HfG und drei weitere Hochschulen arbeiten gemeinsam

Wohlfühlzone S-Bahn - Mobilität der Zukunft

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Wissenschaftsminister Boris Rhein bestaunt in der virtuellen Realität eine Brücke für Radfahrer am Frankfurter Flughafen.

Offenbach - Die Mobilität der Zukunft wird eines der zentralen Themen der nächsten Jahre werden – und in Offenbach mitgestaltet. An der HfG wird es künftig das Forschungsfeld „Infrastruktur - Design - Gesellschaft“ geben. Von Steffen Müller

Das Ziel: Durch attraktive Alternativen Verkehrsknotenpunkte entlasten. „In vier Jahren ist Boris Rhein pünktlich“, prophezeit Kai Vöckler. „Dann stehen Sie auf der Berliner Straße nicht mehr im Stau“, muntert der Dozent den hessischen Wissenschaftsminister auf, der zur gestrigen Pressekonferenz in der Hochschule für Gestaltung (HfG) 15 Minuten zu spät kommt. Die Wartezeit nehmen Vöckler und alle Beteiligten aber ohne Murren in Kauf. Schließlich hat Rhein einen Förderbescheid über 3,5 Millionen Euro im Gepäck – von dem er bei seinem nächsten Besuch in Offenbach selbst profitieren könnte. Schließlich ist das Geld dafür gedacht, den Verkehrsfluss in der Rhein-Main-Region zu verbessern. Dazu beitragen sollen Forscher der Hochschule für Gestaltung, der TU Darmstadt, der Goethe-Uni und der Frankfurt University of Applied Sciences, die sich unter Federführung der HfG mit dem Thema „Mobilität in Städten der Zukunft“ beschäftigen.

Möglich wird diese erstmalige Zusammenarbeit der vier Hochschulen durch die 3,5 Millionen Euro aus dem hessischen Förderprogramm LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Excellenz), das bis 2021 läuft. Ein entscheidender Grund, die HfG mit dem Forschungsprojekt zu beauftragen war, dass erstmals Design eine Rolle bei Fragen zur Mobilität spielen soll. Die Forscher sollen Lösungsansätze entwickeln, die die Menschen dazu bringen, unterschiedliche Verkehrsmittel zu nutzen, um sich so umweltfreundlicher fortzubewegen. Das Thema Design ist dabei insofern relevant, als dass so auf die Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer bei der Gestaltung neuer Mobilitätsangebote eingegangen werden kann.

Was zunächst noch sehr theoretisch klingt, erläutern Kai Vöckler und sein HfG-Kollege Professor Peter Eckart an praktischen Beispielen. Es gehe darum, dass sich die Menschen auf dem Weg zur Arbeit sicher und wohl fühlen. Ziel sei es, vor allem die Berufspendler aus ihrer Komfortzone, dem Auto, herauszuholen. Dafür müssen aber attraktive Alternativen geboten werden. „Mobilität soll ein immaterielles Erlebnis werden“, präzisiert Eckart. Was er damit meint: Nicht die teure Technik soll bei der Wahl des Verkehrsmittels entscheiden, sondern das gute Gefühl bei der Nutzung.

Als Beispiel dient London. Dort werden gerade einige U-Bahnen und Stationen überarbeitet, um den Pendlern den Aufenthalt angenehmer zu gestalten. Etwas Ähnliches schwebt Kai Vöckler für das Rhein-Main-Gebiet vor. Viele S-Bahn-Haltestellen und auch die Züge bräuchten dringend eine optische Auffrischung.

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Gleichzeitig gilt es, mit einem ansprechenden Design für eine alternative Verkehrsnutzung zu werben. Apps fürs Smartphone beispielsweise könnten den effizientesten Weg von A nach B aufzeigen, interessant gestaltete Schilder darauf aufmerksam machen, dass ein Pkw nicht immer das schnellste Fortbewegungsmittel ist. Vöckler: „Ich bin von der HfG mit dem Fahrrad eher am Frankfurter Römer als mit dem Auto.“ Allerdings wisse das kaum jemand.

Aufgabe der HfG und der anderen drei Hochschulen ist es nun, ihre Ideen anschaulich zu präsentieren - etwa über Virtual Reality – und der Politik oder Unternehmen zu unterbreiten. Als eine Partnerfirma wurde schon die DB Netz AG gewonnen. Der Vorschlag eines Radweges entlang der Nordmainischen S-Bahn kam von der HfG. Eckart und Vöckler sind zwar optimistisch, dass sie durch ihre Arbeit dazu beitragen können, das Verkehrs-chaos im Rhein-Main-Gebiet zu minimieren, nehmen aber vorweg, dass sich nicht all ihre Ideen umsetzen lassen werden. Kai Vöckler: „Ohne den politischen Willen geht es nicht.“

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