Drosselnder Starenkasten

Offenbach - Neuer Blitzer, alter Abzocke-Verdacht: Der stationäre Starenkasten, den die Stadt vor einigen Tagen an der Mühlheimer Straße auf Höhe des Alten Friedhofs und des ehemaligen Allessa-Areals montiert hat, stellt unsere Leserin Hannelore Karbasch vor ein Fantasieproblem. Von Marcus Reinsch

Sie kann sich nicht vorstellen, wer dort von Rasern gefährdet sein soll.

„Auf der einen Seite kommen die Toten sicher nicht über die Mauer, auf der anderen Seite hält die Mauer um das Industriegelände wohl vom massenhaften Überqueren der Straße ab“, schreibt sie. Es gebe zwar „viele Stellen in Offenbach, wo ein solcher Blitzer angebracht wäre“. Wo er nun stehe, diene er aber wohl nur dem Ziel, „die Stadtkasse zu füllen“.

Glaubt auch Dieter Jahn, Stadtverordneter der Freien Wähler und Urheber einer entsprechend deutlichen Anfrage an den Magistrat. Die Stadt habe zwar versichert, dass sie Autofahrer „nicht abkassieren“, sondern mit Tempoüberwachungssäulen nur Gefährdungspotenziale reduzieren wolle, schreibt Jahn. Doch welche Verkehrsteilnehmer am Alten Friedhof geschützt werden sollen, das erschließe sich ihm nicht.

Den Offenbacher Ordnungsmächten dafür umso mehr. Im Stadtparlament erklärte Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, Messungen mit mobilen Blitzanlagen hätten „gelehrt, dass wir an dieser Stelle eine dringende Notwendigkeit für eine stationäre Anlage haben“. Um den dort viel zu flotten Verkehr bis zur Mathildenschule und der Altenwohnanlage an der Arthur-Zitscher-Straße auf dem gebotenen Tempo 30 zu haben, sei die frühzeitige Drosselung per Blitzer trotz noch zwischengeschalteter Ampel einfach nötig. Im Übrigen sei es Städten nicht erlaubt, die mit Kamera rund 70.000 Euro teuren Starenkästen nach Lust und Laube aufzustellen. Jeder Standort müsse von der Polizeiakademie Wiesbaden geprüft und ausdrücklich genehmigt werden.

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