Hang zum luxuriösen Leben

Offenbach (mad) - Weil er als selbstständiger Unternehmer scheiterte, versuchte er sich als Drogendealer. Doch auch das ging schnell schief: Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck verurteilte einen 36-Jährigen Offenbacher zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten.

Die Vorgeschichte: Der 36-Jährige staunte gar nicht schlecht, als an einem Abend im Januar plötzlich die Polizei vor der Tür seiner Innenstadtwohnung stand. Die Beamten hatten einen detaillierten Hinweis bekommen, wonach der Mann in seiner Wohnung eine Marihuana-Plantage betreibe.

Nur widerwillig gewährte der Mann den Polizisten Einlass, denen schon an der Wohnungstür ein Schwall des typischen Geruchs von Marihuana entgegenkam. Einlass verwehren konnte der Mann den Beamten jedoch nicht, weil diese einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss mit sich führten.

Plantage mit etwa 60 Pflanzen entdeckt

Als die Beamten in der Wohnung eine größere Plantage mit etwa 60 Pflanzen entdeckten, gab der 36-Jährige vor, er müsse dringend zur Toilette. Dies verwehrten die Polizisten dem Mann jedoch mit dem Hinweis, sie müssten zunächst selbst einen Blick ins Bad werfen. Tatsächlich fanden sie in einem hinter einem Bild verborgenen Safe 200 Gramm Kokain samt einem gefälschten Pass und einen gefälschten Führerschein. Dazu lagen in dem Tresor eine Perücke und ein falscher Bart. Der 36-Jährige hatte offenbar vorgehabt, das Kokain die Toilette hinunterzuspülen. Nach der Durchsuchung seiner Wohnung wanderte der Plantagenbesitzer wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

In der Gerichtsverhandlung räumte der Angeklagte ein, mit seinem legalen Unternehmen Schiffbruch erlitten zu haben, weshalb er auf die Idee verfallen sei, durch den Drogenverkauf wieder zu Geld zu kommen. Dass der Wechsel der Branche wohl auch seinem Hang zum Luxus geschuldet war, verschwieg er dem Gericht. Dieses stützte sich bei seiner Einschätzung auf die Aussage einer jungen Polizeibeamtin, wonach der Angeklagte ihr bei der Durchsuchung seiner Wohnung mit dem Hinweis imponieren wollte,wie teuer und exklusiv seine Möbel seien. Auch einen Porsche zu fahren, gehörte wohl für den Angeklagten zum sozialen Standard. Das Fahrzeug war jedoch auf den Namen seiner Freundin zugelassen.

Angestellter Informatiker für ein größeres Unternehmen

In der Verhandlung stellte sich heraus, dass der 36-Jährige bürgerlichen Verhältnissen entstammt. Er hatte eine Zeit lang als angestellter Informatiker für ein größeres Unternehmen gearbeitet. Als sein im Beruf sehr erfolgreicher Vater über eine größere Summe verfügte, überredete der Angeklagte ihn, das Geld in sein Unternehmen zu stecken, wobei er davon ausging, er könne die väterliche Gabe schnell vermehren. Jedoch schätze er dabei seine unternehmerischen Fähigkeiten falsch ein. Ob dies dem inzwischen von ihm praktizierten Drogenkonsum geschuldet war, konnte das Gericht nicht klären.

Richter Manfred Beck wies den Angeklagten darauf hin, dass viele Menschen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten würden. Das gebe ihnen aber noch lange nicht das Recht, durch Drogenhandel Geld zu machen. Zumal Drogen das Leben vieler Jugendlicher zerstörten, was den Dealern aber völlig egal sei.

Am Rande des Prozesses wies Beck darauf hin, dass die Eltern des Verurteilten trotz seiner Taten weiter zu ihrem Sohn stünden.

Rubriklistenbild: © AP

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