Treuer Heiler auf vier Pfoten

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Ergotherapeutin Jennifer Calciano besucht Seniorin Lieselotte Lehmann zur Ergotherapie. Chihuahua Snickers darf dabei nicht fehlen. 

Offenbach - . Dass Chihuahua Snickers der Star des Seniorenheims ist, merkt man sofort. Kaum läuft er mit seinem Frauchen, Diplom-Ergotherapeutin Jennifer Calciano, durch den Flur des Hauses, werden die Senioren neugierig. Von Konstanze Löw 

Einem Bewohner gibt Calciano ein Leckerli in die Hand, schon bückt sich der Mann dem Hund entgegen, um ihn zu füttern. „So schnell haben wir einen kleinen Erfolg. Der Bewohner bewegt sich, ohne dass wir ihn dazu auffordern müssen“, freut sich die Therapeutin. Seit einem Jahr wird der kleine Vierbeiner begleitend zur Ergotherapie eingesetzt. Unüblich sei die Wahl der Hunderasse schon, dass gibt seine Halterin, die ihn vor vier Jahren privat angeschafft hat, zu. „Die meisten Leute erwarten einen Labrador, Schäferhund oder einen Golden Retriever“, sagt Calciano. Doch der zierliche Chihuahua hat durchaus seine Vorteile: Er passt auf jeden Schoß, ist leicht, kaum größer als eine Katze und kann sogar zu den Patienten ins Bett.

Vor zwei Jahren entschied sich Calciano dafür, Snickers zum Therapiebegleithund auszubilden. Die Prüfung legten Frauchen und Hund beim Münsteraner Institut für therapeutische Fortbildung und tiergestützte Therapie ab. Heute mischt Snickers das Seniorenzentrum des Roten Kreuzes auf, wird bei der Therapie eingesetzt, wenn es von den Patienten gewünscht wird. Und das kommt gut an! „Man sieht, dass die Augen der Bewohner strahlen, wenn sie Snickers sehen. Er ist ein richtiger Magnet“, freut sich Calciano. Derzeit kommt Snickers ein- bis zweimal pro Woche zum Einsatz, mit positiven Ergebnissen. Hunde geben direkte Rückmeldung auf das menschliche Verhalten, akzeptieren ohne jegliche Bewertung.

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Durch den Kontakt mit einem Hund könne ein Mensch neue Impulse erfahren. Dabei wirke der Vierbeiner durch seinen Anblick, den Körperkontakt und die Interaktion fördernd auf die Bewohner. „Selbst verschlossene Patienten zeigen durch Snickers Interesse und Motivation“, berichtet die Therapeutin. Die Beliebtheit des Hundes zeigt sich beim Besuch von Lieselotte Lehmann. Die Bewohnerin des Seniorenheims nimmt den Chihuahua sofort auf ihren Schoß, streichelt sein Fell, beugt sich zu ihm hinunter – und bleibt somit spielerisch in Bewegung. Doch auch zum Memoryspielen ist Snickers geeignet. Lehmann sucht sich sechs unterschiedliche Motive aus und legt diese verdeckt vor sich. Die Motive werden durchnummeriert und die Reihenfolge eingeprägt. Nun ist die Seniorin gefordert: Sie wirft den Schaumstoffwürfel auf den Boden, Snickers hat die Aufgabe, ihn wieder zurückzubringen. Die Zahl, die der Würfel anzeigt, muss Lehmann dem Motiv aus dem Memoryspiel zuordnen. Das Ergebnis: Freude für alle Beteiligten. Die Seniorin trainiert ihr Gedächtnis und ist durchs Würfeln in Bewegung; der Vierbeiner bekommt Leckerlis zur Belohnung. Auch Calciano hat allen Grund zur Freude. Denn so macht, wortwörtlich, „Arbeiten tierischen Spaß“.

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