Drogensüchtiger verurteilt

Im Gefängnis zum Junkie geworden

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„Ich kann draußen nicht sauber bleiben“, schilderte der Mann dem Gericht sein trauriges Schicksal. Nach der letzten Entlassung im Sommer griff er trotz Therapie nach wenigen Wochen wieder zur Nadel.

Offenbach - Einen 28-jährigen Drogensüchtigen hat das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck wegen mehrerer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt.

Die Suchtkarriere des Schaustellergehilfen begann früh: Schon mit 13 oder 14 Jahren probierte er zum ersten Mal Haschisch aus. Das Kiffen auf dem Kirmesplatz passte den Eltern aber nicht. Schließlich baute der Sohn ihr Fahrgeschäft zusammen, und dafür bedurfte es eines klaren Kopfes, den er wohl nicht immer hatte. Irgendwann reichte es ihnen: Sie forderten ihren Sohn auf, mit dem Kiffen aufzuhören, zumal er mit Kindern im Fahrgeschäft zu tun hatte und die Eltern um ihre Lizenz fürchteten, sollte der Drogenkonsum bekannt werden.

Doch die Sucht war stärker als die Ermahnung der Erwachsenen – der Junge konnte vom Haschisch nicht lassen und wurde von den Eltern vor die Tür gesetzt. Danach ging’s bergab. Haltlos beging der junge Mann erste Einbrüche und landete rasch in einem Jugendgefängnis außerhalb Hessens. Nach seinen Angaben kam er dort mit Heroin in Kontakt.

Nur drei Jahre seines Lebens ab 14 Jahren war er in Freiheit

„Diese Droge machte ihn zu ihrem Sklaven“, urteilte Richter Beck. Sobald der Labile aus der Haft kam, beging er Diebstähle, Einbrüche und Körperverletzungen. Immer wieder musste er in den Knast. Inzwischen hat er elf Jahre in deutschen Gefängnissen verbracht, nur drei Jahre seines Lebens ab 14 Jahren war er in Freiheit.

„Ich kann draußen nicht sauber bleiben“, schilderte der Mann dem Gericht sein trauriges Schicksal. Nach der letzten Entlassung im Sommer griff er trotz Therapie nach wenigen Wochen wieder zur Nadel. Er hielt sich bei seiner Verwandtschaft in Offenbach auf; tagsüber lauerte er an Friedhofsparkplätzen Opfern auf. Sobald älteren Menschen, meist Frauen, ihr Auto verlassen hatten, schlich er zum Fahrzeug und vergriff sich an zurückgelassenen Handtaschen. „Diese Masche lernte er möglicherweise von einem entfernten Verwandten aus Offenbach, ebenso das fast geräuschlose Aufbrechen der Fahrzeuge“, so Beck.

Junkie bittet vor Gericht um Therapie

In den Handtaschen fand er öfters eine EC-Karte, und wenn irgendwo die PIN notiert war, eilte er flugs zum nächsten Geldautomaten, um möglichst gleich tausend Euro abzuheben. In Offenbach gelang ihm dies viermal. Das Geld nutzte er zum Kauf von Heroin.

Vor Richter Beck gestand der Junkie seine Taten ein und entschuldigte sich bei einem erschienenen Opfer. Er bat darum, noch eine Therapie machen zu dürfen. Dies verwehrte ihm das Gericht nicht. Jedoch wird er zunächst zwei bis drei Jahre im Gefängnis bleiben müssen, weil er auch in Norddeutschland ähnliche Taten begangen hatte und dort ebenfalls zu einer Haftstrafe von etwas mehr als zwei Jahren verurteilt wurde. Sollte die Therapie erfolgreich sein, wird die Reststrafe von etwa zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Falls erwartungsgemäß nicht, sitzt er die Reststrafe einschließlich der bis zu neunmonatigen Therapiezeit ab.

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