Druckindustrie tief in der Krise

München - Die Pleite von „manroland“ im November kam unerwartet, aber nicht gänzlich überraschend. Die Druckindustrie steckt seit Jahren tief in der Krise.

Vom Glanz früherer Jahre ist in der einstigen Vorzeigesparte des deutschen Maschinenbaus nicht mehr viel geblieben. Tausende Stellen wurden bereits gestrichen. Und während in Augsburg Insolvenzverwalter, Gläubiger und Bieter um das Schicksal von „manroland“ gerungen hatten, schreckte Heidelberger Druck mit einer Hiobsbotschaft auf. Wieder müssen 2000 Stellen weg. Und seit gestern ist auch bei „manroland“ klar, allein in Offenbach werden 1000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Werbedruck brach zusammen

Insgesamt hat der deutsche Maschinenbau die vergangene Finanz- und Wirtschaftskrise im Sog der Lehman-Pleite gut überstanden und etliche Firmen stehen heute besser da als je zuvor. Die Druckmaschinenbauer sind allerdings nie wieder richtig auf die Beine gekommen. In der Konjunkturflaute brach der Werbedruck und damit der Bedarf nach Neumaschinen ein. Mit dem Anziehen der Konjunktur wuchsen zwar die Werbebudgets der Kunden wieder, aber mit der Digitalisierung in den Medien und dem Siegeszug von Smartphones und Tabletcomputern kam vom Aufschwung nur wenig bei den Druckereien an. Betroffen sind vor allem hier Bogendruckmaschinen, eine Spezialität von Heideldruck. „manroland“ fertigt solche Maschinen in Offenbach. Zudem leiden Unternehmen wie „manroland“, das am Standort in Augsburg auch große Rollenanlagen für den Zeitungsdruck produziert, unter den in den USA und Europa stetig sinkenden Auflagen der Tagespresse. Zwar wächst aller Digitalisierung zum Trotz etwa in Indien, China oder Südamerika die Nachfrage nach solchen Anlagen. Dort gibt es vor allem kleine und mittelständische Druckereien, die einfache und damit billige Druckmaschinen nachfragen. Doch diese Umsätze kompensieren längst nicht das Minus etwa in Europa.

Der Markt schrumpft stetig

Branchenprimus Heideldruck hat sich längst vom Rollenbereich verabschiedet. Die angeschlagenen Badener konzentrieren sich auf den Bogen- und Verpackungsdruck. Der Markt schrumpft, Überkapazitäten machen dem Unternehmen das Leben schwer und sorgen für triste Zahlen. Auch deshalb galt Heideldruck eigentlich nie als möglicher Käufer für Teile von „manroland“. „Ich sehe für uns dort im Moment keinen Bewegungsspielraum“, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier am Dienstag, nachdem er erneut tausende Stellen zur Disposition gestellt hatte. Bis zu 2000 Arbeitsplätze werden gestrichen und die Kapazitäten in der Produktion und dem Vertrieb stark zurückgefahren

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Seit 2008 hat der Konzern schon rund 4000 Jobs abgebaut und beschäftigte Ende 2011 noch 15.660 Mitarbeiter. Heidelberger Druck schreibt unter dem Strich bereits seit geraumer Zeit Verluste und konnte sich auf dem Höhepunkt der Krise nur mit einer öffentlichen Bürgschaft über Wasser halten.

Zu allem kommt ein eher ungewöhnliches Problem: Die Qualität der Produkte. Druckmaschinen sind langlebig. In nicht wenigen Druckereien stehen noch Maschinen aus den 1950er-Jahren, die noch für einfache Aufgaben genutzt werden. Umsatz bringen hier die Serviceleistungen und Ersatzteile.

Neue Maschinen werden nicht gebraucht

Die mehreren Millionen, die eine neue Maschine einbringen würde, können sie nicht ersetzen. Es scheint wenig wahrscheinlich, dass sich in den kommenden Jahren viel an den Problemen der Branche ändern wird. Die Lübecker Possehl-Gruppe, die nun Teile von „manroland“ übernimmt, dürfte das wissen - ohne Einschnitte wird es nicht gehen. Und auch der Preiskampf dürfte sich künftig weiter verschärfen.

Die Alteigentümer von „manroland“, allen voran der Versicherungskonzern Allianz, gaben den Glauben an die Zukunft vergangenen November auf und drehten in Offenbach, Augsburg und Plauen den Geldhahn zu. Ein Käufer oder Fusionspartner war damals nicht in Sicht. Mehr Mittel wollte die Allianz nicht hergeben. Arbeitnehmer und Gewerkschaften kritisierten diese Haltung scharf - geändert hat das nichts.

dpa

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