen zu machen, die für Bürgermeisterin Birgit Simon und Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß gut in die städtische Bildungs- und Betreuungslandschaft passen. Die Krabbelstube, die Kindertagesstätte und die einzügige Grundschule mit Hort, das ergebe in der Kombination genau das, was auch auf der Internetseite http://www.erasmus-offenbach.de beworben wird - ein „dreisprachiges Bildungshaus für Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren“.

Die Erasmus-Trägergesellschaft wird die Immobilie nur mieten und ist damit aller Instandhaltungssorgen ledig. Dass die Stadtkonzern-Mutter SOH so viel Geld in das altehrwürdige Gemäuer investiert, hat wiederholt für Kritik aus verschiedenen Lagern gesorgt. Viele Eltern und auch Volksvertreter meldeten beim Gedanken an eine solch üppige öffentliche Förderung einer von sozial schwächeren Eltern unbezahlbaren Privatschule (monatlich rund 500 Euro) Bedenken an. In Leserbriefen an unsere Zeitung tobte der Klassenkampf um die Chancengleichheit zwischen dem Nachwuchs reicher und dem ärmerer Eltern.

Am Ende gab die Politik grünes Licht, gelockt vom „Standortfaktor Bildung“ und dem Versprechen der Initiatoren, „die Schule möglichst schnell auch Kindern zu öffnen, deren Eltern sich den Besuch nicht leisten könnten“. Ralph Holz, Vorsitzender der als Motor des Offenbacher Erasmus-Projekts geltenden Elterninitiative „OK Kids“, wiederholte dieses Gelöbnis gestern noch einmal. Und die Gebühren für Krabbelstube und Kita seien ohnehin nicht höher als in kommunalen und kirchlichen Einrichtungen.

Das Potenzial des Erasmus-Konzepts liegt auf der Hand: Die Schützlinge wachsen von Beginn an mehrsprachig auf, sollen in der vierten Klasse schon zwei Sprachen schreiben und drei sprechen können. Zugleich werben die Erasmus-Verfechter für handlungsbezogenes Lernen anstelle von abstraktem, für die Förderung von Neugier und Selbstbewusstsein, für intensive Elternbeteiligung und für die Vermittlung des Wissens, „wie man auch Misserfolge aushält“.

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