31-Jähriger klaute mehrmals am Arbeitsplatz

Auf frischer Tat ertappt: Mitarbeiter plündert Tresor des Chefs 

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Tresor geplündert (Symbolbild)

Sprendlingen im Doppelpack vor dem Amtsgericht in Langen: Zwei nicht ganz gewöhnliche Fälle von gewerbsmäßigem Diebstahl und Betrug hatte Volker Horn zu verhandeln. 

Dreieich – In der ersten Sitzung erscheint ein korpulenter 31-Jähriger mit seinem Anwalt. Er soll von Mai bis Oktober 2015 den Tresor seines Arbeitgebers um insgesamt 12  030 Euro erleichtert haben. Der gelernte Maler, bei dem Farbenhändler im Vertrieb tätig, hatte achtmal in unterschiedlichen Abständen die Tageseinnahmen entwendet. Jedes Mal war er für die Abrechnung zuständig. Das war scheinbar nicht schwierig, der Chef vertraute seinen drei Mitarbeitern: "Wir hatten einen Schlüssel zum Tresor, und es gab keine Kameraüberwachung", gibt der Eppertshausener zu.

Dann erklärt er, warum er trotz seiner bis dato weißen Weste kriminell wurde: "Ich bin spielsüchtig. Ich habe das Geld in Spielhallenautomaten gesteckt, in acht bis dreizehn gleichzeitig." In einer außergerichtlichen Einigung habe er die Summe aber inzwischen zurückzahlen können. "Haben Sie das Geld wirklich nur wegen Ihrer Spielsucht geklaut?", will Horn wissen. "Im Polizeiprotokoll steht noch etwas von Autoreparatur, Prostituierten und anderen Dingen." Nein, das habe er nur so gesagt, weil er schnellstmöglich aus dem Revier raus wollte und sich geschämt habe, betont der Angeklagte. Inzwischen sei er "clean" und habe eine neue Stelle als Verkäufer in einem Baumarkt.

Mehrmonatige stationäre Therapie

Als der junge Mann sagt, dass er zwei Wochen nach der Vernehmung versucht hat, sich das Leben zu nehmen, bricht er in Tränen aus. Die folgende mehrmonatige stationäre Therapie und Behandlung in einem Rehazentrum will er nicht fortsetzen: "Der dauernde Kontakt in der Gruppe zu anderen, die das gleiche Problem haben, zieht mich emotional runter."

Viele Pluspunkte und eine gute Prognose – von einer Sanktion bleibt er freilich nicht verschont. Die Mindeststrafe für gewerbsmäßigen Diebstahl beträgt drei Monate pro Tat. Oberamtsanwalt Rainer Hosung plädiert für eine Gesamtstrafe von 14 Monaten auf Bewährung plus einer Geldbuße von 3000 Euro. Der Amtsrichter senkt die Haftdauer in seinem Urteil auf zehn Monate, bleibt aber bei dem Bußbetrag. Der soll an eine Suchthilfevereinigung in Nordhessen gehen. Die Verfahrenskosten kommen noch obendrauf. Ertappt wurde der Eppertshausener im Übrigen, als der Arbeitgeber nach vielen Einnahmedefiziten am 9. Oktober 2015 eine Kameraüberwachung installieren ließ – drei Tage später griff der Angeklagte zum letzten Mal zu.

Strafbefehl gegen angebliche Lufthansa-Mitarbeiterin

Die Angeklagte im zweiten Fall lässt sich gar nicht erst blicken. Sie soll als angebliche Lufthansa-Mitarbeiterin zwei Nachbarinnen günstige Urlaubsreisen vorgegaukelt haben, für die eine Vorkasse von jeweils 500 Euro nötig seien – die in ihre eigene Tasche wanderten. Richter Horn schickt die zwei Zeuginnen wieder nach Hause und erlässt einen Strafbefehl nach Paragraf 408a der Strafprozessordnung. Die 54-Jährige muss eine Geldbuße von 1800 Euro entrichten, die Betrugssumme von 1000 Euro wird außerdem eingezogen. Legt die Sprendlingerin dagegen keinen Einspruch ein, ist der Strafbefehl rechtskräftig.

Silke Gelhausen

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