Dealer-Paar muss wegen Handels in Haft

Drei Zentner Drogen daheim

Offenbach - Im Fall der Drogendealerei eines Pärchens hat Richterin Barbara Bunk am fünften Verhandlungstag vor dem Landgericht Darmstadt ein eindeutiges Zeichen gesetzt.Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Egal wie schwierig die Lebensumstände sind: Broterwerb aus Rauschgifthandel ist in jedem Fall die falsche Wahl (wir berichteten). Schmerzhafte Konsequenz aus der kriminellen Entwicklung einer hoffnungslosen Liebe sind hohe Haftstrafen wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und unerlaubter Einreise in die Bundesrepublik. Moustapha A. (47) geht für acht Jahre und zehn Monate ins Gefängnis, Soumaya A. (24), der Beihilfe vorgeworfen wird, für zwei Jahre und sieben Monate. Die Vorsitzende der 15. Strafkammer folgt damit weitgehend der Staatsanwaltschaft, die sogar bis zu einem Jahr mehr verlangt hatte. Als den Angeklagten nach den Plädoyers das letzte Wort zusteht, brechen sie in Tränen aus. Beide sind nicht vorbestraft, bleiben aber bis zum Antritt des Strafvollzugs wegen dringender Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Am 17. März dieses Jahres geht der Polizei nach kurzer Observation und Telefonüberwachung ein richtig dicker Fisch ins Netz. In von der jungen Frau mit gefälschter spanischer ID-Karte gemieteten Wohnungen an der Neusalzer Straße in Offenbach und der Peter-Behrens-Straße in Darmstadt entdeckt sie insgesamt 130 Kilogramm Haschisch, 16 Kilo Marihuana, 2,85 Kilo Kokain und 3,79 Kilo Amphetamin. Der Straßenwert beträgt mehrere hunderttausend Euro. Während der Ältere sich schuldig bekennt, bemühen sich beide Angeklagte und ihre Verteidiger, die Rolle der jungen Frau herunter zu spielen. Sie habe mit der Sache nichts zu tun gehabt, ihre Fingerabdrücke auf den Drogenpaketen seien beim Aufräumen und Putzen entstanden. Das sieht das Gericht allerdings anders: Die Telefonüberwachung hatte Gespräche der Marokkanerin aufgezeichnet, in denen sie während einiger Drogenübergaben Anweisungen an den Taxifahrer gab, der ihren Freund zum Abnehmer fuhr. Bei der Festnahme trug sie außerdem eine Sporttasche mit Anhaftungen von Marihuana und 1055 Euro bei sich.

Zehn kuriose Kriminalfälle 2014 in Hessen

Zehn kuriose Kriminalfälle 2014 in Hessen

In ihrem Heimatland Marokko konnten der verheiratete Moustapha und seine neue Liebe Soumaya nicht zusammen leben – Soumaya war als Ehebrecherin gesellschaftlich geächtet. Deshalb ging der dreifache Familienvater mit der 24-Jährigen Ende 2012 nach Deutschland, ohne Einreisegenehmigung und Aufenthaltserlaubnis. Vom Versuch des Zusammenlebens konnten ihn auch zwei Abschiebungen in früheren Jahre und eine im Jahr 2013 nicht fernhalten. Doch trotz geglückter Wiedereinreise nach der dritten Ausweisung stand der 47-Jährige vor einem Problem: Erwirtschaftung eines Lebensunterhalts für zwei Personen. In seinem erlernten Beruf als Autoteileverkäufer zu arbeiten erschien ihm als Illegaler zu auffällig. Also stiegen beide zum Geldverdienen ins Betäubungsmittelgeschäft ein – und zwar gleich in großem Stil. Neben den knapp drei Zentnern Drogen fanden die Beamten auch 19.500 Euro Bargeld.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion