Düstere Aussichten auf der Sonnenseite

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Schöner Baum mit Nebenwirkung: Monika Knauer beklagt die sommerliche Verdunkelung ihres Wohnzimmers.

Bürgel (cmw/hov) ‐ Wenn es ums Thema Licht geht, verfinstert sich Monika Knauers Blick. Seit Jahren verschattet ein Baum das Wohnzimmer ihrer Erdgeschosswohnung an der Schönbornstraße 37.

Hier leben sie und ihr Mann Volker seit 13 Jahren, und „anfangs hatten wir es sehr sonnig“, erzählt die Dame und zeigt auf die inzwischen unnütze Markise ihrer Terrasse wie auf ein Beweisstück. Die Terrasse liegt vor dem Wohnzimmer - sonnige Südseite, günstig ausgerichtet zur Grünanlage an der Kreuzstraße.

Und das Grün, das liege ihnen ja auch sehr am Herzen, betont das Paar. Wenn es nur nicht so üppig wuchern würde. Zunächst seien die städtischen Gewächse regelmäßig geschnitten worden, erläutert Volker Knauer. Doch damit sei es seit etwa fünf Jahren vorbei. Seither wuchs das Objekt des Anstoßes zu stattlicher Größe heran: ein Laubbaum, der Stamm romantisch von einer Kletterpflanze umrankt, direkt an der Grundstücksgrenze und nur wenige Meter vom Knauer-Ausguck entfernt. Noch sei Winter, der Baum kahl und das Problem klein, erklärt Monika Knauer. „Doch bald ist der Frühling da, dann ändert sich das schlagartig. Die Anlage wird grün, der Baum bekommt Blätter und wir hausen im Dunkeln.“ Im Sommer könne man sich im Wohnzimmer trotz des großen Fensters nur bei elektrischem Licht bewegen.

„Ein bisschen Lichteinfall wäre schön.“

Vor zwei Jahren hatten die Eheleute erstmals das Amt für Stadtplanung angeschrieben und ihr Problem geschildert. Allein: „Man antwortete uns, dass keine Verdunkelung bestehe. Und das, obwohl keiner vom Amt in unserer Wohnung war.“ Außerdem erfuhren die Knauers, dass der Baum gesund sei und damit unangreifbar. Nach mehreren Schriftwechseln ohne Ergebnis haben die Bürgeler nun vorerst aufgegeben. Dennoch hoffen sie: „Ein bisschen Lichteinfall wäre schön. Wir wollen den Baum ja nicht fällen lassen. Zwei bis drei abgesägte Äste, das würde wohl schon reichen.“

Aber das wird wohl nicht passieren. „Beschnitten oder gefällt werden Bäume in der Regel nur aus Verkehrssicherungsgründen“, erklärt Sigrid Pietzsch, Referatskoordinatorin für Stadtgestaltung. Grundsätzlich wolle man jeden Baum erhalten. Und keinen Präzedenzfall schaffen mit Blick auf das Gesamtwohl der Stadt, für das jeder Baum, jedes Grün Bereicherung und Klimaverbesserer sei. Das sieht Bodo Stricker, Abteilungsleiter Öffentlicher Raum beim mit der Baumbetreuung zuständigen Stadtdienstleister ESO, ebenso. Und wirbt um Verständnis, „dass wir nicht jeder Beschwerde nachgehen können, da wir 30 000 Bäume pflegen“.

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