Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed

Starke Schwankungen bei Aufträgen

Offenbach - Trotz der Probleme in der Druckindustrie ist Manroland Sheetfed erfolgreich. Das Werk in Offenbach schreibt aber noch rote Zahlen. Von Marc Kuhn

Der Druckmaschinenhersteller Manroland Sheetfed macht gute Geschäfte, leidet aber weiter unter den Turbulenzen in der Branche. „Früher ist sie im freien Fall gewesen, heute hängt die Branche am Fallschirm“, sagte Geschäftsführer Rafael Penuela unserer Zeitung in Offenbach. Er klagte über die hohe Volatilität am Markt bei den Aufträgen. Diese Schwankungen hätten sich auch bei den Bestellungen im vergangenen Jahr gezeigt. „Die Druckbranche ist nicht zur Ruhe gekommen.“ Das Firmensterben sei noch nicht zu Ende. Mit viel Aggressivität würden die Firmen um Aufträge kämpfen, erklärte Penuela. Derweil seien die Margen in der Branche sehr gering. Aber: „Wir sind gut am Ball.“

Rafael Penuela

2015 sei das beste Jahr bei den Auftragseingängen gewesen seit der Druckmaschinenhersteller von dem britischen Investor Tony Langley übernommen worden sei, berichtete Penuela. Er hatte das Bogengeschäft des insolventen Unternehmens „manroland“ im Februar 2012 gekauft. Die Aufträge hatten 2015 nach den Worten Penuelas ein Volumen von 321 Millionen Euro. Ein „guter Auftragsbestand“ sei ins laufende Jahr übernommen worden. Der Geschäftsführer zeigte sich zuversichtlich für 2016. Der Umsatz habe im vergangenen Jahr bei 292 Millionen Euro gelegen, sagte Penuela. Die Hälfte davon sei mit Druckmaschinen verdient worden, der Rest mit den Segmenten Service, Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien. Dieser Bereich sei viel weniger zyklisch und deshalb ein wichtiges Standbein des Unternehmens. Manroland Sheetfed rechnet nicht in Maschinen, sondern in Druckwerken. Davon seien 2015 mehr als 500 verkauft worden, berichtete Penuela.

„Wir fahren Volllast mit der Stammbelegschaft“, erklärte Penuela zur Auslastung des Werks in Offenbach. Es seien auch einige Leiharbeiter angestellt worden. Allerdings erwirtschaftet die Offenbacher Fertigungsstätte noch immer ein negatives Ergebnis, „aber weniger als geplant“, sagte Penuela. „Das Werk bewegt sich in die richtige Richtung.“

Das Firmenimperium von Langley besteht aus fünf sogenannten Divisionen. „Wir sind die größte davon“, erläuterte der Manroland-Chef. Die Gruppe habe im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von etwa 875 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Gewinn vor Steuer der Langley-Unternehmen beläuft sich auf etwa 107 Millionen Euro. Der Hersteller von Druckmaschinen unter anderem für Verpackungen habe mehr als zehn Prozent zu dem Ergebnis beigetragen, erklärte Penuela. „Manroland Sheetfed hat wohl als einziger Hersteller von Druckmaschinen das vierte Jahr in Folge schwarze Zahlen geschrieben.“

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Die Zahl der Mitarbeiter ist stabil und soll es auch 2016 bleiben. Mehr als 1610 Menschen stehen weltweit auf den Gehaltslisten, wie Penuela sagte. Rund 800 arbeiten in Offenbach und Mühlheim. Die Belegschaft sei indes überaltert, berichtete der Geschäftsführer. Nach Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen die jüngeren Mitarbeiter entlassen worden seien, liege das Durchschnittsalter bei Manroland Sheetfed mittlerweile bei 54 Jahren. Zudem würden in den nächsten Jahren viele Angestellte in den Ruhestand gehen. Deshalb soll die Zahl der jährlich eingestellten Auszubildenden von 15 auf 18 erhöht werden. Mehr Lehrlinge will Penuela nicht einstellen. Er verweist auf die starken Schwankungen in der Druckbranche und die Übernahmepflicht im Tarifvertrag der Metallindustrie. Diese sei „eher ein Hindernis für die Ausbildung“, sagte der Geschäftsführer. „Ich würde mehr Leute ausbilden, wenn ich die Hürde nicht hätte.“

Zu Manroland Sheetfed gehören mehr als 40 Tochtergesellschaften im Ausland. Eine Niederlassung ist auch in Indien gegründet worden. „Indien ist vom Volumen her attraktiv“, erläuterte Penuela. China sei nach wie vor der Hauptmarkt für Druckmaschinenhersteller. „Gott sei Dank mit abnehmender Bedeutung“, sagte Penuela. Schließlich sei so eine Abhängigkeit nicht gesund für ein Unternehmen. Asien stellt aber weiter etwa ein Drittel des Marktvolumens dar. Wichtig seien auch die USA, betonte Penuela.

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