Durch den Dschungel lotsen

Offenbach ‐ Wer durch den Dschungel will, braucht einen Führer. So geht es auch Absolventen von allgemeinbildenden Schulen, die auf der Schwelle zum Übergang ins Berufsleben stehen. Bislang mussten sie sich den Weg durch das Dickicht zum großen Teil selbst bahnen. Von Veronika Szeherova

Dabei gab es noch nie so viele Wege in den Berufseinstieg wie heute. Dennoch, oder gerade deswegen, finden etwa 50 Prozent aller Jugendlichen der Abschlussjahrgänge keinen Ausbildungsplatz im „dualen Ausbildungssystem“ von Berufsschule und Betrieb. „Die Übergänge dorthin funktionieren nicht“, sagt Bürgermeisterin Birgit Simon. „Die Orientierungslosigkeit ist groß, bei den Jugendlichen und leider oft auch bei den Lehrkräften.“ Der 134 Seiten umfassende Ordner „Wege ins Berufsleben“, der an alle Offenbacher Schulen verteilt wird, soll nun Abhilfe schaffen und „Transparenz in das System bringen“.

Dafür richtete das Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration die Förderinitiative „Regionales Übergangsmanagement“ ein. Diese agiert mit dem Programm „Perspektive Berufsabschluss“ als eines von 27 bundesweiten Modellprojekten, die sich zum Ziel gesetzt haben, als Lotse durch die regionale und lokale Angebotslandschaft zu führen. „Unser Auftrag ist, dass jeder, der die Schule verlässt, weiß, wie es danach weitergeht“, sagt Projektleiter Ralph Kersten.

Problemlagen des letzten Abschlussjahrgangs werden erfasst

Auf dreieinhalb Jahre ist das Projekt angelegt. „Dieser Ordner ist nur der erste Schritt, ein Instrument der Bestandsaufnahme“, erklärt Projektmitarbeiterin Nicole Kröcker. Das Übergangsmanagement müsse noch weiter verbessert werden. „80 Prozent der Jugendlichen schaffen bislang spätestens nach einer Übergangsmaßnahme den Einstieg in die Ausbildung“, so Kröcker. „Wir wollen möglichst erreichen, dass nicht mal diese 20 Prozent übrig bleiben.“

Der Katalog ist auf der Internetseite der Stadt Offenbach abrufbar.

Für den Katalog wurden die Problemlagen des letzten Abschlussjahrgangs erfasst. Befragungen von Schulabgängern, aber auch bei der Mainarbeit, der Agentur für Arbeit und den Kammern (IHK und HK) waren ein wichtiges Arbeitsmittel. Doch es blieben auch Fragen ungeklärt; wie zum Beispiel die Schicksale von Schulabgängern, die weder einen Ausbildungsplatz fanden, noch an Übergangssystemen wie Berufsschule, Abendschule oder Projekten wie EIBE (Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt) teilnahmen. „Diese jungen Leute sind ja nicht plötzlich verschwunden, ihr Leben geht ja trotzdem irgendwie weiter“, sagt Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. Daher soll in Zukunft die „individuelle Biographie der Jugendlichen“ stärker in den Blickpunkt gerückt werden.

Besonders Lehrern sollen die Augen geöffnet werden für Alternativen zum herkömmlichen Ausbildungssystem. Daher informiert die Mappe auch über Angebote wie Freiwillige Soziale Jahre, Auslandsaufenthalte oder Au-Pair. Auch Hilfeangebote für junge oder werdende Mütter ergänzen das Spektrum.

Rubriklistenbild: © dpa

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