So schützen Sie sich

Dunkelheit macht Diebe

+
Die Spurensicherung zeigt es schnell: Waren Profis oder Amateure am Werk?

Offenbach - Sie sind wieder fast tägliche Elemente im Polizeibericht. Kaum eine Nacht ohne Wohnungs- oder Geschäftseinbruch. Für die Ordnungshüter nichts Außergewöhnliches. Von Thomas Kirstein

Was der Laie als besondere Häufung registriert, erklärt der Polizist zur jahreszeitlich bedingten Routine. „Alle Jahre wieder, kein großer Unterschiede der Fallzahlen, kein frappanter Anstieg“, sagt Präsidiumssprecher Henry Faltin.

So banal sie klingt, die damit zu verbindende Warnung, sie kann nicht oft genug vermittelt werden: Wird es früher dunkel, verstärkt sich dank besserer Gelegenheiten die auf Eigenheime und Wohnungen ausgerichtete kriminelle Energie der Branche. Besonders beliebt bei den Ganoven ist laut Henry Faltin die Zeit zwischen 16.30 und 19.30 Uhr. Es wird früh dunkel, viele Wohnungen sind noch verwaist.

Gezielt ein Objekt aufgesucht?

Gezielt ein Objekt aufgesucht wird selten, weiß Faltin. Einzeltäter und Banden streifen eher umher und lassen sich von günstig erscheinenden Gegebenheiten einladen. Auch im Winter gibt es gekippte Fenster, die die die jahreszeitlichen Vorteile ergänzen.

Die Struktur der Täter ist vielfältig. Laut Henry Faltin geht das von zur Mutprobe verleiteten Jugendlichen über die ortsansässigen Junkies bis zu regional oder gar international operierenden Banden, die oft aus Osteuropa stammen. An der Art und Weise, wie Zugänge geknackt wurden, erkennen die Ermittler, mit welchen Grad der Professionalisierung sie es zu tun hatten.

Fahndungserfolg aus dem Sommer

Polizeisprecher Faltin erinnert an einen Fahndungserfolg aus dem Sommer. Da schnappten seine Kollegen eine sechsköpfige Bande 16- bis 24-Jähriger, die für 220 Einbrüche vornehmlich im Main-Kinzig-Kreis verantwortlich gemacht werden.

Da oft erst die Gelegenheit erfolgreiche Diebe macht, mahnt die Polizei immer wieder zu Vorsorge und Vorsicht. Auch wer sein Haus noch nicht zu einer Festung ausgebaut hat, kann mit einfachen Mitteln etwas tun. Mal ein Licht anlassen, am besten eine Zeitschaltuhr nutzen; Außenbeleuchtung mit Bewegungsmeldern koppeln, Rollläden nicht dauerhaft unten lassen, um keinen Anschein des Verreistseins zu erwecken. Schreiner-Tipp für Leute mit großen Schiebetüren zur Terrasse: Eine blockierende Latte in der Führungsschiene ist ein einfaches, meist aber wirkungsvolles Sicherheitsmittel. Denn die Täter, so weiß die Polizei, brechen in den meisten Fällen nach wenigen Sekunden ab, wenn sie auf Widerstände stoßen oder die Gefahr besteht, dass sie zuviel Lärm machen.

Einbruch und Sicherheit

Die Polizei Südhessen sagt den Einbrechern den Kampf an. Im Präventionsmobil können sich die Bürger informieren und beraten lassen.

Zum Video

Eine der besten Sicherungseinrichtungen sei ohnehin eine aufmerksame Nachbarschaft, meint Henry Faltin. Verdächtige Beobachtungen, auch fremde Autos, die in der Wohnstraße verdächtig unterwegs sind, sollten der Polizei gemeldet werden, empfiehlt er und verspricht, dass seine Kollegen auf den Revieren in der Regel ein offenes Ohr haben werden. „Die Bürger sind unsere Augen, sie dürfen gern einmal mehr anrufen“, sagt Faltin.

Die Polizei selbst will mit diversen Aktionen vorbeugen. In Offenbachs Süden und Südosten fiel in den vergangenen Wochen öfter der kreisende Polizeihubschrauber auf, der Streifen auf dem Boden steuerte und unterstützte. Es ging um Einbrecher, die vermutlich nicht weit von ihren Tatorten entfernt in diesen Gebieten wohnen. In der dunklen Jahreszeit sind zudem vermehrt Streifen in zivilen Fahrzeugen unterwegs.

Kontrollen an den Ein- und Ausfallstraßen

Dazu kommen wiederkehrende Kontrollen an den Ein- und Ausfallstraßen, bei denen die Beamten ein besonderes Augenmerk auf mögliche Beute und einschlägiges Werkzeug haben. Hin und wieder gehen Einbrecher ins Netz. Aber auch wichtig für die Polizei, wie Sprecher Faltin erklärt: „Wir verschrecken und verunsichern die Szene, weil die erkennen muss, dass sie sich in einem verriegelten Gebiet befinden kann.“

An einer Tatsache wird alle Vorsorge von Bürgern und Ordnungshütern allerdings nichts ändern: Sobald es wieder früher dunkler wird, prägt der fast tägliche Wohnungseinbruch den Polizeibericht. Alle Jahre wieder.

Kommentare