Offenbacher Duo vor Gericht

Mit fremden Daten im Netz eingekauft

Offenbach - Mit nur wenigen Mausklicks und einer gültigen Kreditkarte lassen sich im Internet Waren bequem von daheim bestellen. Von Jenny Bieniek

Zwei Offenbacher sollen dies über Monate hinweg getan haben – mit fremden Namen, Adressen und Kreditkartennummern, die sie sich übers Einhacken in die Datenbanken mittelständischer Firmen beschafft haben. Vor dem Amtsgericht angeklagt sind zwei Offenbacher, die auf diese Weise einen Schaden von mehreren 10.000 Euro verursacht haben sollen. Vorwurf: Gewerbsmäßiger Computerbetrug in 125 Fällen. Die bestellten Waren ließ das Duo an Packstationen in Dreieich, Mühlheim und Offenbach schicken, deren Zugangsdaten sie ebenfalls illegal gehackt hatten. Anschließend sollen sie die Waren bei Ebay weiterverkauft haben.

Daniel T. (Name von der Redaktion geändert) verdient sein Geld als Kleinunternehmer, der Mitangeklagte Rudi S. (Name von der Redaktion geändert) ist sein ehemaliger Praktikant. Während der zierliche Rudi S. mit seinem modernen Haarschnitt und der trendigen Jacke nicht recht ins Bild eines Hackers passen will, entspricht sein ehemaliger Chef T. dem gängigen Klischee eher: Die langen, krausen Haare hält der kräftige 41-Jährige mit einem Samt-Haargummi zusammen, Norweger-Pullover und Sportschuhe komplettieren das Outfit des Österreichers. Bei der gestrigen Beweisaufnahme im Offenbacher Amtsgericht hörte Richter Manfred Beck zwölf Zeugen, darunter Polizeibeamte, Geschädigte und ehemalige Angestellte des Ladenbesitzers. Auf die Schliche kam die Kriminalpolizei dem illegalen Treiben, nachdem sich Anzeigen zu Kreditkartenbetrug häuften und die bestellten Waren immer an Packstationen geliefert wurden.

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Also überwachten die Beamten die DHL-Stationen. Dort trafen sie wenig später den 24-jährigen Rudi S. an, der zunächst angab, nur „Läufer“ und an den Geschäften nicht aktiv beteiligt zu sein. Die spätere Durchsuchung seiner Wohnung an der Friedensstraße lässt jedoch einen anderen Schluss zu. Dort fanden die Beamten neben PCs, Laptops, Handys und Monitoren auch einen USB-Stick. Dieser enthielt Anleitungen für Betrugsmaschen sowie große Mengen Kredit-, Bank- und Packstation-Accountdaten Geschädigter, die nachweislich für On-line-Geschäfte genutzt wurden. Zudem soll Rudi S. Zugriff auf diverse Administratorenbereiche gehabt haben. In seinem Briefkasten fanden die Beamten eine gefälschte Packstation-Karte mit darauf notierter Pin. Erdrückend sind auch die auf seinem Rechner sichergestellten Chat-Protokolle. Darin tauscht S. mit einem User, den er mit „Cheffo“ anredet und der diverse Male von Familienbesuchen in Österreich spricht, Informationen über bestellte Waren, Sendungsnummern und Lieferorte aus. Eine oft auftauchende IP-Adresse ist der Telekom Wien zuzuordnen. Alles deutet auf Daniel T. hin. Der Österreicher mit jugoslawischen Wurzeln hat wegen Drogendelikten bereits im Gefängnis gesessen. Der nächste Verhandlungstag ist für Mitte März angesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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